Es ist ZEIT, Arbeit neu zu definieren (8 von 9)

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Wer kennt noch den geflügelten Satz „Im Kapitalismus wird der Mensch durch den Menschen ausgebeutet – im Sozialismus ist es umgekehrt.“? Wertschöpfung durch Ausnutzung ist noch in vielen Branchen allgegenwärtig. Da klingen diese Meldungen wie Nachrichten aus der Zukunft:

Hier bekommen Mitarbeiter für Fehler einen Pokal
Eine Auszeichnung der besonderen Art gibt es bei EOS, einem Unternehmen der Otto Group. Und zwar für mutige Mitarbeiter, die ihre Fehler offen ansprechen und so die Kollegen vor ähnlichen bewahren. Der Wanderpokal ‚Fehler des Kwartals‘ –  Schreibfehler beabsichtigt – soll dazu beitragen, eine positive Kultur des Scheiterns in Unternehmen zu etablieren. http://bit.ly/2hgR8rP

Motivation per virtueller Umarmung
Ebenso außergewöhnlich ist das Bonussystem der Digitalagentur Wunder. Dort senden sich die Mitarbeiter gegenseitig virtuelle Umarmungen, um Kollegen positives Feedback zu geben. Das sorgt nicht nur für gute Stimmung im Büro, sondern hilft auch dem Management, die Erfolge der 120 Mitarbeiter im Blick zu behalten und entscheidet letzten Endes sogar über die Höhe der Leistungsprämie: Je mehr Umarmungen, desto mehr Geld. http://bit.ly/2uQWsoL

expert

 

 

 

© Expert Österreich; Motto der Frühjahrstagung 2019

 „Eine Kultur der Geringschätzung“
Wie Wertschätzung nicht funktioniert, zeigt aktuell das sonst so bejubelte Silicon Valley. Dort scheinen gerade Frauen unter fehlendem Respekt zu leiden. Egal ob Uber, Google oder Facebook: Die Vorwürfe häufen sich… http://bit.ly/2uNEg0T

Digitalisierung: Wertschätzung als neuer Erfolgsfaktor
Bevormundend, fremdgesteuert, kontrollierend – so beschreiben vier von fünf CEO’s in einer Studie von Rochus Mummert ihre Unternehmenskultur. Die gute Nachricht: Schon in den nächsten fünf Jahren, so die befragten Manager, soll sich das ändern: Mehr Wertschätzung, Gestaltungsspielraum und Entwicklungsmöglichkeiten. Denn Wertschätzung, so ein Experte von Rochus Mummert, ist ein Erfolgsfaktor für Agilität und Transformation.
http://bit.ly/2vbsuyB

Grundsätze des Hotel Schindlerhof, Nürnberg
„Der Erfolg unseres Unternehmens resultiert aus den Erfolgen unserer MitunternehmerInnen. Alle können ihren Erfolg durch den Grad ihrer Identifikation mit diesem Unternehmens-Credo klar steuern.“ https://www.schindlerhof.de/
 

kkDer Chef Klaus Kobjoll ist ein vielfach ausgezeichneter Arbeitgeber und Unternehmer, der als Pionier für aussergewöhnliche Unter-nehmenskultur immer wieder beeindruckt. Ob ihn die Die McKinsey-Berater Tom Peters und Robert Waterman inspiriert haben, sei dahingestellt, jedenfalls entwickelten diese in den 70er Jahren ein Unternehmensmodell, in dem sie drei harte und vier weiche Faktoren als Säulen des Erfolgs definierten - darunter die Unternehmenskultur. Die Unternehmenskultur beschreibt die Werte, Normen und Einstellungen, welche die Entscheidungen, Handlungen und das Verhalten der Mitglieder einer Organisation prägen.

Der amerikanische Management-Professor William G. Ouchi beschrieb 1981 in seinem Buch "Theory Z: How American Management Can Meet the Japanese Challenge", wie Mitarbeiter von sich aus hohe Arbeitsdisziplin und Kooperationsbereitschaft zeigen, sobald die Führungskultur auf Vertrauen beruht. Unternehmen, die diese Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter bestmöglich aktivieren, erlangen Vorteile im Wertschöpfungsprozess. Je besser diese Aktivierung gelingt, desto größer ist die Chance, im komplexen und dynamischen Veranstaltungsmarkt zu bestehen.

Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser
Wissensarbeiter – und damit alle in der MICE-Branche Tätigen - sind dann leistungsbereit, wenn sie wertschätzend behandelt werden. „Wertschätzende Behandlung bedeutet aber nicht nur wertschätzende Behandlung des Einzelnen. Es bedeutet immer auch, eine wertschätzende Vertrauenskultur. Die Art des Umgangs untereinander, die Handlungsmuster und Wertesysteme, die sich in der Geschichte des Unternehmens herausgebildet haben, beschreiben die Qualität der Vertrauenskultur.“ (Oleg Cernavin: Vertrauenskultur - Wertschöpfung durch Wertschätzung, S. 2)

Vertrauenskultur vermittelt sich über Sprache und Bilder. Dies geschieht in Geschichten, Anekdoten, Maximen und Grundsätzen, in Sprachregelungen oder Tabus. Sprache und Bilder transportieren Haltung und Einstellungen im Unternehmen. Sprache und Bilder vermitteln die Traditionen und wie im Unternehmen Mitarbeitern miteinander umgehen oder wie sich die Führungskräfte gegenüber ihren Beschäftigten verhalten. (nach Oleg Cernavin, ebenda S. 4)

Unter der Rubrik „Haltung“ schreibt die Kölner Agentur 37 Grad Büro für Live-Kommunikation auf ihrer home-page: „37 Grad ist menschenorientiert, denn keine Kommunikationsdisziplin ist so nah am Menschen wie die Live-Kommunikation. Außerdem stehen wir für Werte und Umgangsformen, denen wir uns mit der Gründung voller Überzeugung verschrieben haben: 37 Grad will ein Ort sein, an dem sich Menschen wohlfühlen, sich weiterentwickeln und lernen können. Bei 37 Grad steht der Mensch im Mittelpunkt. Wir suchen Persönlichkeiten mit Fachkompetenz, die Lust haben, wirklich gute Arbeit zu leisten. Dafür kümmern wir uns um eine außergewöhnlich gute Arbeitsatmosphäre. Unser Unternehmen befindet sich einem steten Veränderungs-prozess, den wir als Teamaufgabe begreifen – alle Mitarbeiter sind eingeladen, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten.“

Menschen zählen mehr als Zahlen
Eine glaubwürdige Vertrauenskultur entsteht durch folgende Aspekte (in Anlehnung an Cernavin): Welchem Menschenbild folgen die Führungskräfte: geht es einseitig um finanziellen Gewinn oder auch um qualitative Ziele bei Entscheidungen. Wird unterstellt, dass die Beschäftigten gern arbeiten - oder es ihnen nur um’s Geld geht?

Führung: Sind den Vorgesetzten vorwiegend Statussymbole und ihr Rang in der formalen Hierarchie wichtig? Versuchen Führungskräfte auftretende Probleme konstruktiv zu lösen und aus Fehlern zu lernen oder suchen sie nach Schuldigen? Praktizieren die Führungskräfte selbst, was sie von anderen verlangen – oder hat eingeforderte Verhalten für sie selbst keine Geltung?

Interne Kommunikation: Kennen die Beschäftigten die Ziele und Strategien des Unternehmens oder ist das nur ein Thema bei den Führungskräften? Gibt es im Unternehmen ein Leitbild, das Führungskräfte auffordert, Kritik zu ertragen, weil es um Verbesserungen geht oder wird Kritik eher persönlich genommen?

Partizipation der Beschäftigten: Vertrauen und Wertschätzung entstehen im Unternehmen nur, wenn alle Betei-ligten tatsächlich einen ernsthaften Beitrag zum Ganzen liefern können, sind nur über Beteiligung an der Sache zu erreichen.

Mitarbeiterzufriedenheit wird nach Meinung von 70 Personalverantwortlichen mittelständischer Unternehmen (Studie von RochusMummert) ausserordentlich beeinflußt,

• wenn Leistung anerkannt wird (80%)
• wenn der Mitarbeiter als Mensch behandelt wird (65%)
• wenn der Mitarbeiter Gerechtigkeit in der Führung wahrnimmt (63%)
• wenn die eigene Meinung gehört und anerkannt wird (50%)
• wenn Mitarbeiter verantwortungsvoller und wertschätzend anderen Kollegen
   gegenüber sind (35%).

In der Anfang 2014 abgeschlossenen Panel-Erhebung wurde der Frage nachgegangen, wodurch sich “gesunde“ von „ungesunden“ Unternehmen unterscheiden und welche Auswirkungen der „Gesundheitszustand“ auf personalpolitische und ökonomische Kennzahlen hat. Unter einem „gesunden Unternehmen“ wird eine auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtete Organisation verstanden. Ihren Erfolg verdankt sie einer Führungs- und Leistungskultur, die Verantwortung für die physische und psychische Gesundheit aller Organisationsmitglieder übernimmt.
Die Ergebnisse der Studie zeigen eindeutig, dass der „Gesundheitszustand“ wesentlich über Wertschätzung, Respekt und qualifizierte Kommunikation zu beeinflussen ist. „Gesündere“ Unternehmen haben laut Studie niedrigere Fehlzeitenquoten, sind produktiver, innovativer, lebendiger und damit auch dauerhaft erfolgreicher.

Fazit für das HR-Management: Schicken Sie Ihren Betrieb zum Gesundheits-Check!
Arbeitnehmer wollen für attraktive bzw. wertschätzende Arbeitgeber tätig sein. Wertschätzung rechnet sich durch weniger Fluktuation und höhere Produktivität!
Die Personalisierung von Wertschätzung obliegt allerdings nicht der Personalabteilung, sondern ist eine Führungsaufgabe. Nur Führung verändert Kultur!

branson

 

 

 

Veröffentlicht am Do, 04.07.2019 - 11:32