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Alles Event? – Ein satirischer Jahresrückblick

Die Eventisierung aller Lebensbereiche war auch im abgelaufenen Jahr nicht aufzuhalten. Selbst die sonst so sauertöpfische FAZ ließ sich hinreißen, für Sportveranstaltungen „Mehr Drama, Baby!“ zu fordern. Man traut sich kaum „Eventmanager“ als Berufsbezeichnung anzugeben, seit ein sog. Eventmanager namens Manfred Schmidt eine Compliance-Musterveranstaltung für einen gewissen Herrn Wulff ausgerichtet hat. Eventagentur ist ein erschreckend altmodisches Wort angesichts der coolen Wortschöpfungen der Agentur-Szene, um sich zu positionieren. Manches erinnert an Posing.
Hier meine Flops und Tops des Jahres 2014.

Mitteilungen des Standesamtes
1. Die verkaufte Braut: ein reicher Wuppertaler Kaufmann schnappt sich die künstlerisch begabte Tochter einer verarmten Hamburger Patrizierfamilie – will sagen, die kreativ kränkelnde Agentur Vok Dams heiratet die nicht ganz so erfolgreiche Kreativ-Agentur
CE & Co (arm aber sexy).
2. Das EU-Baby: Die Eltern konnten sich auf keinen Namen einigen, daher bekommt das Neugeborene gleich 27 Namen – will sagen, in Brüssel eröffnet das europäische Agenturen-Netzwerk 27names ein eigenes Büro und installiert einen Geschäftsführer. Gratulation!
3. Scheidung bei den Nüssli‘s: Ein schweizer Familienoberhaupt macht sich aus dem Staub und gründet eine neue Familie. Die verlassene Ehefrau heiratet umgehend den schon etwas älteren Schreiner Ernst F. Ambrosius – will sagen, Ex-Nüssli-Chef verläßt über Nacht das Unternehmen und zieht 40 Mitarbeiter nach. Präsidentin Isabelle Nüssli füllt die Lücke mit dem Kauf des deutschen Messebau-Unternehmens Ernst F. Ambrosius & Sohn gegr. 1872 GmbH.
4. Zeche adoptiert Zelt: Wer Kohle hat, dem gehört die Welt – will sagen, die RAG-Stiftung erweitert ihr Beteiligungs-Portfolio um die Röder Zeltsysteme und Service AG. Der Stiftungs-vorstand scheint ein Camping-Freund zu sein.

Neues aus Hybrid-City
Wuppertal ist ja nicht nur einer der regenreichsten Regionen Deutschlands, sondern liegt auch ständig im Nebel. Das hat sowohl meteorologische als auch literarische Gründe, denn
ab und zu wabern Wortnebel durchs Tal. Ihren Ursprung haben sie meistens bei den Strategen, die in der Katernberger Straße 54 residieren.
Tusch!!! In aller Bescheidenheit deklarieren sie LIVE CAMPAIGNS als die Zukunft des Marketings schlechthin. BILD brachte eine Sonderausgabe, die Tagesschau unterbrach das laufende Programm. Das staunende Publikum erfährt, daß „Events zum Epicenter einer 360°-Kommunikation werden, die permanent mit Content versorgt wird.“ Da braucht man künftig starke Nerven.
Wir besuchen die Presseabteilung: „Das Hamburger creative.solutions-Team der Kommunikations- und Live-Marketing Agentur Vok Dams hat sich tatkräftige Unterstützung an Bord geholt, um den creativen Output und die 360-Grad- Kompetenz in der direkten Kommunikation weiter zu verstärken. Die Creative-Division baut konsequent das Beratungsgeschäft in der Multichannel-Kommunikation als Erweiterung des bisherigen Angebots der der Kommunikations- und Live-Marketing Agentur aus und folgt damit dem vielfachen Kundenwunsch nach ganzheitlichen Kreativansätzen und -lösungen.“ Mehr Marketing-Voodoo geht nicht.

Das Orakel von Rheda-Wiedenbrück
Mit einer schicksalsschweren Botschaft erschütterte FAMAB RESEARCH im September die deutsche Marketing-Community – mit einer Studie zur „Zukunft des Marketing“. Die einen erfinden das Marketing der Zukunft und die anderen die Zukunft des Marketing. Das ist mal perfektes Ping-Pong.
Die Stichprobe ist, sagen wir einmal, eigenwillig, das Zahlenwerk (Hochrechnung für 2014/Prognose für 2015) recht kurzatmig, der Begriff „Direkte Wirtschaftskommunikation“
nur dem FAMAB geläufig. Auch der Unterschied zwischen Marketing und Marketing-Kommunikation scheint nicht bekannt zu sein. Schwamm drüber. Nachdem ich drüber geschlafen habe, stelle ich mit Schrecken fest, daß Marketing gar keine Zukunft hat, sie endet nämlich dieses Jahr….

Die Meistersinger von Nürnberg
Nahezu unbemerkt von der Branchen-Öffentlichkeit entstand in den letzten 15 Jahren in Nürnberg ein Marketing-Chor der besonderen Art. VERTIKOM hat den Stein der Weisen zwar auch entdeckt. Sie nennen ihn das Neue Marketing. Doch geschenkt, Sixtus Beckmesser. Denn ganz ohne Getöse und Wortgeklingel ist ein meisterhafter Chor aus sich ergänzenden Unternehmen entstanden, die eine Vision und eine Mission haben, Werte für sich proklamieren und über ein klares Selbstbild verfügen. Vielleicht ist ja das Wetter in Nürnberg besser.

Die Nachricht des Jahres
kam ganz zum Schluß – am 5. Dezember. Die Dortmunder Messegesellschaft ist ab 2016 Veranstalter der „Best of Events“ Glück auf!

Veröffentlicht am 28. Januar 2015  |  1 Kommentar

FAMAB Awards 2014 – Des Kaisers neue Kleider

Das Colosseum-Theater in Essen war der großartige Schauplatz für die Premiere der FAMAB Awards, runderneut und hervorgegangen aus ADAM + EVA, den Auszeichnungen für herausragende Events und Messestände. Das Colosseum ist die umgebaute, ehemalige
8. Mechanische Werkstatt der Friedrich Krupp AG. Sie war die Arbeitsstätte von rund 2.000 Menschen, die unter anderem Lokomotivrahmen und Kurbelwellen für Schiffe herstellten. Heute ist sie eine denkmalgeschützte Industriehalle.
Ausverkauft meldete der Veranstalter, leider riß der Lokführerstreik (sic!) einige Lücken ins Auditorium. Aber auch so drängten über 1.300 Gäste einer insgesamt gelungenen Veran-staltung zur „Bühne der Inspiration“, so das diesjährige Motto.

Bühne der Inspiration
Entzünden ließ sich die ausführende Essener Agentur TAS Emotional Marketing vom kulturellen Schmelztiegel des Ruhrgebiets und der renommierten Folkwang Universität der Künste, die zentrale künstlerische Ausbildungsstätte für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft. Seit 1927 sind hier – gemäß der Folkwang Idee von der sparten-übergreifenden Zusammenarbeit der Künste – die verschiedensten Kunstrichtungen und Disziplinen unter einem Dach vereinigt.

Die künstlerischen Protagonisten des Abends waren demzufolge Studenten der Hochschule, die die ganze Bandbreite künstlerischen Ausdrucks auf die Bühne zauberten.
Allein der „Battle of Drums“ – ein Schlagzeug-Trio – lohnte das Kommen. Die Folkwang Show Band sorgte für musikalische Akzente und Untermalung der Preisverleihung.
Zahlreiche junge Nachwuchskünstler umrahmten das Programm, das von einem glänzend aufgelegten Aljoscha Höhn moderiert wurde. Das wohltuend schlichte Bühnenbild war dem Essener Wahrzeichen Zeche Zollverein nachempfunden.

In der Kürze liegt nicht immer die Würze
Die künstlerischen Einlagen, der Esprit des Moderators und der sympathische Auftritt von TAS-Chef Thomas Siepmann konnten allerdings kaum über die didaktischen Schwächen
des Konzeptes hinwegtäuschen. Zweiundeinhalb Stunden Programm – mehr ist auch nicht zumutbar – reichten nicht aus, um die auf 17 (eigentlich 20) angewachsenen Kategorien der FAMAB Awards mit fast immer drei Nominierten angemessen darzustellen und zu würdigen. Der Masse an Preisträgern fiel die für das Publikum nachvollziehbare Dokumentation der Projekte leider zum Opfer. Bisher wurde jedes nominierte Projekt durch einen 3-minütigen Video-Clip vorgestellt, nunmehr waren es drei Minuten für alle Nominierten – mehr oder weniger gut aus dem Einreichermaterial zusammen geschnitten. Irgendwann setzte auch
der Information-Overkill ein. Sehr bedauerlich und zu wenig Inspiration.

Glückspilze und Pechvögel
Wer oder was hat gewonnen? Der Abräumer des Abends war die Audi AG mit 2x Gold, 1x Silber und 2x Bronze. Die Automobilindustrie gewann wie 2013 ein Drittel aller ersten Plätze und ein Drittel aller Auszeichnungen. Die Fraunhofer-Gesellschaft gewann wie adidas Gold und Silber.
Unter den Architekten ragte diesmal Schmidhuber mit 2x Gold und 1x Bronze heraus. Die erfolgreichste Agentur war JungvonMatt mit 2x Gold. Auffallend, daß unter den kreativen Platzhirschen sich Atelier Markgraph mit Gold zurück meldete und VOKDAMS wieder leer ausging, Phocus Brand Contact mit Gold und Silber punktete und Pure Perfection sich zum dritten Mal hintereinander in den vorderen Rängen etablierte. Zwei Newcomer setzten Ausrufezeichen: Lieblingsagentur aus Krefeld (Gold + Silber für adidas) und onliveline aus Köln (Gold für Fraunhofer).

Die vorgestellten Projekte belegen das exzellente Niveau der deutschen Agenturen, Architekten, Messebau und Gewerke. Die Siegerprojekte zündeten manchmal sofort wie die „Rache des Champagners“ von JvM.

Lost in Translation
6. November 2014, 21:03 Uhr – das war er nun, der Relaunch der FAMAB Awards. Ich sitze etwas ratlos in meinem roten Theatersessel. In 15 Jahren hatte ich fast immer sofort eine klare Meinung, nur diesmal nicht. Die Inszenierung war gut, nicht überragend, doch mit dem Charme von „back to the roots“.

Es waren die neuen Award-Kategorien, die mir im Magen lagen. Blamabel die Tatsache,
daß drei Kategorien ohne Nominierte blieben. Gab es keine Einreichungen oder waren sie
zu schlecht? Es offenbaren sich bei genauer Betrachtung logische Schwächen, eine neue Unübersichtlichkeit und wie bisher schmerzliche Überschneidungen. Der Sieger in der Kategorie ‚Best Corporate Event‘ – electrified! Die e-Mobilitätswochen von Volkswagen –
ließe sich mit gleicher Berechtigung auch als Public Event, als Consumer Event oder als Live-PR (ein völlig sinnfreier Begriff) einstufen.

Beliebigkeit ist Trumpf, wie zahlreiche Definitionen belegen, z.B. „Geht nicht gibt’s nicht“ ist das Leitmotiv für die Kategorie „Best Stand Inspiration“. Es prämiert innovative Stand-designs, die einen Überraschungseffekt garantieren und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“
Oder die Resterampe „Best Charity-/Social-/Cultural Event“. So heißt es auf der website „…dienen ausschließlich der Förderung eines gesellschaftlich relevanten Zwecks, die sich an die Öffentlichkeit und/oder Multiplikatoren richten und nicht der Absatzförderung. Beispiele dafür sind Fundraising-Veranstaltungen, Fan-Feste, Oper für alle Bayreuth.“

Logische Brüche? Bitte sehr: Unter der Oberkategorie CROSS würde man cross-mediale Kampagnen erwarten, deren Kern eine Veranstaltung ist. Weit gefehlt. Einzig die Unter-kategorie „Best Integrated Brand Campaign“ zielt darauf ab: „Ein überragend umgesetztes Markenerlebnis lebt auch von einer perfekten Vor- und Nachkommunikation und erzählt eine Geschichte. Die Best Integrated Brand Campaign hat es geschafft, eine Markenbotschaft über mehrere Kommunikationskanäle zu vernetzen und so in verschiedenen Dimensionen in Szene zu setzen.“ In der Ausschreibung hieß es noch „…mit Hilfe von Live-Kommunikation…“

Unter CROSS wird aber auch das subsumiert „Best Live-PR. Hier werden medien-übergreifende PR-Maßnahmen mit einem Live-Erlebnis verknüpft. Dies sind zum Beispiel inszenierte Pressekonferenzen.“ Warum läuft das nicht unter EVENT? Was hat eine „Interactive Installation“ unter CROSS zu suchen? Das wäre doch besser bei SPECIALS aufgehoben. CROSS ist die eigentliche Königsdisziplin und nicht ‚Corporate Event‘ (habe ich noch nie verstanden).

Nicht nachvollziehbar, daß eine „Green Idea“ die gleiche Wertigkeit genießt wie ein kompletter IAA-Messestand. Inkonsequent, warum der FAMAB sich mit der Idee begnügt, statt eine Kategorie „Green Event bzw. Stand“ zu schaffen. Insbesondere, da man das Banner der Nachhaltigkeit stolz vor sich herträgt.

Die Kategorien – in the middle of nowhere
Der FAMAB klebt teilweise an den Begrifflichkeiten der 90er, er orientiert sich zu sehr an Dingen, die produziert werden. Event, Eventmanager und Event-Agentur sind altbacken.
Wir machen Markenkommunikation, wir müssen von der Marke her denken. Multi-Channel-Kampagnen sind im Consumer-Bereich selbstverständlich. Zahlreiche Mitgliedsagenturen
des FAMAB und Nichtmitglieder beweisen das jedes Jahr auf’s Neue und auf’s Beste. Anders verhält es sich mit der Positionierung des FAMAB als „Verband für direkte Wirtschafts-kommunikation“ – das versteht kein Mensch und kein Marketeer. Sie entspricht auch nicht dem Selbstverständnis der Mitglieder. Die bekennen sich meistens zu Live-Kommunikation.

Ähnlich kritisch kann man an die neue Kategorie ARCHITECTURE herangehen. Warum taucht der Begriff ‚Szenografie‘ überhaupt nicht auf? Warum fehlen POS-Inszenierungen? Worunter fallen innovative Formen wie das Station Branding von H&M am Wiener Stephansplatz?

Wir müssen von Anwendungsfeldern und Branchen her denken. Wirtschaft, Sport, Kultur, Gesellschaft, Produktmarke, Unternehmensmarke, Launch/Relaunch etc. sind alles Kriterien für eine Kategorienbildung. Sorry, FAMAB, Du bist in der Marketing-Wirklichkeit noch nicht angekommen. Anders ausgedrückt, die Kategorien stehen ziemlich nackig da. Zum Trost, der ADC hat ebenfalls Schwierigkeiten wie Präsidiums-Mitglied Thomas Junk kürzlich befand: „Die ADC-Kategorien sind altmodisch.“

Fazit
Der Relaunch der Award-Kategorien ist nur teilweise geglückt. Definitionen, Logik und Wertigkeit müssen nachjustiert werden und es sind zu viele (Zeitproblem bei der Verleihung). Als Veranstaltung sind die FAMAB Awards gelungen, die Award-Show selbst und auch das Drumherum. Alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen haben ihr Bestes gegeben. Über den Rest müssen wir noch einmal reden.

Veröffentlicht am 28. Januar 2015  |  Kommentar schreiben

Location Award 2014

Ein kleines Jubiläum feierte der Location Award am 25. September 2014 mit der 5. Ausgabe der Auszeichnung excellenter Veranstaltungsorte. Veranstalter Frank Lienert, Geschäfts-führer und Gründer der Suchmaschine locationportale konnte annähernd 500 Gäste in der Warsteiner Welt, dem Besucherzentrum der ortsansässigen Brauerei begrüßen. In der an Awards nicht gerade armen Branche verfügt diese Preisverleihung über Alleinstellung, Relevanz und Nutzen für die Zielgruppe der Veranstaltungsplaner in Unternehmen und Agenturen. Die legitime Eigenwerbung wurde angenehm überstrahlt von der offensichtlichen Liebe zur Sache durch die Sponsoren, die Jury und dem Initiator an der Spitze.

Der Wettbewerb
In elf Kategorien wurden Preise vergeben. In einem Online-Voting qualifizierten sich die meistgenannten drei Bewerber als Nominierte, die dann von einer Experten-Jury persönlich besucht und nach objektiven Kriterien bewertet wurden. Neben kategorie-spezifischen Merkmalen wurden auch übergreifende Faktoren wie zusätzliche Services
für Veranstaltungen, Außenflächen, Design, Logistik, Umweltverträglichkeit, Technik und Innovationsgrad bewertet. Die Kategorienbildung ist durchweg logisch, markt-gerecht und aus der Sicht eines Konzeptioners sinnvoll. Auch dies ein Kompliment an die Macher, denn Gegenbeispiele existieren genug.

Berlin ist doch reich – und sexy!
Abräumer des Abends war eindeutig die Destination Berlin: Die ungebrochene Attraktion der Hauptstadt spiegelt sich auch in ihrem Reichtum an architektonisch und kultur-historisch bedeutsamen Veranstaltungsstätten. In den 10 Kategorien stationärer Locations stellte Berlin dreimal den Gewinner und siebenmal eine Nominierung, also genau ein Drittel der Endrundenteilnehmer. Alle Gewinner und Nominierten findet man hier. Die Zeche Zollverein in Essen stellte mit dem SANAA-Gebäude und dem OKTOGON zwei Erstplazierte, Hamburg punktete mit dem Schuppen 52 und München mit dem BMW Museum.

Die Dramaturgie blieb auf der Strecke
Ausbaufähig waren allerdings der Ablauf und die Dramaturgie des Abends. Nach einem schwungvollen, augenzwinkernden Intro-Video mit Frank Lienert in der Hauptrolle und einem gekonnten Übergang zur Location des Abends übernahm Moderator Aljoscha Höhn das Zepter. Leider hatte der sonst so erfrischende, mit großer Schlagfertigkeit ausgestattete Langenfelder nicht seinen besten Tag erwischt. Im Fußball würde man sagen, er wirkte überspielt. Die Ansagen und Interviews waren nicht sonderlich originell, das Duzen von Frank Lienert und den meisten Jury-Mitgliedern wirkte unpassend.

Die Elemente der Preisverleihung – Video-Clips der Nominierten, Auftrittsmusik, Siegermelodie, Jury-Statement und Umschlag im Oscar-Stil – kann man so machen. Aber 11 Mal im D-Zug-Tempo durchgezogen wirkt es ermüdend. Ein Intermezzo oder Live-Musik hätte das Ganze bekömmlicher gemacht. Ein Fauxpas und nicht nachvollziehbar war, die Plazierten von der Bühne zu schicken, während der Sieger sich wie ein Schulbub allein auf weiter Flur die Laudatio anhören durfte.

Überflüssig war am Ende der Zeremonie die Keynote von Trendbeobachter und Speaker Adjiedj Bakas aus den Niederlanden. Um 22:30 Uhr begann er seinen Vortrag, zog sich jedoch geschickt aus der Affäre. Das war für ihn und das Publikum eine verschenkte Gelegenheit, denn die Aufmerksamkeit lag nach 150 Minuten durstigen unbeweglichen Stuhlminuten eindeutig woanders.

Fazit
Dem Veranstalter und seinen Unterstützern gebührt großer Respekt für eine unter dem Strich gelungene Veranstaltung. Gastfreundschaft und organisatorisches Geschick waren jederzeit spürbar. Wohltuend auch die Wirkung des Hinweises auf den Dress Code. Das Ergebnis konnte sich nicht nur bei der Damenwelt sehen lassen. Nachahmenswert!

Veröffentlicht am 11. Dezember 2014  |  Kommentar schreiben

Agentur(Völker) höret die Signale

Seit Jahren wird wortreich über die Pitch-Praxis zahlreicher Unternehmen und Behörden lamentiert: unprofessionelle Briefings, Massenausschreibungen, undurchsichtige Entscheidungen, unfaire Tricksereien, Ideenklau, unbezahlte Präsentationen, reine Schreibtischvorlagen usw. Die Wellen der Erregung gehen immer mal wieder hoch, Verbandsmitglieder aller Couleur schwören sich, kein Pitch ohne Honorar, was leider nicht das Papier wert ist, auf dem es steht. Einige Agenturen stellen intern strenge Regeln auf, nach denen sie an Wettbewerben teilnehmen. Aber im Kampf von David gegen Goliath haben die Agenturen leere Hände. Wo steckt diese verdammte Steinschleuder?

Neu: Zentrale Meldestelle für unsaubere Pitches
Die GPRA Gesellschaft PR-Agenturen e.V. hat eine naheliegende Idee realisiert und den pitchblog.de online gestellt. „Auf Initiative der Gesellschaft der führenden PR-Agenturen (GPRA) hat die Rechtsanwaltskanzlei IRLEMOSER LLP diesen Blog ins Leben gerufen. Er setzt sich mit den Besonderheiten der gängigsten aller Auftragsvergabemethoden – dem Pitch – auseinander. Pitchblog.de ist für die gesamte Kommunikationsbranche gedacht, von der PR über Werbung bis zur digitalen Kommunikation“, so der O-Ton auf der website. Handeln statt Jammern! Ein Kommunikationsverband schreitet mutig voran und versucht sich zu wehren. Mit den bewährten Mitteln von Öffentlichkeit und Transparenz – eine Art von Stiftung Warentest für Agentur-Pitches.

Zitat: „Zu diesem Zweck will Pitchblog.de auch als Sprachrohr und Plattform zum Dialog dienen und Branche, wie Öffentlichkeit für die Bedeutung regelgerechter Pitches sensibilisieren. Pitchblog.de setzt sich für das Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung, den Schutz guter Ideen und marktfähiger Konzeptvorlagen ein. Es geht um Fairness, Transparenz und Chancengleichheit.“
Auf facebook gibt es schon länger https://www.facebook.com/pitchetiquette?fref=ts eine ebenfalls sehr positive Initiative, aber doch mehr eine „Meckerecke“.

Natürlich sind die Agenturen selbst schuld
Das beruht auch auf der normativen Kraft des Faktischen wie der Jurist an dieser Stelle sagt, vulgo es ist das Ausspielen von (Markt-)Macht. Wie zu allen Zeiten, wie überall auf der Welt. Jede Agentur kämpft für sich allein, jeder Pitch spielt sich hinter verschlossenen Türen ab. Auf dem Arbeitsmarkt führte das im Mittelalter zu der Gründung der Zünfte und im 19. Jahrhundert zur Gründung von Gewerkschaften. Die Kleinen organisieren sich und bilden eine Gegengewicht. Im Internet-Zeitalter sorgt man für Transparenz und organisiert sich über das Netz!

So funktioniert der Online-Pranger
Im Schutz der Anonymität können Agenturen nun negative, aber auch positive Beispiele von Ausschreibungen einreichen. Einreichungsstelle ist die Rechtsanwaltskanzlei IRLEMOSER in Berlin. Dort werden die Unterlagen nach bestimmten Kriterien geprüft:
„Ein „Good Pitch“ verfolgt klare, transparente Ziele bei der Vergabe und Abwicklung. Die Chancengleichheit ist sichergestellt. Ein „Foul Pitch“ liegt vor, wenn:

•    die Ausschreibungskriterien nicht sachgerecht sind
•    das Verfahren oder die Vergabeentscheidung intransparent oder unfair sind
•    oder sogar erhebliche Zweifel daran bestehen, dass der Auftraggeber an der ernsthaften Ausschreibung eines Projektes und der anschließenden Auftragsvergabe an die bestgeeignete Agentur interessiert ist.“

Soweit der Originaltext. Danach folgt eine Überprüfung nach einem transparenten Verfahren:

Analyse und Bewertung der Ausschreibungsunterlagen durch die Kanzlei IRLE MOSER LLP  nach festgelegten Kriterien, Recherchen durch die Redaktion, insbesondere Gelegenheit zur Stellungnahme durch die Beteiligten und eine sachliche Veröffentlichung des Falls auf Pitchblog.de

Kein „Schwarzes-Peter-Spiel“
Der Druck zu den manchmal bizarren, oft unsinnigen Ausschreibungen kommt aus den Einkaufsabteilungen, die Fachabteilungen sind lediglich Gefangene des Verfahrens. Nun hat es allerdings keinen Zweck, mit dem Finger auf die Einkäufer zu zeigen. Einerseits haben – zumindest in der Event-Branche – die Agenturen es auch an Aufklärung und Transparenz ihrer Leistungen fehlen lassen. Dies war übrigens die einhellige Meinung des Münchner Konvents. Darum bemüht sich zunehmend auch der FAMAB. Andererseits muß man auch betriebswirtschaftlich argumentieren, wie es in zahlreichen Beiträgen Prof. Dr. Hans Rück getan hat, indem er auf die TCO (Total Cost of Ownership) abstellt, zu deutsch die Vollkostenrechnung. Denn die internen Kosten der Ausschreibung fallen bei den Auftraggebern unter den Tisch. Außerdem geht es um die Rolle des Einkaufs, der sich häufig als „Drückerkolonne“ verhält, dabei eine wichtige Beratungsrolle im Beschaffungsprozeß spielt. Auch da könnten die Agenturen ansetzen.

Fazit
Nach dem alten Blücher-Prinzip von „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ sollten die Agenturen über Transparenz und Öffentlichkeit Druck aufbauen – oder doch zumindest vor unfairen Praktiken warnen – und andererseits auf Augenhöhe selbstbewußt und offensiv argumentieren. Eine ausdrückliche Einladung der GPRA geht an die die anderen Agenturverbände, wobei der GWA direkt gekniffen hat. Spannend wird sein, wie sich der FAMAB dazu stellt.

Veröffentlicht am 22. Juli 2014  |  Kommentar schreiben

Schöne Bescherung – ein satirischer Jahresrückblick 2013

Fangen wir mit etwas Positivem an – der Himmel ist uns nicht auf den Kopf gefallen und das Alien namens „Euro-Krise“ scheint uns nicht von unserem Kontinent vertreiben zu können.
Am Ende eines Arbeitsjahres voll Adrenalin, 360°-Frust und Glücksmomenten, nach gefühlt 498 Arbeitstagen steht Ihr endlich nicht mehr so wahnsinnig unter Strom. Wie geht’s Euch, Ihr Ereignisschmiede und Traumverkäufer?

Mitteilungen des Standesamtes
Die Familie beklagt den Heimgang einiger ihrer engsten Angehörigen: die Insolvenzanträge die Messebaugesellschaften Ernst F. Ambrosius & Sohn gegründet 1873 GmbH (Altersschwäche) und KnaufKassel GmbH (nach drei Generationen ist das Erbe verfrühstückt), die Agenturen Panroyal aus Wuppertal (zu viele Geschäftsführer verderben den Brei) und Outstanding Solutions aus Dortmund (?) wanderten auf den Firmenfriedhof. Im Hinblick auf mickrige Margen, die bizarre Pitch-Praxis und chaotische Kunden ist das kein schlechter Ausweg.

Im siebten Himmel wähnen sich die Nürnberger DialogFeld Communication Group und die Hamburger Agentur vitamin-e. Sie gaben sich im Oktober das Ja-Wort. Vermutlich ist es
für beide eine Liebesheirat – aus Liebe zum Geld.

Heimlich still und leise wurde BBDO live nach der massenhaften Abwanderung von Mitarbeitern aus dem Register gelöscht und der Rest bei BBDO Proximity eingebracht. Nun haben beide größten deutschen Werbeagenturen (BBDO + GREY) keine Event-Tochter mehr.

Eine hübsche Geburtsanzeige veröffentlichte „Freudentanz – Netzwerk für Begeisterung“.

Neues aus Hybrid-City
Wuppertal ist nicht nur gebeutelt als Deutschlands größtes Regenloch, nein, es wurde im Jahre 1929 künstlich zusammengefügt aus den kreisfreien Großstädten Elberfeld und Barmen. Hybrid…da war doch was? Richtig, doch die Karawane ist schon weitergezogen! Unter Aufbietung modernster Fremdwörter hat sich VOK DAMS nunmehr auf „Live Campaigns“ verlegt. Wir hoffen inständig, daß die Mitarbeiter noch mit kommen. Und gebaut wurde auch: das Atelierhaus. Der President-General-Directeur? Oui c’est Monsieur Volkwart Dams (75).

Im Vorhof zur Hölle…
…vulgo ‚Ausschreibung‘. Regelmäßig quälen Zentraleinkäufer der Automobilbranche ihre Dienstleister. Zum Beispiel für die IAA: Jenseits der glitzernden Karossen und blinkenden Shows gab es eine Menge Beulen – in den Kassen der Veranstaltungstechnik-Unter-nehmen. Die Full-Service-Dienstleister werden von kleinen Technischen Planungsbüros und Dry-Hire-Unternehmen in die Zange genommen. Nach zwei Preisrunden mit dem Einkauf setzt die Schnappatmung ein. Wie kann man sich wehren gegen den Mißbrauch von Marktmacht und ruinösem Preiswettbewerb? Der Hammel führt den Metzger selbst zur Schlachtbank, oder was? Wo drücken sich eigentlich der FAMAB und der vplt herum?
Die 3 Affen grinsen sich eins – nichts hören, nichts sehen und ja nicht drüber sprechen.

Eventmanager des Jahres
Niemand befriedigt unser tiefsitzendes Bedürfnis nach Ordnung und Rangfolge so wohlig wie Peter Blach. Er kürt alles, was sich irgendwie zählen und bewerten läßt. Als Ranking, Award und mit der Königsdisziplin „Event-Manager des Jahres“. Urteil der Jury: Keiner schwenkt das Weihrauchfaß so gekonnt wie Ranking-Peter!

Veröffentlicht am 24. Januar 2014  |  Kommentar schreiben

ADAM + EVA-Awardshow – von Glückspilzen und Pechvögeln

adam-eva-award-buehne   Foto: Henning Stein

Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB die Oscars der Live-Kommunikation – EVA für ausgezeichnete Events und ADAM für excellente Messestände. Die Messestadt Leipzig war diesmal Schauplatz und damit ging die Sonne der ADAM + EVA-Awardshow zum ersten Mal im Osten Deutschlands auf. Laut, bunt und rockig ging es in der gigantischen Glashalle auf dem neuen Messegelände vor ca. 900 Gästen zu. Die Glücksgöttin Fortuna leerte wohl ihr gesamtes Füllhorn über die ausrichtende Berliner Agentur insglück aus, die sich nicht nur über einen gelungenen Abend, sondern auch über zwei goldene und zwei silberne Event Awards freuen durfte.

Life is live
Das Konzept der Preisverleihung war im Gegensatz zu den Vorjahren etwas schlichter und basierte auf Show-Elementen wie Live-Musik und Special Effects. Das rockte und groovte, verlieh der zweistündigen Show genügend Schwung. Die wohl schwierigste Veranstaltung
des Jahres wurde von Chris Guse und (aus der Nominee-Lounge) Aljoscha Höhn moderiert. Der hatte sich bereits im Vorfeld als „rasender Reporter“ in den nominierten Agenturen und auf den Strassen von Leipzig getummelt. Beide lösten ihre Aufgabe betont locker und amüsant. Auf der Bühne verzichtete Chris Guse klugerweise in den Interviews auf jede Fachsimpelei, beschränkte sich auf eine Conference.

Das Bühnenbild bestand aus beweglichen Projektionssegeln und einer zentralen Showtreppe. Die gesamte Breite der Bühne wurde mit Mood-Bildern bespielt. Integriert waren links und rechts die Felder für Video- und Kamerabild. Das Set war einem Theater nachempfunden,
das Publikum saß aufsteigend auf einer Tribüne, eingerahmt von bauseits vorhandenen Raumteilern. Sensationell der von Neumann & Müller verantwortete Sound in dieser akustisch schwierigen Location.

Sintfluten aus Konfetti
Als Opener gab eine Tanz-Performance in LED-Kostümen, garniert mit Special Effects, die Tonalität des Abends vor. Die Dramaturgie der Preisverleihung in 13 Kategorien erinnerte an bekannte Formate von BAMBI bis GOLDENE KAMERA. Das war sauber, bot allerdings auch wenig Überraschendes. Die Mechanik der Gewinnerkür aus drei nominierten Projekten war wenig originell durch Öffnung des ominösen Briefumschlag von einem Jury-Mitglied geregelt. Währenddessen zeigte die Video-Projektion einen Vierer-Split (Bühne plus drei Nominierte in der Lounge im Backstage-Bereich). Nach der Verkündung schritten die Sieger vorbei an einem Spalier von Live-Musikern die Treppe hinab. Etwas stiefmütterlich wurden die zweiten und dritten Plätze behandelt, die kaum beachtet auf der Bühne herumstanden.

Böse überrascht wurde das Publikum zu Beginn und am Ende der Awardshow durch wahre Sintfluten von silbernem und goldenem Flitter. Das drang bis in die Tiefen der Unterwäsche, war wenig umweltbewußt und hinterließ der Putzkolonne eine wahre Herkulesaufgabe.

Glückspilze und Pechvögel
Wer oder was hat gewonnen? Ein Trend oder ein innovatives Event-Format waren nicht erkennbar. Business as usual auf hohem Niveau. Einen erfolgreichsten Kunden gab es diesmal nicht zu vermelden – vier Automobilhersteller und BAYER lagen auf gleicher Höhe. Mit 3x Gold, 4x Silber, 4x Bronze, sprich einem Drittel aller Auszeichnungen war die erfolgreichste Branche (wie immer) der Automobil-Sektor. Überraschend ging BMW diesmal leer aus. Dagegen hatte die BAYER AG selbst eingereicht und gewann mit ihren Jubiläumsprojekten Silber und Bronze.

Unter den Architekten ragte diesmal niemand heraus. Ambrosius Messebau freute sich über 2x Gold. Die mit Abstand erfolgreichste Agentur war wie erwähnt insglück aus Berlin mit je 2x Gold und Silber. Auffallend, daß VOKDAMS diesmal trotz Einreichungen leer ausging. Viermal Bronze und damit echt „glücklos“ schnitt dagegen facts+fiction ab, eine der deutschen Kreativschmieden. Wie man einen dritten Platz feiern kann, zeigte die große Truppe von Pure Perfection aus Wiesbaden – das war Freude pur.

Don’t worry be happy
Die Award-Kategorien offenbaren weiterhin Schwächen, Überschneidungen von Consumer und Public Events liegen in der Natur der Sache. Doch einige Projekte sind nach allen gängigen Definitionen KEINE Events, sondern Promotion, zu deutsch Verkaufsförderung. Besonders krass trat dies in der schwammigen Kategorie „360°-Events“ ausgerechnet beim Sieger OLYMPUS zutage: sogar im Off-Text ist zweimal von einer Ausstellung die Rede. Nebenbei ist der Begriff ziemlich unsinnig.

Peinlich oder nur unglücklich die Kür in der Kategorie „Event-Catering“. Hier gab es lediglich ein nominiertes Projekt, das von zwei FAMAB-Mitgliedern für eine Eigenveranstaltung des FAMAB eingereicht wurde und – ja, mit Gold bedacht wurde. Es gab zwei weitere Einreich-
ungen mit Niveau und es bleibt das Geheimnis der Jury, warum sie nicht nominiert wurden.
Da wird das Procedere zur Farce. Das hinterläßt ein Geschmäckle, um im Bild zu bleiben. Dieses Urteil bezieht sich wohlgemerkt nicht auf die Catering-Leistung, sondern nur auf
das Verfahren.

Ungereimt der Umgang mit dem Projekt iLUX, das in zwei Kategorien eingereicht bzw. angenommen wurde. Ungereimt auch die Nominierung von vier Projekten in der Kategorie „Public Event“, während beim Eventcatering nur eines vor den Augen der Jury Gnade fand.

Unverständlich (bei dem hohen eigenen Anspruch) die fehlende Kategorie „Green Event“.
Ungerecht seit Jahren die hohe Teilnahmegebühr von 90 Euro für Studenten.

Insgesamt sollte der FAMAB die Kategorien beim geplanten Relaunch für 2014 genauer definieren und auch über sein Verständnis von Event – oder besser Live-Kommunikation – nachdenken.

Alles in allem – eine geglückte Veranstaltung unter schwierigen Bedingungen und mit sehr engagierten Dienstleistungspartnern (Sponsoren). Ein Event, mit dem alle Beteiligten happy sein können, auch wenn es schon bessere gab. Wir freuen uns auf 2014 wieder in Leipzig? Übrigens eine phantastische Stadt, für die man sich Zeit nehmen sollte!

Veröffentlicht am 17. November 2013  |  Kommentar schreiben

IAA 2013: Temporäre Markenwelten und automobile Träume

Immer Alles Ausgebucht – so kann man IAA auch übersetzen. In ganz Deutschland ist nicht eine einzige (hübsche) Hostess zu buchen – sie sind alle in Frankfurt. Gleiches gilt für LED-Module, Scheinwerfer und Lautsprecher.

Die IAA präsentiert sich wieder einmal als Gegenentwurf zur klassischen Werbung:
als automobilstes und unmittelbarstes Markenerlebnis! Mittendrin statt nur dabei! Interaktiv, dialogisch, für viele Besucher elektrisierend. Für die Macher dagegen ein Kraftakt und nicht unbedingt immer ein Geschäft.

Der generelle Eindruck

Montags um 10 Uhr herrscht bereits ein riesiger Andrang. Das Publikum ist jung und international. In 11 Hallen und im Freigelände die übliche Materialschlacht: jede Menge erotisch geformtes Blech und drum herum State-of-the-Art-Veranstaltungstechnik. Alles vom Feinsten! Die wichtigste Leistungsschau der Automobilindustrie, glänzend in Szene gesetzt von der Creme deutscher Agenturen, Messebauer und Technik-Dienstleister. Die meisten Stände waren bereits 2011 zu sehen, Ford und Opel haben sich etwas Neues einfallen lassen. Auffällig wenig Live-Elemente, die „Hupfdohlen“ haben ausgetanzt. Die volle Konzentration galt den Fahrzeugen. Social Media-Angebote allerorten.

Die wichtigsten Messestände

1. Audi – der Spiegelpalast

Die Audi AG bebaut wieder die Agora. Man reibt sich die Augen: war der „Audi-Ring“ von 2011 noch ein kühner Wurf, ein spektakulärer Baukörper mit einer unregelmäßigen, geschwungenen Außenhaut, so steht man jetzt vor einem wenig einladenden, weiß-silbrigen Schuhkarton.

Das Konzept von „Eine Stadt steht Kopf“ erschließt sich dem Besucher nicht – die Überkopf-Baukörper im Look der Potsdamer-Platz-Hochhäuser sind originell, aber lenken vom Produkt ab. Ein bebauter Luftraum, aber sonst? Verspiegelte Decken und Wände. Sehr sachlich, statisch, geradezu klinisch wurde die neuesten Audi-Modelle vorgestellt. Gegenüber 2011 ein Rückschritt in vielerlei Hinsicht.

2. Mercedes-Benz – der Automobil-Tempel

Wer die Festhalle betritt, betritt eine Kathedrale, den Marken-Tempel des Erfinders des Automobils: eine atemberaubende Architektur, eine grandiose Inszenierung. Dramaturgie und Szenographie dienen nur einem einzigen Zweck: hier geht es um Bekehrung.

Die vier Welt-Premieren werden in einem licht-durchfluteten medialen Umfeld vorgestellt. Dazu hat Mercedes-Benz eine fahraktive Bühne in zwei Ebenen geschaffen. Der Auftritt der Marke ist ein Gesamtkunstwerk, das auch durch die musikalische Bespielung glänzt. Fahrzeug-Choreographie, der geradezu wagnerianische Soundtrack und die kompri-mierten Texte sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Ganze wirkt dennoch ein wenig kühl, im Kern ist Mercedes eine Ingenieurs-Marke. Am Ende fällt ein purpurroter Theatervorhang über die LED-Wände – ein erhabener Moment, der die kühle Distanz etwas reduziert.

3. VW-Konzernhalle – der Flagship-Store

Der VW-Konzern ist in der Halle 3.0 geblieben. Wählt man den Eingang links, wähnt man sich in einem überdimensionierten Autohaus, der Eingang rechts hat etwas von einem Hintereingang. Der Konzern mit den vielen Marken präsentierte sich nach dem alten Kaufhof-Motto „Alles unter einem Dach“ (bis auf Audi), was auf Kosten der Eigenständig-keit und Wirkung geht. Eine perfekt ausgeleuchtete Großraum-Disco, denn unvermittelt ertönt ein Techno-Sound, der an der zentralen Information von einer DJane live gemixt wird. Ansonsten ein akustisches und optisches Trommelfeuer von Porsche, Seat, Bentley, Bugatti und Skoda. Die Konzernhalle ist kosten-effektiv, aber nicht marken-gerecht. Ein Balance-Akt, den die Marketing-Abteilungen wohl verloren haben.

Allein VW selbst hat Raum zur Entfaltung. Dem New Beetle  gönnt man eine marken-affine Szenerie, alle anderen Modelle werden sauber gestellt und ausgeleuchtet.
Wie man mehrere Marken unter einem Dach präsentiert, demonstriert die BMW Group.

4. BMW – das Freudehaus

Das Entree zur Halle 11 gehört Rolls Royce, sehr distinguiert, very british. Schräg gegenüber Mini: interaktiv und bunt – NOT NORMAL so das Ausstellungs-Motto – ein konsequenter Markenauftritt, der einfach nur Spaß macht.
Dann öffnete sich die Welt von BMW…. Eine umlaufende Fahrbahn kreuzt die Halle in luftiger Höhe. Die automobilen Highlights, der neue X5 und der elektrische Stadtflitzer i3, werden in einer fahr-aktiven Show präsentiert. Dramaturgie, Action und Leidenschaft vermischen sich zu einer dynamischen Komposition aus Mensch, Maschine, Musik, Licht und Video-Clips. Die Panorama-LED-Wand und die mobilen LED-Module auf der Bühne sind die reine Augenweide. Gestochen scharfe Bilder und High-Class-Videos, die moderne Urbanität und „Unendliche Fahrfreude“ ausdrücken.
Die ganze Halle ist in verschiedene, durch Treppen verbundene, Ebenen aufgeteilt. Klar gegliederte Themenbereiche erleichterten die Orientierung. Ein szenographisches Schmankerl.

 

Veröffentlicht am 16. Oktober 2013  |  Kommentar schreiben

The Great Pretender wird 75

vokdamsHeute wird er 75 Jahre alt, der Mann, der niemals lacht,
zumindest auf Fotos. Happy Birthday Volkwart Dams.

Veröffentlicht am 16. Mai 2013  |  Kommentar schreiben

FAMAB-Qualitätskodex: Anspruch und Wirklichkeit

Im Sommer 2008 veröffentlichte der damalige FME (Forum Marketing-Eventagenturen), heute im FAMAB aufgegangen, ein Positionspapier, das nach innen, aber auch nach ein positives Signal setzen sollte. Dieses ‚Qualitätskodex‘ genannte Verbands-Statement, von einer Handvoll hochkarätiger Experten aus Agenturen und Wissenschaft mit viel Emphase und Sachverstand erarbeitet, weckte die schönsten Hoffnungen. Ein Leuchtturm der Verbandsarbeit, mit dem heute noch geworben wird. Auch der Autor war begeistert.

Eine Kommunikationsdisziplin beweist Haltung

Mit diesem Kodex hatten sich die Mitgliedsagenturen so etwas wie eine Verfassung gegeben: Ein Bekenntnis zu Werten und Normen, ein klares Verständnis vom eigenen Wert und Wirken, ein Muster an Transparenz, eine Selbstverpflichtung, ein Qualitäts-versprechen an die Kund-
schaft, eine Orientierung für Mitglieder und ihre Mitarbeiter. Ein Mission-Statement als Ergeb-
nis von Reflexion auf hohem Niveau – Chapeau.

Einige Zitate als Beleg:

„Zugleich erfüllt diese umfassende und systematische Zusammenstellung obligatorischer Standards im Eventbereich auch eine dringend erforderliche Aufklärungsfunktion:
Der Qualitätskodex weist die Auftraggeber auf spezifische methodische Eigenheiten und Leistungsmerkmale dieser Fachsparte hin und hilft ihnen, sich bei der Auswahl und beim Einsatz geeigneter Kommunikationsexperten in dieser vielschichtigen Branche zurechtzu-finden……Der FME-Qualitätskodex schafft Transparenz und Vertrauen und damit letztlich mehr Raum für Kreativität.“

„Zum Verständnis des vorliegenden FME-Qualitätskodexes ist es zweckdienlich, zwischen den folgenden drei relevanten Ebenen zu unterscheiden:

A. Die Leistungsfähigkeit bzw. das Potenzial der Agentur

FME-Agenturen legen offen und beschreiben die elementaren Merkmale ihrer Unternehmen, der Managementstruktur, Methoden, Menschen, Erfahrungen, Ausstattung, Ressourcen sowie der Partner und Netzwerke.

B. Der effektive Ablauf von Projekten

Initiativ für die ganze Branche zeigt der FME-Qualitätskodex hier beispielhaft ein Fünf-Phasenkonzept mit einer einheitlichen Begrifflichkeit auf, das die zielgerichtete Koordination und Steuerung aller Kontakte mit den Kunden (Veranstaltern) und deren Kunden (Teilnehmerzielgruppen) abbildet. Die eigentliche Optimierung besteht in der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit, Überprüfbarkeit und Wiederholbarkeit der einzelnen Projektphasen vor, während und nach dem Projekt.“

Abgerundet wurde das Dokument durch ein Glossar und zahlreiche Schaubilder.
Zu Recht war man damals sehr stolz. Wegen der positiven Außenwirkung unterzeichneten die Agentur-Chefs den Qualitätskodex demonstrativ, was scheibchenweise per Pressemitteilung kundgetan und auf der FAMAB-website veröffentlicht wurde. Einer derjenigen, die den Kodex nicht unterzeichneten, war der damalige FME-Präsident Volkwart Dams. Man kennt das aus internationalen Verträgen, die zwar feierlich beschlossen, aber dann einzel-staatlich nicht ratifiziert werden.

Nun ist die Ära Dams im Verband zu Ende und seit einiger Zeit ein neuer Vorstand am Ruder, dessen Tatkraft spürbar und dessen Stoßrichtung begrüßenswert ist. Eine neue Regierung pflegt zu Beginn ihrer Amtszeit immer einen Kassensturz zu machen. Im Falle des Qualitäts-
kodex hat sich der Autor die Freiheit genommen, dies anstelle des Vorstands zu übernehmen.

Der FAMAB-Qualitätskodex: zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die selbst aufgestellten Kriterien (vgl. Spaltenüberschriften) wurden für einen halbwegs repräsentativen Querschnitt der Mitglieder anhand ihres Internet-Auftritts überprüft. Vertreten sind  große und kleine Agenturen, aus verschiedenen Regionen, Messebau-Firmen und die Unternehmen von einigen Präsidiumsmitgliedern (gekennzeichnet mit einem P). Geprüft wurde nur das Vorhandensein von Informationen, die in der Präambel des Kodex verpflichtend versprochen werden. Es muß eingeräumt werden, daß  z.B. Nachhaltigkeit oder Projektmanagement praktiziert werden kann, aber auf der website nicht erwähnt wird. 
Das Kriterium der Gesetzestreue wurde bei allen untersuchten Firmen als gegeben unterstellt. Einzige Ausnahme: VOK DAMS, da permanent gegen das UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) verstoßen wird (wahrheits-widrige Behauptung: „weltweit erstes und einziges Institut für Live-
Marketing“).

 

Nachhaltigkeit

 

Management/

Mitarbeiter

Methoden/

Tools

 

Referenzen

Projektmanagement/
Qualitätsmanagement

VOK DAMS

 

Nein

 

Nein

Nein

Ja

nein

Uniplan

 

nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Pommerel

 

Ja

 

Ja

Ja

Ja

Nein

Concept X

 

Nein

 

Ja

Ja

Ja

Nein

pro event (P)

ja

 

ja

ja

Ja

nein

marbet

 

Nein

 

Ja

Ja

Ja

ja

Ereignishaus

 

Nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Eventuality

 

Nein

 

Ja

Nein

Ja

Nein

Joke Event

 

Ja

 

Ja

Nein

ja

Nein

von Hagen (P)

Ja

 

Ja

Ja

Ja

Ja

Ambrosius (P)

Nein

 

z.T.

Nein

Ja

ja

Atelier Türke (P)

Nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Das Ergebnis ist ernüchternd: von den 12 untersuchten Mitgliedern erfüllt nur der Messe-baubetrieb von Hagen sämtliche selbst auferlegten Informationspflichten – als Präsident des FAMAB somit ein leuchtendes Vorbild. Als nachahmenswert in Klarheit und Vollständigkeit des Informationsangebotes präsentieren sich die Agenturen marbet, Pommerel und pro event.

Düster sieht es dagegen bei VOK DAMS aus: Diese website repräsentiert ein Musterbeispiel an Verwirrung, Verwirrtheit und  Intransparenz, nicht nur im Sinne der vom Qualitätskodex verlangten Informationen.

Fazit: Haltet den Dieb!


Seit kurzer Zeit ist der Original-Qualitätskodex von 2008 aus dem Verkehr gezogen und durch ein zweiseitiges lapidares Papier ersetzt worden. Die alten Informationsverpflichtungen sind jedoch direkt und indirekt übernommen worden.  
Was ist passiert? Waren die Agenturen zu mutig oder zu fortschrittlich? Sind sie im Rahmen der Neustrukturierung des Verbandes zurück gepfiffen worden? Oder ist es das heimliche Eingeständnis, daß man die eigenen Ansprüche nicht erfüllen kann, z.B. in Sachen Projektmanagement? Dazu müßte man die Mitarbeiter ja schulen. Das kostet bekanntlich Geld und Zeit.

Bedauerlicherweiseverdient der FAMAB-Qualitätskodex seinen Namen nicht (mehr) – verstümmelt, verwässert und ohne Relevanz bei den Mitgliedern.
Hier geht es zum fme-qualitaetskodex_2008-06-11 von 2008.

Veröffentlicht am 3. Mai 2013  |  1 Kommentar

Umfrage zu den Bezeichnungen für unser Metier

Gemeinsam mit dem eveos blog habe ich im März 2013 eine Umfrage durchgeführt und verschiedene Fachbegriffe zur Abstimmung gestellt. Mit welcher Bezeichnung identifizierten sich die rund 260 Teilnehmer am meisten? Hier das Ergebnis

Grafik-Umfrage-Event-Begriffe

Live-Kommunikation ist der eindeutige Favorit, ein Begriff, der sich in der Praxis schon länger durchgesetzt hat und sich in einigen Agentur-Positionierungen wiederfindet.

Ein empfehlenswertes Fachbuch trägt dies auch im Titel: ‚Live Communication Management‘ von Prof. Manfred Kirchgeorg, Christiane Springer und Christian Brühe.

Auf Platz 2 Eventmarketing ein eher akademischer Begriff, der in jedem guten Marketing-Lehrbuch steht.

Auf Platz 3 Live-Marketing – benutzen einige wenige Agenturen zur Positionierung. Dies ist ein semantisch unsinniger und marketing-fachlich falscher Begriff. LIVE können Werbung oder Kommunikation sein, nicht aber Marketing!

Auf dem letzten Platz: KommunikationDirekt den sich Volkwart Dams ausgedacht hat, zu dem von meiner Seite alles gesagt ist. Und ein Begräbnis erster Klasse

sarg c

Veröffentlicht am 3. April 2013  |  Kommentar schreiben
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