The Great Pretender wird 75
Heute wird er 75 Jahre alt, der Mann, der niemals lacht,
zumindest auf Fotos. Happy Birthday Volkwart Dams.
FAMAB-Qualitätskodex: Anspruch und Wirklichkeit
Im Sommer 2008 veröffentlichte der damalige FME (Forum Marketing-Eventagenturen), heute im FAMAB aufgegangen, ein Positionspapier, das nach innen, aber auch nach ein positives Signal setzen sollte. Dieses ‚Qualitätskodex‘ genannte Verbands-Statement, von einer Handvoll hochkarätiger Experten aus Agenturen und Wissenschaft mit viel Emphase und Sachverstand erarbeitet, weckte die schönsten Hoffnungen. Ein Leuchtturm der Verbandsarbeit, mit dem heute noch geworben wird. Auch der Autor war begeistert.
Eine Kommunikationsdisziplin beweist Haltung
Mit diesem Kodex hatten sich die Mitgliedsagenturen so etwas wie eine Verfassung gegeben: Ein Bekenntnis zu Werten und Normen, ein klares Verständnis vom eigenen Wert und Wirken, ein Muster an Transparenz, eine Selbstverpflichtung, ein Qualitäts-versprechen an die Kund-
schaft, eine Orientierung für Mitglieder und ihre Mitarbeiter. Ein Mission-Statement als Ergeb-
nis von Reflexion auf hohem Niveau – Chapeau.
Einige Zitate als Beleg:
„Zugleich erfüllt diese umfassende und systematische Zusammenstellung obligatorischer Standards im Eventbereich auch eine dringend erforderliche Aufklärungsfunktion:
Der Qualitätskodex weist die Auftraggeber auf spezifische methodische Eigenheiten und Leistungsmerkmale dieser Fachsparte hin und hilft ihnen, sich bei der Auswahl und beim Einsatz geeigneter Kommunikationsexperten in dieser vielschichtigen Branche zurechtzu-finden……Der FME-Qualitätskodex schafft Transparenz und Vertrauen und damit letztlich mehr Raum für Kreativität.“
„Zum Verständnis des vorliegenden FME-Qualitätskodexes ist es zweckdienlich, zwischen den folgenden drei relevanten Ebenen zu unterscheiden:
A. Die Leistungsfähigkeit bzw. das Potenzial der Agentur
FME-Agenturen legen offen und beschreiben die elementaren Merkmale ihrer Unternehmen, der Managementstruktur, Methoden, Menschen, Erfahrungen, Ausstattung, Ressourcen sowie der Partner und Netzwerke.
B. Der effektive Ablauf von Projekten
Initiativ für die ganze Branche zeigt der FME-Qualitätskodex hier beispielhaft ein Fünf-Phasenkonzept mit einer einheitlichen Begrifflichkeit auf, das die zielgerichtete Koordination und Steuerung aller Kontakte mit den Kunden (Veranstaltern) und deren Kunden (Teilnehmerzielgruppen) abbildet. Die eigentliche Optimierung besteht in der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit, Überprüfbarkeit und Wiederholbarkeit der einzelnen Projektphasen vor, während und nach dem Projekt.“
Abgerundet wurde das Dokument durch ein Glossar und zahlreiche Schaubilder.
Zu Recht war man damals sehr stolz. Wegen der positiven Außenwirkung unterzeichneten die Agentur-Chefs den Qualitätskodex demonstrativ, was scheibchenweise per Pressemitteilung kundgetan und auf der FAMAB-website veröffentlicht wurde. Einer derjenigen, die den Kodex nicht unterzeichneten, war der damalige FME-Präsident Volkwart Dams. Man kennt das aus internationalen Verträgen, die zwar feierlich beschlossen, aber dann einzel-staatlich nicht ratifiziert werden.
Nun ist die Ära Dams im Verband zu Ende und seit einiger Zeit ein neuer Vorstand am Ruder, dessen Tatkraft spürbar und dessen Stoßrichtung begrüßenswert ist. Eine neue Regierung pflegt zu Beginn ihrer Amtszeit immer einen Kassensturz zu machen. Im Falle des Qualitäts-
kodex hat sich der Autor die Freiheit genommen, dies anstelle des Vorstands zu übernehmen.
Der FAMAB-Qualitätskodex: zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die selbst aufgestellten Kriterien (vgl. Spaltenüberschriften) wurden für einen halbwegs repräsentativen Querschnitt der Mitglieder anhand ihres Internet-Auftritts überprüft. Vertreten sind große und kleine Agenturen, aus verschiedenen Regionen, Messebau-Firmen und die Unternehmen von einigen Präsidiumsmitgliedern (gekennzeichnet mit einem P). Geprüft wurde nur das Vorhandensein von Informationen, die in der Präambel des Kodex verpflichtend versprochen werden. Es muß eingeräumt werden, daß z.B. Nachhaltigkeit oder Projektmanagement praktiziert werden kann, aber auf der website nicht erwähnt wird.
Das Kriterium der Gesetzestreue wurde bei allen untersuchten Firmen als gegeben unterstellt. Einzige Ausnahme: VOK DAMS, da permanent gegen das UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) verstoßen wird (wahrheits-widrige Behauptung: „weltweit erstes und einziges Institut für Live-
Marketing“).
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Nachhaltigkeit |
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Management/ Mitarbeiter |
Methoden/ Tools
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Referenzen |
Projektmanagement/ |
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VOK DAMS
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Nein |
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Nein |
Nein |
Ja |
nein |
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Uniplan
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nein |
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Ja |
Nein |
Ja |
nein |
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Pommerel
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Ja |
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Ja |
Ja |
Ja |
Nein |
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Concept X
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Nein |
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Ja |
Ja |
Ja |
Nein |
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pro event (P) |
ja |
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ja |
ja |
Ja |
nein |
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marbet
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Nein |
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Ja |
Ja |
Ja |
ja |
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Ereignishaus
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Nein |
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Ja |
Nein |
Ja |
nein |
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Eventuality
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Nein |
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Ja |
Nein |
Ja |
Nein |
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Joke Event
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Ja |
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Ja |
Nein |
ja |
Nein |
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von Hagen (P) |
Ja |
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Ja |
Ja |
Ja |
Ja |
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Ambrosius (P) |
Nein |
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z.T. |
Nein |
Ja |
ja |
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Atelier Türke (P) |
Nein |
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Ja |
Nein |
Ja |
nein |
Das Ergebnis ist ernüchternd: von den 12 untersuchten Mitgliedern erfüllt nur der Messe-baubetrieb von Hagen sämtliche selbst auferlegten Informationspflichten – als Präsident des FAMAB somit ein leuchtendes Vorbild. Als nachahmenswert in Klarheit und Vollständigkeit des Informationsangebotes präsentieren sich die Agenturen marbet, Pommerel und pro event.
Düster sieht es dagegen bei VOK DAMS aus: Diese website repräsentiert ein Musterbeispiel an Verwirrung, Verwirrtheit und Intransparenz, nicht nur im Sinne der vom Qualitätskodex verlangten Informationen.
Fazit: Haltet den Dieb!
Seit kurzer Zeit ist der Original-Qualitätskodex von 2008 aus dem Verkehr gezogen und durch ein zweiseitiges lapidares Papier ersetzt worden. Die alten Informationsverpflichtungen sind jedoch direkt und indirekt übernommen worden.
Was ist passiert? Waren die Agenturen zu mutig oder zu fortschrittlich? Sind sie im Rahmen der Neustrukturierung des Verbandes zurück gepfiffen worden? Oder ist es das heimliche Eingeständnis, daß man die eigenen Ansprüche nicht erfüllen kann, z.B. in Sachen Projektmanagement? Dazu müßte man die Mitarbeiter ja schulen. Das kostet bekanntlich Geld und Zeit.
Bedauerlicherweiseverdient der FAMAB-Qualitätskodex seinen Namen nicht (mehr) – verstümmelt, verwässert und ohne Relevanz bei den Mitgliedern.
Hier geht es zum fme-qualitaetskodex_2008-06-11 von 2008.
Umfrage zu den Bezeichnungen für unser Metier
Gemeinsam mit dem eveos blog habe ich im März 2013 eine Umfrage durchgeführt und verschiedene Fachbegriffe zur Abstimmung gestellt. Mit welcher Bezeichnung identifizierten sich die rund 260 Teilnehmer am meisten? Hier das Ergebnis
Live-Kommunikation ist der eindeutige Favorit, ein Begriff, der sich in der Praxis schon länger durchgesetzt hat und sich in einigen Agentur-Positionierungen wiederfindet.
Ein empfehlenswertes Fachbuch trägt dies auch im Titel: ‚Live Communication Management‘ von Prof. Manfred Kirchgeorg, Christiane Springer und Christian Brühe.
Auf Platz 2 Eventmarketing ein eher akademischer Begriff, der in jedem guten Marketing-Lehrbuch steht.
Auf Platz 3 Live-Marketing – benutzen einige wenige Agenturen zur Positionierung. Dies ist ein semantisch unsinniger und marketing-fachlich falscher Begriff. LIVE können Werbung oder Kommunikation sein, nicht aber Marketing!
Auf dem letzten Platz: KommunikationDirekt den sich Volkwart Dams ausgedacht hat, zu dem von meiner Seite alles gesagt ist. Und ein Begräbnis erster Klasse
Der Etikettenschwindel
Neues aus Wuppertal: ’50 Jahre KommunikationDirekt’ lautet der Titel des neuen Buches von Volkwart Dams. Man reibt sich die Augen, habe ich eine Erinnerungslücke oder hatte ich gar einen Filmriß? Oder ist Herr Dams einfach nur ein Schlawiner oder eher
ein Scharlatan?
Wahrscheinlich beides, aber ganz sicher ein falscher Prophet.
Die Firmengeschichte etikettiert er flugs um zur Geschichte der Event-Branche. Der Leser merkt es erst nach einer Weile. Sein Glaubensbekenntnis heißt ‘KommunikationDirekt’. En passant entdeckte er 1962 dieses Findelkind der Marketing-Kommunikation und hat es sofort adoptiert. Das ganze Buch und was ich darüber denke finden Sie hier
Trau keinem über 30
Vor 30 Jahren, am 1. Februar 1983, betrat ich die Bühne meines Berufslebens.
Der Dortmunder Verlag Harenberg plante eine Großveranstaltung in der Westfalenhalle
und meine Rolle hieß ‚Organisator‘.
Es folgten weitere Engagements: geschäftsführender Gesellschafter einer LaserShow-Company in Köln, Mitglied der Geschäftsleitung der kogag in Solingen. Das Fach wechselte: Geschäftsführer, Projektleiter, Creative Director, Unit Director. Nunmehr seit fast 11 Jahren bin ich Berater, Dozent und Autor für alles, was mit Event zu tun – ich kann schließlich nichts anderes.
Ernsthaft: unter dem Markenzeichen EventCampus berate ich Agenturen, Messebau und Eventdienstleister zu den Themen Marketing, Strategie und Personal. Die überwiegende
Zeit verbringe ich als Kopfjäger, was recht martialisch klingt, daher bevorzuge ich Menschen-fischer.
Mein Herz schlägt immer noch für die Markeninszenierung, daher unterrichte ich dieses Fach und schreibe nebenher ein Buch über Konzeptionslehre. Was mich mit Stolz erfüllt, sind weniger Leistungen und Erfolge, sondern ein Zeitzeuge zu sein. Eventmarketing zählt immer noch zu den Jungen Wilden, mit einem unendlichen Potential, mit faszinierenden Möglich-keiten, Marken und Botschaften in Szene zu setzen. Und ich war fast von Anfang an dabei. Und ein extrem wißbegieriger Autodidakt.
GZSZ – ein satirischer Jahresrückblick 2012
Am Ende eines Arbeitsjahres voll Adrenalin, Mordgelüsten und Glücksmomenten, nach gefühlt 498 Arbeitstagen steht Ihr endlich nicht mehr so unter Strom. Wie geht’s Euch, Ihr fahrendes Volk? Neudeutsch ‚Event-Branche‘ oder eleganter „Kommunikation direkt“. Bist Du tatsächlich schon fünfzig wie Volkwart Dams behauptet? Eigentlich siehst Du ziemlich knackig aus, nicht eine Falte. Halt, da sind doch einige Kummerfalten.
Vier Hochzeiten und einige Todesfälle
Die Familie beklagt den Heimgang einiger ihrer engsten Angehörigen: die MICE AG (zu viele Vorstände verderben den Brei), die kogag (selbst Schuld), die Hamburger Agentur ViON (?) und der Nürburgring (Großmannssucht) wanderten auf den Firmenfriedhof.
Im Hinblick auf die bescheidenen Margen, die grotesken Pitches und die chaotischen Kunden ist das kein schlechter Ausweg.
Im siebten Himmel wähnen sich HSG Zander und ProfiMiet. Es ist schon interessant, wie in diesem Fall der Baukonzern Bilfinger, aber auch Hochtief im Veranstaltungsmarkt mitmischen. Hoffentlich keinen Beton. PRG aus den USA hat die Kölner Showtec geschluckt. Wir wollen uns nicht vorstellen, was passiert, wenn sie die wieder ausspucken. In der Vergangenheit haben sich schon einige Amis an deutschen Event-Firmen verschluckt. Viel Glück wünschen wir auch proFair mit ihrer amerikanischen Mutter MC2. JOKE Event hat hoffentlich bei Unikatevent noch etwas zu lachen.
Nachhilfestunde
Ein merkwürdiges Zwitterwesen treibt sein Unwesen in Deutschland – das Hybrid-Event.
In der Kommunikationswissenschaft wird von Hybridisierung gesprochen, wenn sich mehrere Genres zu einem Neuen zusammenfügen. So gilt z. B. das Genre Reality-TV als Hybrid.
Wenn sich der Rauch der Wuppertaler Nebelkerzen verzogen hat, sehen wir einen Mensch-Maschine-Mensch-Dialog, also eine virtuelle Interaktion. Wie verträgt sich das mit der viel gepriesenen Multisensualität? Die Mißgeburt namens Hybrid Event suggeriert die Gleich-berechtigung von Realität und Virtualität. Der Begriff führt jedoch in die Irre – ein Event ist ein Event ist ein Event (danke, Herr Prof. Rück). Man ist mittendrin, statt nur dabei. Merk Dir das, Colja, sonst kommst Du in die Marketing-Ecke! Sprich mir nach, „ich bin live und das ist gut so.“
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Manfred (Nord-Süd-Dialog) Schmidt und Sascha (Stadtwerke Bochum) Hellen sind die Sumpfblüten unserer Branche. Das sind allerdings kleine Fische im Vergleich zu den Durchstechern bei BMW und VW in den 90er Jahren. Unangenehm wird’s, wenn das Wort „Eventmanager“ auf dem Titel der BILD auftaucht. Da müssen wir uns eine andere Berufsbezeichnung zulegen. Im Berufe-Ranking kommen wir mittlerweile direkt hinter Investmentbanker.
Warum ist es am Rhein so schön?
Was ist denn bei BBDO los? Nix mehr live? Und ist das politisch korrekt? Der Kapitän (Dino Büscher) geht als Erster von Bord. Dann springt die halbe Mannschaft in den Rhein und schwimmt stromabwärts von Bonn nach Köln. Ihr neues Schiff heißt fischerAppelt live marketing und liegt im Zollhafen. Wann funkt BBDO live SOS?
Das Imperium schlägt zurück
Nach zehn Minuten der olympischen Eröffnungsfeier beschlich mich das Gefühl, daß die Briten es der Welt noch einmal richtig zeigen wollten. Dieser lange verdammte Abstieg vom Weltreich in die Niederungen von De-Industrialisierung, wirtschaftliche Dauerkrise und brennenden Innenstädten. Und dann noch der moralische Sumpf namens Finanzindustrie, die Londoner City als Herz der Finsternis.
Beim Zeus, das hatte schon etwas Überirdisches! Waren wir schon im Show-Himmel? Kommt danach noch etwas? Die beiden olympischen Zeremonien waren grandios, aber
es fällt mir schwer, in die Jubelarien einzustimmen. Fast zu perfekt in den Details und manchmal so orientierungslos in der Storyline. Große Momente wie für die Ewigkeit wechselten mit Effekthascherei. Trotzdem verneige ich mich vor der Leistung der Macher und Mitwirkenden.
Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen
Bisher habe ich immer geglaubt der GAU sei eine kurzfristig abgesagte Veranstaltung. Jetzt weiß ich es besser – es ist eine Veranstaltung, die angekündigt wird, aber niemals stattfindet. Du bist ständig in Alarmstimmung. Du steht jeden Morgen auf, gehtst raus zum Rollfeld von BER und zählst zum 123456789sten Mal die Stühle für die VIP’s. Und täglich grüßt der Berliner Bär……
ADAM + EVA Awardshow 2012 – eine eiskalte Überraschung
Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB e.V. die Oscars der Live-Kommunikation – EVA für ausgezeichnete Events und ADAM für excellente Messestände. Den repräsentativen Rahmen gab zum dritten und letzten Mal der Mannheimer „Rosengarten“ ab. Ausverkauftes Haus – 1.550 Gäste füllten das Kongress-Zentrum. Die ADAM + EVA-Awardshow lebte diesmal von dem wunderbaren Kontrast zum harten Arbeitsalltag der Agenturen, Architekten, Caterer und Messebau-betriebe! Zwei Stunden voller Überrasch-
ungen und Selbstironie vergingen wie im Flug.
Foto: eveosblog.de / Henning Stein
Die wunderbare Leichtigkeit des Seins
Das Niveau der alljährlichen Ehrung für herausragende Projekte der Live-Kommunikation
hat mittlerweile einen Level erreicht, das konzeptionell eine Herausforderung darstellt.
Diese Hürde haben die ausführende Agentur marbet und ihr Creative Director Marco Ertz wortwörtlich locker übersprungen. Spannend war, wie das Zeitproblem der Ehrung von über 100 Personen in 14 Kategorien gelöst werden würde. Es war einfach wie genial – die Nominierten für die goldenen, silbernen und bronzenen Äpfel gingen schon während der Vorstellungs-Clips im Dunkeln auf die Bühne. Genauer auf den beweglichen Teil der Bühne. Denn der nächste dramaturgische Kniff entpuppte sich als Hubpodium. Seine drei Elemente hoben sich, dann blieb das erste stehen, dann das zweite und dann war der Gewinner gekürt. Während das vergoldete Projekt per Video vor-gestellt wurde, hörte man das Statement der Jury aus dem Off. Lesen Sie hier weiter
Olympia als greatest show on earth
Beim Zeus, das hatte schon etwas Überirdisches! Waren wir schon im Show-Himmel? Kommt danach noch etwas? Gewiß, die vier olympischen Zeremonien waren grandios, aber es fällt mir schwer, in die Jubelarien einzustimmen. Fast zu perfekt in den Details und manchmal so orientierungslos in der Storyline. Große Momente wie für die Ewigkeit wechselten mit Effekthascherei. Trotzdem verneige ich mich vor der Leistung der Macher und Mitwirkenden.
27. Juli 2012: Das letzte Aufbäumen des British Empire
Nach zehn Minuten beschlich mich das Gefühl, daß die Briten es der Welt noch einmal richtig zeigen wollten. Dieser lange verdammte Abstieg vom Weltreich in die Niederungen von De-
Industrialisierung, wirtschaftliche Dauerkrise und brennenden Städten. Und dann noch der moralische Sumpf namens Finanzindustrie, die Londoner City als Herz der Finsternis. Die häßlichen Schlagzeilen der Weltpresse über die britischen Bankster und Bankenskandale, ausgerechnet kurz vor den Olympischen Spielen!
Für das nationale Selbstwertgefühl wurde eine Menge getan, die selbstverliebte Nabel-schau war streckenweise für Nicht-Insulaner kaum verständlich. Da war sie wieder, die ‚splendid isolation‘. Ja, wir lieben Euch trotzdem, Euren Shakespeare, Euren Humor, Eure Coolness, Eure Musik. Doch Ihr sollt nicht langweilen, mahnte schon Oscar Wilde, aber der war ja auch ein Ire. Die ganze Nummer mit dem Kinderkrankenhaus und der Literatur-Inszenierung von Alice im Wunderland, Peter Pan, Harry Potter, obendrauf die englischen TV-Serien, waren überladen, über-inszeniert und irgendwann langweilig. Da ist der Show-Gaul mit Euch durchgegangen. Genial waren Mr. Bean und die Symbolik der Olympischen Ringe, die Entzündung des Olympischen Feuers, die idyllischen Landschaften und Kinderchöre zu Beginn.
Welch eine Frechheit: den spiritus rector des Internet, Mr. Tim Berners-Lee so vorzuführen, war ausgesprochen respektlos. Daniel Craig war, ist und bleibt ein Abziehbild unseres Helden Bond – James Bond! Die Queen wäre auch so gekommen. Beckham? Geschenkt und ein völlig überschätzter Fußballer dazu. Stunden später – der dramaturgische Schnitzer des Jahres: wie kann man nach einem Requiem die Athleten ins Stadion einmarschieren lassen?
12. August 2012: Top of the Pops und leblose Brasilianer
Noch einmal grandiose Bühnenbilder und Kostüme, geniales Licht-Design, ein Auto-Korso nach dem anderen, also viel fahrendes Volk, spektakuläre Massenszenen, die LED-Kacheln, auf denen FREEDOM durchs Stadion schwebte. Ja, es war der gleiche Rausch der Bilder, anrühr-
ende Momente, überschäumende Lebenslust und eine Explosion der Farben. Die gleiche Hyperaktivität, die gleiche Reizüberflutung…….echt too much!
Britische Musiklegenden, eine Perle nach der anderen, jeweils als Mini-Musical inszeniert:
EmilySandéMadhouseGeorgeMichaelRayDaviesAnnieLennoxFatBoySlimJessieJTinieTempahTaio
CruzSpiceGirlsQueenTakeThatTheWho – da habt Ihr kaum etwas ausgelassen, auch nicht den Kitsch mit John Lennon. Man wurde süchtig, wer kommt als nächstes, gib mir mehr, gib mir viele viele bunte Smarties. Und dann noch einmal so ein dramaturgischer Fehlgriff:
Nach dem orgiastischen Gitarrenspiel von Brian May die Bruchlandung mit den Reden der Oberlangweiler vom IOC. Nachdem das ausgestanden war, freuten wir uns auf Rio de Janeiro, doch….Was war mit den Brasilianern los? In LED-Kostümen kann man nicht tanzen, hat ihnen das keiner gesagt? Die Lady war auch nicht The Girl from Ipanema. Sie wirkte kraftlos, saft-
los, uninspiriert, Eure Nummer. Kein Karneval, kein Samba, keine Farben, keine Lebensfreude – nur Pelé.
9. September 2012: Mad Max kehrt zurück
Ich reibe mir die Augen, als ich die surrealen Fahrzeuge ins Stadion einfahren sehe.
Die sind doch aus “Jenseits der Donnerkuppel”. Und überhaupt die Düsternis des ganzen Spektakels. Das ist eigentlich nur dekadent und weit entfernt von der sonstigen Fröhlichkeit der Paralympics. Coldplay war ja angekündigt, doch sie paßten sich der düsteren Stimmung musikalisch an, ehe sie das geniale “Viva la vida” anstimmten. Und auch mit den weiteren Popstars konnte man nichts falsch machen.
Fazit: Zuviel Bombast, zuviel Geldprasserei, zu abgefahren, aber sonst war es genial!
DAVID 2012 – Hochspannung in Iserlohn
Der Campus der privaten Hochschule BiTS Business and Information Technology School
in Iserlohn war Schauplatz des DAVID Award 2012. Zehn Studenten-Teams von privaten bzw. staatlichen Hochschulen sowie privaten Akademien kämpften in einem knallharten Ausleseprozess um Gold, Silber und Bronze. Prämiert wurde das beste Event-Konzept.
Die Luft in der zur Event Location umgestalteten Turnhalle war Adrenalin-geschwängert, Dutzende von jungen Leuten wuselten mit Feuereifer und leuchtenden Augen – es ging um DAVID, den Nachwuchspreis des FAMAB.
Auf der ganzen Linie nur Gewinner
Unterstützt wurden die Studenten bei den realitäts-nahen und anspruchsvollen Aufgaben
von FME-Agenturen und natürlich von ihren jeweiligen Hochschullehrern/Dozenten.
Der organisatorische Aufwand für die beteiligten Hochschulen und die Logistik für die Preisverleihung waren beachtlich und so muss man dem Veranstalter FAMAB, den beiden externen Projektleitern Christoph Küppers und Aljoscha Höhn (gleichzeitig auch Initiatoren des Wettbewerbs) sowie den vielen Freiwilligen der BiTS ein großes Kompliment machen.
Der Dank gilt auch den zahlreichen Sponsoren, die sich in den Dienst der guten Sache stellten. Die gute Sache besteht in den ungeheuer wertvollen Erfahrungen und Lerneffekten aller studentischen Teilnehmer, auch derjenigen, die es nicht auf das Treppchen geschafft haben.
Es war die Bestätigung der alten chinesischen Weisheit vom Weg, der das Ziel ist. Die Studenten lernen unter fachlicher Anleitung ziel-orientierte Konzepte zu entwickeln und sie in eine präsentations-fähige Form zu bringen. Sie lernen, die Kompetenzen, die in einem Team stecken, effektiv einzusetzen. Sie spüren die Kräfte und Energien eines funktionierenden Teams und erfahren, wie wichtig das für den Erfolg im Beruf ist. Sie lernen spielerisch verschiedene Drucksituationen kennen und meistern. Und man hat ihnen eine vielbeachtete Bühne bereitet, auf der sie sich als High Potentials der Branche zeigen können. Und wie im richtigen Leben kann man scheitern, aus der Spur geraten, schlecht beraten sein.
Auf schmalem Grat
Mit zunehmender Dauer der Präsentationen fühlte man sich an eine Casting Show erinnert, da fast alle Teams überbordend viel Energie in ihren Bühnenauftritt steckten. Wie aufge-putscht und geradezu übermotiviert wirkte so manche Präsentation. Der Autor kennt aus eigener langjähriger Agentur-Erfahrung den schmalen Grat zwischen seriöser Darstellung und emotionalem Tamtam im Pitch mit 10 anderen Agenturen. In Iserlohn wähnte man sich zeit-
weise in einem Wettbewerb um die ausgefallenste Präsentation. Selbstgebasteltes, Hand-
gemaltes und professionell produzierte Video-Clips kamen zum Einsatz. Sogar TV-Formate wurden blau-äugig zweckentfremdet, um die Jury möglichst tief zu beeindrucken. Emotionalität geriet zum Selbstzweck.
Natürlich gilt die Agentur-Weisheit, daß die Präsentation selbst ein Erlebnis sein sollte,
doch der Grat ist recht schmal. Rechts lauert der Abgrund namens Unglaubwürdigkeit und links die Ablenkung vom Wesentlichen. Dabei wurde die Präsentation lt. Ausschrei-bung nur mit 25% gewertet.
Auf ein Wort – der Wettbewerbsmodus
Der Wettbewerb mit einer K.O.-Runde zu Beginn, mit Online-Publikumswertung und Professoren-Voting sorgt zwar für ein gewisses Spektakel, kann und wurde leider zu einer Gratwanderung: die Fachhochschule München unterlag im sog. Battle mit 0:27 Punkten (3 Runden à 9 Punkte), was aber ein völlig schiefes Bild von den gezeigten Leistungen produzierte. Die Münchener hätten einige andere Teams glatt geschlagen, hatten aber das Pech, auf einen excellenten Gegner zu treffen. Die Punktewertung glich einer Demütigung, was die engagierten jungen Menschen unnötig verletzt hat.
Schwierig wird es auch, wenn die Aufgaben nicht gleichwertig sind. Die ersten beiden Runden wurden mit der Konzeption für ein Mitarbeiter-Event bestritten. Bei der dritten und entscheidenden Runde sollte es um ein Corporate Event gehen. In Wahrheit handelte
es sich beim Store Launch von adidas aber um ein Public Event. Da ist die Vernetzung eine Pflicht (20% Wertungspunkte), beim Corporate Event hängt es vom konkreten Fall ab. Eine Verzerrung der Wettbewerbsbedingungen stellen auch die sehr unterschiedlichen Produkte bzw. Marken dar:
Der Glamour und die Alltagsnähe von adidas konkurrierte mit Baumaschinen und einem
hierzulande unbekannten Energy-Drink. Das ist schwer vergleichbar und übt auf die Studenten eine sehr unterschiedliche Anziehungskraft aus.
Und sonst?
Das Team der BiTS gewann ihr Heimspiel hoch verdient. Dennoch muß man feststellen
(und das deckt sich mit der Dozenten-Erfahrung des Autors), daß Studenten sich mit Corporate Events wesentlich schwerer tun als mit Mitarbeiter-Events. Da fehlt es natur-gemäß am Feeling für Vertriebsfragen, am Marken-Verständnis und an Marketing-Wissen.
Die meisten Konzepte waren – trotz Budget-Vorgabe – finanziell nicht zu realisieren und manche wären auch an der Physik gescheitert. Die hochkarätige Jury hat eine Mammut-Aufgabe bravourös gemeistert, die Moderation von Aljoscha Höhn war Extraklasse, auch weil er ein Altersgenosse der Studenten ist und selbst Eventmanagement studiert hat. Und – wir können uns auf einen engagierten und qualifizierten Nachwuchs freuen.
Freelancer-Falle Scheinselbständigkeit
Beginnen wir ganz harmlos mit dem Ergebnis der eveos-Umfrage aus April 2012.
Basis waren 64 Nennungen, also eine nicht repräsentative Momentaufnahme

Traditionell arbeitet die Veranstaltungswirtschaft, allen voran Agenturen, Messebau, technische Dienstleister und Caterer, mit freien Mitarbeitern. Diese Freelancer helfen
die Probleme der Kurzfristigkeit des Projektgeschäftes aber auch der Auslastungs-schwankungen aufzufangen. Es geht auch um die hohen Hürden des Kündigungsschutzes, denn Festangestellte wird man nicht so leicht los. Ehrlicherweise sollte man hinzufügen, es geht auch darum, Kosten zu sparen – die Kosten der sozialen Absicherung von Beschäftigten.
Die modernen Wanderarbeiter
Der Markt der Freelancer ist intransparent, heterogen und von einer bunten Vielfalt
gekennzeichnet. In einer ersten Stufe erkennt man Spezialisierungen auf Events oder
Messen, auf Incentives oder Promotions. Im Technik-Bereich sind es Licht, Ton oder
Video. Ein anderer Filter betrifft die Qualifikations-Hierarchie: Account Director, Senior-Projektleiter, Projektleiter und Junior-PL. Desgleichen bei der Technik-Fraktion mit Meister/Fachkraft für Veranstaltungstechnik und Helfer.
Darüber hinaus gibt es unzählige Spezialisierungen wie Pharma-Kodex oder Automotive Events, Entertainment oder Guestmanagement, Event-Regisseur, technischer Leiter, Konzeptioner/Architekt, Licht-Designer, Maskenbildner, lichtsetzender Kameramann usw.
Kann man Loyalität kaufen?
Das Problem aus Sicht der Auftraggeber! Ein Dienstleistungsvertrag kann zwar die gleichen Treue-Klauseln enthalten wie der Arbeitsvertrag, aber die Bindungsqualität ist eine andere. Identifikation mit der Aufgabe und dem Betrieb beeinflußt aber gerade die Qualität und Produktivität. Hinzu kommt das Problem von Aufsicht und Kontrolle in Zeiten des ‚Home Office‘. Umgekehrt sieht sich mancher Freelancer als Mitarbeiter 2. Klasse. Nächstes Thema: auch ein externer Mitarbeiter erwartet Führung, erwartet Integration ins Projektteam.
Als Auftraggeber muß man im Hinterkopf haben, ein Freelancer in Not verspricht fast alles:
er macht Dinge, die er eigentlich fachlich oder zeitlich nicht leisten kann. Da ist er ein Spiegelbild seines Auftraggebers – einen guten Kunden läßt man nicht hängen, einen lukrativen Auftrag läßt man nicht sausen, auch wenn die Kompetenz dafür (noch) nicht ausreicht.
Die Motivation von Freelancern sollte man kennen: sein eigener Herr sein, freie Zeitein-
teilung, Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit, ein Unternehmer in eigener Sache sein –
ja, das macht stolz. Nicht wenige Freelancer sind unfreiwillig in diesen Status gerutscht. Entlassungswellen in Agenturen haben ihre Spuren hinterlassen. Leichtfertigkeit und Unwissenheit sind ebenfalls ursächlich für diesen „Zustand“.
Wie viele Freiberufler haben sich nach sorgfältiger Abwägung von Vor- und Nachteilen dafür entschieden? Der Preis der Freiheit ist häufig eine Unterversicherung im Hinblick auf Kranken- und Pflegeversicherung, Unfallschutz, Verdienstausfall und Altersvorsorge, von einem bezahlten Urlaub ganz zu schweigen. Freie Projektleiter/Eventmanager, Veranstaltungs-techniker und Messebau-Monteure, die diese Versicherungsbeiträge und Rücklagen nicht in ihren Tagessätzen berücksichtigen, gefährden nicht nur ihre eigene wirtschaftliche Existenz, sondern setzen auch eine Abwärtsspirale in Gang. Denn es findet sich immer jemand, der es billiger macht.
Unternehmer in eigener Sache – Schein oder Sein?
Damit kommen wir zu einem heißen Eisen, an dem sich gerade einige Akteure die Finger verbrennen. Zum Beispiel Agenturen, die auf ihrer website freie Projektleiter als feste Mitarbeiter darstellen. Unter Scheinselbständigkeit versteht man das Auftreten als Selb-
ständiger, obwohl die Person nach Art der Tätigkeit als beschäftigt im Sinne der Sozial-versicherung anzusehen ist. Dabei ist nicht die Bezeichnung oder die Anmeldung eines Gewerbes entscheidend, sondern allein, wie sich die Tätigkeit aufgrund einer Gesamt-würdigung aller Umstände des Einzelfalls darstellt.
Das Sozialgesetzbuch definiert (abhängige) Beschäftigung als nichtselbständige Arbeit. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind danach u.a. eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers. Der Auftraggeber ist verpflichtet, die Selbständigkeit des Freelancers anhand von Dokumenten (Gewerbe-schein, Steuernummer, Auftragsnachweise) zu prüfen. Der Auftraggeber haftet für die gesamten Sozialversicherungsbeiträge im Falle einer Scheinselbständigkeit. Diese Regelung soll übrigens auch dem Schutz vor Ausbeutung dienen.
Was nun….?
Der Gesetzgeber hat auch Lösungen parat. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz bietet zahlreiche Wege zur Flexibilisierung von (sozialabgaben-pflichtigen) Arbeitsverträgen, z.B. durch die zeitliche und sachliche Befristung. Oder durch eine kapazitäts-orientierte „Arbeit auf Abruf“. Eine weitere sozial nachhaltige Gestaltung von Arbeitsverhältnissen liegt in der Arbeitnehmerüberlassung. Hierzu werden Freelancer von Zeitarbeitsfirmen festangestellt, wie z.B. bei ADECCO oder in der Veranstaltungstechnik von artlogic staffpool.
Die Parteien sollten vor allem ihre Haltung überdenken: Freelancer müssen lernen, wie Unternehmer zu denken und Auftraggeber die sozialversicherungs-rechtliche
Situation ihres Betriebes durchleuchten und ggf. eine Strategie entwickeln.


