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DAVID 2012 – Hochspannung in Iserlohn

Der Campus der privaten Hochschule BiTS Business and Information Technology School in Iserlohn war Schauplatz des DAVID Award 2012. Zehn Studenten-Teams von privaten bzw. staatlichen Hochschulen sowie  privaten Akademien kämpften in einem knallharten Ausleseprozess um Gold, Silber und Bronze. Prämiert wurde das beste Event-Konzept. Die Luft in der zur Event Location umgestalteten Turnhalle war Adrenalin-geschwängert, Dutzende von jungen Leuten wuselten mit Feuereifer und leuchtenden Augen – es ging um DAVID, den Nachwuchspreis des FAMAB.

Auf der ganzen Linie nur Gewinner
Unterstützt wurden die Studenten bei den realitäts-nahen und anspruchsvollen Aufgaben von FME-Agenturen und natürlich von ihren jeweiligen Hochschullehrern/Dozenten. Der organisatorische Aufwand für die beteiligten Hochschulen und die Logistik für die Preisverleihung waren beachtlich und so muss man dem Veranstalter FAMAB, den beiden externen Projektleitern Christoph Küppers und Aljoscha Höhn (gleichzeitig auch Initiatoren des Wettbewerbs) sowie den vielen Freiwilligen der BiTS ein großes Kompliment machen.

Der Dank gilt auch den zahlreichen Sponsoren, die sich in den Dienst der guten Sache stellten. Die gute Sache besteht in den ungeheuer wertvollen Erfahrungen und Lerneffekten aller studentischen Teilnehmer, auch derjenigen, die es nicht auf das Treppchen geschafft haben.

Es war die Bestätigung der alten chinesischen Weisheit vom Weg, der das Ziel ist. Die Studenten lernen unter fachlicher Anleitung ziel-orientierte Konzepte zu entwickeln und  sie in eine präsentations-fähige Form zu bringen. Sie lernen, die Kompetenzen, die in einem Team stecken, effektiv einzusetzen. Sie spüren die Kräfte und Energien eines funktionierenden Teams und erfahren, wie wichtig das für den Erfolg im Beruf ist. Sie lernen spielerisch verschiedene Drucksituationen kennen und meistern. Und man hat ihnen eine vielbeachtete Bühne bereitet, auf der sie sich als High Potentials der Branche zeigen können. Und wie im richtigen Leben kann man scheitern, aus der Spur geraten, schlecht beraten sein.

Auf schmalem Grat

Mit zunehmender Dauer der Präsentationen fühlte man sich an eine Casting Show erinnert, da fast alle Teams überbordend viel Energie in ihren Bühnenauftritt steckten. Wie aufge-putscht und geradezu übermotiviert wirkte so manche Präsentation. Der Autor kennt aus eigener langjähriger Agentur-Erfahrung den schmalen Grat zwischen seriöser Darstellung und emotionalem Tamtam im Pitch mit 10 anderen Agenturen. In Iserlohn wähnte man sich zeitweise in einem Wettbewerb um die ausgefallenste Präsentation. Selbstgebasteltes, Handgemaltes und professionell produzierte Video-Clips kamen zum Einsatz. Sogar TV-Formate wurden blau-äugig zweckentfremdet, um die Jury möglichst tief zu beeindrucken. Emotionalität geriet zum Selbstzweck.

Natürlich gilt die Agentur-Weisheit, daß die Präsentation selbst ein Erlebnis sein sollte, doch der Grat ist recht schmal. Rechts lauert der Abgrund namens Unglaubwürdigkeit und links die Ablenkung vom Wesentlichen. Dabei wurde die Präsentation lt. Ausschrei-bung nur mit 25% gewertet.

Auf ein Wort – der Wettbewerbsmodus

Der Wettbewerb mit einer K.O.-Runde zu Beginn, mit Online-Publikumswertung und Professoren-Voting sorgt zwar für ein gewisses Spektakel, kann und wurde leider zu einer Gratwanderung: die Fachhochschule München unterlag im sog. Battle mit 0:27 Punkten (3 Runden à 9 Punkte), was aber ein völlig schiefes Bild von den gezeigten Leistungen produzierte. Die Münchener hätten einige andere Teams glatt geschlagen, hatten aber das Pech, auf einen excellenten Gegner zu treffen. Die Punktewertung glich einer Demütigung, was die engagierten jungen Menschen unnötig verletzt hat.

Schwierig wird es auch, wenn die Aufgaben nicht gleichwertig sind. Die ersten beiden Runden wurden mit der Konzeption für ein Mitarbeiter-Event bestritten. Bei der dritten und entscheidenden Runde sollte es um ein Corporate Event gehen. In Wahrheit handelte es sich beim Store Launch von adidas aber um ein Public Event. Da ist die Vernetzung eine Pflicht (20% Wertungspunkte), beim Corporate Event hängt es vom konkreten Fall ab. Eine Verzerrung der Wettbewerbsbedingungen stellen auch die sehr unterschiedlichen Produkte bzw. Marken dar: Der Glamour und die Alltagsnähe von adidas konkurrierte mit Baumaschinen und einem hierzulande unbekannten Energy-Drink. Das ist schwer vergleichbar und übt auf die Studenten eine sehr unterschiedliche Anziehungskraft aus.

Und sonst?

Das Team der BiTS gewann ihr Heimspiel hoch verdient. Dennoch muß man feststellen (und das deckt sich mit der Dozenten-Erfahrung des Autors), daß Studenten sich mit Corporate Events wesentlich schwerer tun als mit Mitarbeiter-Events. Da fehlt es natur-gemäß am Feeling für Vertriebsfragen, am Marken-Verständnis und an Marketing-Wissen.

Die meisten Konzepte waren – trotz Budget-Vorgabe – finanziell nicht zu realisieren und manche wären auch an der Physik gescheitert. Die hochkarätige Jury hat eine Mammut-Aufgabe bravourös gemeistert, die Moderation von Aljoscha Höhn war Extraklasse, auch weil er ein Altersgenosse der Studenten ist und selbst Eventmanagement studiert hat. Und – wir können uns auf einen engagierten und qualifizierten Nachwuchs freuen.

Geschrieben am 10.07.2012 von admin

Freelancer-Falle Scheinselbständigkeit

Beginnen wir ganz harmlos mit dem Ergebnis der eveos-Umfrage aus April 2012. Basis waren 64 Nennungen, also eine nicht repräsentative Momentaufnahme

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Traditionell arbeitet die Veranstaltungswirtschaft, allen voran Agenturen, Messebau, technische Dienstleister und Caterer, mit freien Mitarbeitern. Diese Freelancer helfen die Probleme der Kurzfristigkeit des Projektgeschäftes aber auch der Auslastungs-schwankungen aufzufangen. Es geht auch um die hohen Hürden des Kündigungsschutzes, denn Festangestellte wird man nicht so leicht los. Ehrlicherweise sollte man hinzufügen, es geht auch darum, Kosten zu sparen – die Kosten der sozialen Absicherung von Beschäftigten.

Die modernen Wanderarbeiter

Der Markt der Freelancer ist intransparent, heterogen und von einer bunten Vielfalt gekennzeichnet. In einer ersten Stufe erkennt man Spezialisierungen auf Events oder Messen, auf Incentives oder Promotions. Im Technik-Bereich sind es Licht, Ton oder Video. Ein anderer Filter betrifft  die Qualifikations-Hierarchie: Account Director, Senior-Projektleiter, Projektleiter und Junior-PL. Desgleichen bei der Technik-Fraktion mit Meister/Fachkraft für Veranstaltungstechnik und Helfer.

Darüber hinaus gibt es unzählige Spezialisierungen wie Pharma-Kodex oder Automotive Events, Entertainment oder Guestmanagement, Event-Regisseur, technischer Leiter, Konzeptioner/Architekt, Licht-Designer, Maskenbildner, lichtsetzender Kameramann usw.

Kann man Loyalität kaufen?

Das Problem aus Sicht der Auftraggeber! Ein Dienstleistungsvertrag kann zwar die gleichen Treue-Klauseln enthalten wie der Arbeitsvertrag, aber die Bindungsqualität ist eine andere. Identifikation mit der Aufgabe und dem Betrieb beeinflußt aber gerade die Qualität und Produktivität. Hinzu kommt das Problem von Aufsicht und Kontrolle in Zeiten des ‚Home Office‘. Umgekehrt sieht sich mancher Freelancer als Mitarbeiter 2. Klasse. Nächstes Thema: auch ein externer Mitarbeiter erwartet Führung, erwartet Integration ins Projektteam.

Als Auftraggeber muß man im Hinterkopf haben, ein Freelancer in Not verspricht fast alles: er macht Dinge, die er eigentlich fachlich oder zeitlich nicht leisten kann. Da ist er ein Spiegelbild seines Auftraggebers – einen guten Kunden läßt man nicht hängen, einen lukrativen Auftrag läßt man nicht sausen, auch wenn die Kompetenz dafür (noch) nicht ausreicht.

Die Motivation von Freelancern sollte man kennen: sein eigener Herr sein, freie Zeiteinteilung, Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit, ein Unternehmer in eigener Sache sein – ja, das macht stolz. Nicht wenige Freelancer sind unfreiwillig in diesen Status gerutscht. Entlassungswellen in Agenturen haben ihre Spuren hinterlassen. Leichtfertigkeit und Unwissenheit sind ebenfalls ursächlich für diesen „Zustand“.

Wie viele Freiberufler haben sich nach sorgfältiger Abwägung von Vor- und Nachteilen dafür entschieden? Der Preis der Freiheit ist häufig eine Unterversicherung im Hinblick auf Kranken- und Pflegeversicherung, Unfallschutz, Verdienstausfall und Altersvorsorge, von einem bezahlten Urlaub ganz zu schweigen. Freie Projektleiter/Eventmanager, Veranstaltungs-techniker und Messebau-Monteure, die diese Versicherungsbeiträge und Rücklagen nicht in ihren Tagessätzen berücksichtigen, gefährden nicht nur ihre eigene wirtschaftliche Existenz, sondern setzen auch eine Abwärtsspirale in Gang. Denn es findet sich immer jemand, der es billiger macht.

Unternehmer in eigener Sache – Schein oder Sein?

Damit kommen wir zu einem heißen Eisen, an dem sich gerade einige Akteure die Finger verbrennen. Zum Beispiel Agenturen, die auf ihrer website freie Projektleiter als feste Mitarbeiter darstellen. Unter Scheinselbständigkeit versteht man das Auftreten als Selbständiger, obwohl die Person nach Art der Tätigkeit als beschäftigt im Sinne der Sozial-versicherung anzusehen ist. Dabei ist nicht die Bezeichnung oder die Anmeldung eines Gewerbes entscheidend, sondern allein, wie sich die Tätigkeit aufgrund einer Gesamt-würdigung aller Umstände des Einzelfalls darstellt.

Das Sozialgesetzbuch definiert (abhängige) Beschäftigung als nichtselbständige Arbeit. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind danach u.a. eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers. Der Auftraggeber ist verpflichtet, die Selbständigkeit des Freelancers anhand von Dokumenten (Gewerbe-schein, Steuernummer, Auftragsnachweise) zu prüfen. Der Auftraggeber haftet für die gesamten Sozialversicherungsbeiträge im Falle einer Scheinselbständigkeit. Diese Regelung soll übrigens auch dem Schutz vor Ausbeutung dienen.

Was nun….?

Der Gesetzgeber hat auch Lösungen parat. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz bietet zahlreiche Wege zur Flexibilisierung von (sozialabgaben-pflichtigen) Arbeitsverträgen, z.B. durch die zeitliche und sachliche Befristung. Oder durch eine kapazitäts-orientierte „Arbeit auf Abruf“. Eine weitere sozial nachhaltige Gestaltung von Arbeitsverhältnissen liegt in der Arbeitnehmerüberlassung. Hierzu werden Freelancer von Zeitarbeitsfirmen festangestellt, wie z.B. bei ADECCO oder in der Veranstaltungstechnik von artlogic staffpool.

Die Parteien sollten vor allem ihre Haltung überdenken: Freelancer müssen lernen, wie Unternehmer zu denken und Auftraggeber die sozialversicherungs-rechtliche Situation ihres Betriebes durchleuchten und ggf. eine Strategie entwickeln.

Geschrieben am 30.04.2012 von admin

Must have: Handbuch zum Eventrecht

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Der hohe Anschaffungspreis von € 129,- amortisiert sich schneller als man denkt.

Geschrieben am 29.03.2012 von admin

Best of Events 2012

Die bundesdeutsche Erlebnisgesellschaft trifft sich alljährlich, kaum dass die letzte Silvester-Rakete verglüht ist, in den Dortmunder Messehallen, quasi im Schatten der Schwarz-Gelben Wand. Deren Roar, also die akustische Manifestation dieses Fußball-Mythos, bereicherte die BoE-Night atmosphärisch und die gute Laune dort hatte offensichtlich auf die Aussteller und Besucher abgefärbt: Die Mienen schienen deutlich freundlicher und zufriedener als in den vergangenen Jahren. Die Messe ein Stimmungsbarometer für die aktuelle Geschäftslage der Veranstaltungswirtschaft? Ein klares Ja!

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Das Rahmenprogramm – runderneuert und überladen

Der Veranstalter hat sich einiges einfallen lassen, um den Messebesuch attraktiver zu gestalten. Ausgezahlt hat sich das nicht, denn der Besucherzuspruch stieg gegenüber 2011 nur um 2% auf 9.800 Personen.

Das umfangreiche Vortragsprogramm und die zahlreichen Plattformen: BOEXPERIENCE, BoE-Forum, BoE Speaker Forum live, BoE Social Network Lounge, BoE Recruitment Area, dazu die traditionellen Verleihungen des Nachwuchspreises INA und des BEA für die „Großen“ – da konnte man sich verdammt schwer tun, was außer den Ständen noch  besucht werden sollte. Weniger wäre mehr gewesen.

Die großspurig als Recruitment-Area betitelte Zone entpuppte sich als der Stand des Studieninstituts für Kommunikation – mit dem Flair eines Rekrutenplatzes. Allerdings hatten sich als Arbeitgeber nur zwei Agenturen für die Idee erwärmt und logischerweise eine Personalberatung.

Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache

Die Zahl der Aussteller ging erneut und zwar um 6,0% auf 410 zurück. Die Ausstel- lungsfläche stagniert bei 20.000 qm brutto nach Angaben des Veranstalters. Da kann man sich – wie bei den Besucherzahlen – nicht zufrieden zurücklehnen.

Auffällig das Fehlen zahlreicher namhafter Unternehmen aus der Veranstaltungstechnik (satis+fy, PRG, POOL, SIRIUS, CT) und Catering (Kofler, Käfer, Party Löwe, Hoffmann, FR Catering und erstmals auch LPS, ehemals Lufthansa Party Service). Bis auf Broich Premium Catering fehlten alle in der LECA (unter dem Dach des FAMAB) organisierten Catering-Betriebe. Die Event-Agenturen traten wie immer erst gar nicht an und ließen sich durch ihren Verband FME (auch unter dem Dach des FAMAB) vertreten. Das war schon immer ein Manko dieser Messe. Das ist schon ein Politikum, ist der FAMAB doch ein wesentlicher Partner des Veranstalters.

Welche  Lücke reißt die Insolvenz der MICE AG?

In den Aufbau der Messe platzte die Meldung über die Insolvenz der MICE AG, dem Veranstalter der Konkurrenzmesse stb marketplace. Bei der letzten Ausgabe im November 2011 in München hatte man noch den „Big Bang“ und die überfällige Totalrenovierung verkündet. Nun ist es ungewiß, ob die geplante und in MICE-Marketplace umbenannte Veranstaltung am 27. März in Hamburg stattfinden wird. Hier entsteht unter Umständen eine strategische Chance, Hotels und Locations stärker an die Best of Events heranzuführen, die bisher eher auf der marketplace vertreten waren.

Fazit

Die manchmal als Jahrmarkt und „Leid-Messe“ verspottete Best of Events hat ihren Nutzwert als wichtigster Branchen-Treffpunkt untermauert. Wenn der Veranstalter das „Live-Marketing“ (im übrigen ein völlig unsinniger Begriff) aus dem Untertitel streichen würde, könnte das Gemecker sofort eingestellt werden. Das Niveau der Messestände ist mittlerweile sehr ansehnlich, der repräsentative Branchen-Querschnitt hingegen steigerungsfähig: Agenturen, Caterer, Messebau und einige Bigshots der technischen Dienstleister hinterlassen große Lücken in der Ausstellerbilanz.

Der Besucherzuspruch stagniert, obwohl die „Eventisierung“ der Gesellschaft zunimmt. Die Stadt wird zur Bühne, Kultur- und Sport-Events sind selbstverständliche Bestandteile der heutigen Erlebnisgesellschaft. Das deutet auf unzureichend erschlossene Potentiale.

Die Branche nutzt diese Messe seit jeher, um sich zu treffen. Networking ist der Mehr-wert, den die „Event-People“ in Dortmund suchen. In diese Richtung wurde das Konzept weiterentwickelt. Im Überschwang ist das ein wenig aus dem Ruder gelaufen und könnte mit wenigen Handgriffen korrigiert werden. Meine Anregung ist wie im Vorjahr, einen Fachkongress anzudocken. Damit kann man Agenturen einbinden und die Corporate Planner locken. Der Branche fehlt ein anspruchsvoller Fachkongress für Eventkommuni-kation. Zuguterletzt – der Messekatalog ist Klasse!

Geschrieben am 24.01.2012 von admin

ADAM + EVA Award-Show 2011

Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB die Oscars der Live-Kommunikation – ADAM für herausragende Messestände und EVA für ausgezeichnete Events. Einen wunderbar klassischen Rahmen gab exakt einen Monat vor Heiligabend der Mannheimer „Rosengarten“ ab. Der Veranstalter vermeldete stolz ein ausverkauftes Haus – 1.550 Gäste füllten das Kongress-Zentrum.

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Im Bann der Slotmachine

Die ADAM + EVA-Awardshow war ein Highlight dank eines intelligenten roten Faden, einer gelungenen Dramaturgie, der einfallsreichen Medialisierung und einer beherzten Organi-sation! Ein Kompliment der ausführenden Agentur Vogelsänger.

Nach einem unkonventionellen Intro-Film spielten die Mannheimer Sinfoniker die Ouvertüre zu einer zweieinhalb-stündigen Preisverleihung, die von Kai Spitzl anfangs mit Süffisanz und reichlich Wortwitz moderiert wurde. Leider konnte er sein Niveau nicht halten. Das Bühnenbild wurde beherrscht von einer Panoramaprojektion und 3D-Mapping. Der „Buchstabensalat“ gab allerdings Rätsel auf.

Spannung pur bei der Verteilung von Gold, Silber und Bronze: Eine filmische Slotmachine schlug das Publikum und die Nominierten insgesamt 13 Mal in ihren Bann. Ein dramaturgischer Geniestreich, wenn man die herkömmlichen Rituale kennt! Ein visuelles Vergnügen auch die Performance von Lichtfaktor, die mit LED-Leuchten tanzten. Über zwei Kameras und ein VJ-Mischpult entstanden auf der Projektionswand zauberhafte Schlieren und Effekte, die im Design der ADAM + EVA-Trailer wieder auftauchten.

Erstmalig wurde auch ein Catering Award vergeben. Und genau hier passierte ein Fauxpas: Auf der Bühne wurde die Agentur des Siegerprojektes Liebherr/BAUMA 2010 geehrt, nicht aber der Caterer Kofler & Company! Er saß im Saal und wurde freundlich gegrüßt. Bei einem Gewerke-Award hat die Agentur auf der Bühne nichts verloren. War das ein Regie-Fehler oder der Selbstverliebtheit von Agenturen geschuldet?

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Das Manko wie in den Vorjahren – die Kunden fehlten im Saal und bisweilen auf der Bühne. Bei dieser Nabelschau der Branche gehören die Kunden genauso ins Rampenlicht wie die Agenturen, Architekten und Messebauer.

Die Abräumer

Wer oder was hat gewonnen? Gewonnen hat die Box – und das gleich viermal: je 2x Gold bei ADAM und EVA. Die Lightbox by Karl Lagerfeld (Kunde Schwarzkopf), The Cube von Electrolux, der State Grid Pavillon auf der EXPO Shanghai (Kunde State Grid Corporation of China) und The Audi Qube 3. Das Prinzip war stets ein bespielter Würfel, spektakulär platziert und in Szene gesetzt.

Erfolgreichster Kunde war die Daimler AG mit 2x Gold und 1x Bronze, die erfolgreichste Branche (wie immer) Automobil – sprich Audi, BMW, Daimler – mit insgesamt 9 Platzierungen. Unter den Architekten glänzte KMS Team mit zwei ersten Plätzen, Holtmann Messebau freute sich über Gold und Silber, die erfolgreichste Agentur war Metzler:Vater mit Silber und Bronze.

Bei der Kreativität existiert ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, denn der Großraum München stellt mit Abstand die besten Agenturen/Architekten. Und noch etwas fällt ins Auge: die Hälfte der goldenen EVA’s ging an Tochtergesellschaften von großen Werbeagenturen (BBDO live, JungvonMatt/relations, Serviceplan Event). Zufall oder der Beginn eines neuen Zeitalters?

Ein Ärgernis – die EVA-Kategorien

Die Award-Kategorien offenbaren immer mehr Schwächen, denn Kommunikation verändert sich, Event-Formate und Vernetzungsstrategien entwickeln sich weiter. Die Überschnei-dungen von Consumer und Public Events liegen in der Natur der Sache.

Die Zuordnung „Pavillon 21 MINI Opera Space“ zu Corporate Events ist genauso wenig nachvollziehbar wie die Einstufung des „Ballzaubers“ als Charity/Social/Cultural Event. Wenig überzeugend auch die Einordnung der Eröffnungsveranstaltung der HANNOVER MESSE als Exhibition Event, eigentlich ein eindeutiges Corporate Event.

Das Projekt „Tramp a Benz“ – vergoldet als Public Event – hatte nicht im entferntesten etwas mit einer Veranstaltung zu tun! Zweifellos eine erfolgreiche Social-Media-Aktivierung und gelungene PR-Maßnahme. Im Vorjahr der gleiche Fall mit der „Rallye Fernost“ der ostdeutschen Universitäten.

Eine komplette Überarbeitung der Kategorien mit einer entsprechenden Transparenz erscheint dringend geboten. Gut zu Gesicht stände dem FAMAB gerade aufgrund seines Engagements die Kategorie „Green Events“.

Geschrieben am 01.12.2011 von admin