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Agentur(Völker) höret die Signale

Seit Jahren wird wortreich über die Pitch-Praxis zahlreicher Unternehmen und Behörden lamentiert: unprofessionelle Briefings, Massenausschreibungen, undurchsichtige Entscheidungen, unfaire Tricksereien, Ideenklau, unbezahlte Präsentationen, reine Schreibtischvorlagen usw. Die Wellen der Erregung gehen immer mal wieder hoch, Verbandsmitglieder aller Couleur schwören sich, kein Pitch ohne Honorar, was leider nicht das Papier wert ist, auf dem es steht. Einige Agenturen stellen intern strenge Regeln auf, nach denen sie an Wettbewerben teilnehmen. Aber im Kampf von David gegen Goliath haben die Agenturen leere Hände. Wo steckt diese verdammte Steinschleuder?

Neu: Zentrale Meldestelle für unsaubere Pitches
Die GPRA Gesellschaft PR-Agenturen e.V. hat eine naheliegende Idee realisiert und den pitchblog.de online gestellt. „Auf Initiative der Gesellschaft der führenden PR-Agenturen (GPRA) hat die Rechtsanwaltskanzlei IRLEMOSER LLP diesen Blog ins Leben gerufen. Er setzt sich mit den Besonderheiten der gängigsten aller Auftragsvergabemethoden – dem Pitch – auseinander. Pitchblog.de ist für die gesamte Kommunikationsbranche gedacht, von der PR über Werbung bis zur digitalen Kommunikation“, so der O-Ton auf der website. Handeln statt Jammern! Ein Kommunikationsverband schreitet mutig voran und versucht sich zu wehren. Mit den bewährten Mitteln von Öffentlichkeit und Transparenz – eine Art von Stiftung Warentest für Agentur-Pitches.

Zitat: „Zu diesem Zweck will Pitchblog.de auch als Sprachrohr und Plattform zum Dialog dienen und Branche, wie Öffentlichkeit für die Bedeutung regelgerechter Pitches sensibilisieren. Pitchblog.de setzt sich für das Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung, den Schutz guter Ideen und marktfähiger Konzeptvorlagen ein. Es geht um Fairness, Transparenz und Chancengleichheit.“
Auf facebook gibt es schon länger https://www.facebook.com/pitchetiquette?fref=ts eine ebenfalls sehr positive Initiative, aber doch mehr eine „Meckerecke“.

Natürlich sind die Agenturen selbst schuld
Das beruht auch auf der normativen Kraft des Faktischen wie der Jurist an dieser Stelle sagt, vulgo es ist das Ausspielen von (Markt-)Macht. Wie zu allen Zeiten, wie überall auf der Welt. Jede Agentur kämpft für sich allein, jeder Pitch spielt sich hinter verschlossenen Türen ab. Auf dem Arbeitsmarkt führte das im Mittelalter zu der Gründung der Zünfte und im 19. Jahrhundert zur Gründung von Gewerkschaften. Die Kleinen organisieren sich und bilden eine Gegengewicht. Im Internet-Zeitalter sorgt man für Transparenz und organisiert sich über das Netz!

So funktioniert der Online-Pranger
Im Schutz der Anonymität können Agenturen nun negative, aber auch positive Beispiele von Ausschreibungen einreichen. Einreichungsstelle ist die Rechtsanwaltskanzlei IRLEMOSER in Berlin. Dort werden die Unterlagen nach bestimmten Kriterien geprüft:
„Ein „Good Pitch“ verfolgt klare, transparente Ziele bei der Vergabe und Abwicklung. Die Chancengleichheit ist sichergestellt. Ein „Foul Pitch“ liegt vor, wenn:

•    die Ausschreibungskriterien nicht sachgerecht sind
•    das Verfahren oder die Vergabeentscheidung intransparent oder unfair sind
•    oder sogar erhebliche Zweifel daran bestehen, dass der Auftraggeber an der ernsthaften Ausschreibung eines Projektes und der anschließenden Auftragsvergabe an die bestgeeignete Agentur interessiert ist.“

Soweit der Originaltext. Danach folgt eine Überprüfung nach einem transparenten Verfahren:

Analyse und Bewertung der Ausschreibungsunterlagen durch die Kanzlei IRLE MOSER LLP  nach festgelegten Kriterien, Recherchen durch die Redaktion, insbesondere Gelegenheit zur Stellungnahme durch die Beteiligten und eine sachliche Veröffentlichung des Falls auf Pitchblog.de

Kein „Schwarzes-Peter-Spiel“
Der Druck zu den manchmal bizarren, oft unsinnigen Ausschreibungen kommt aus den Einkaufsabteilungen, die Fachabteilungen sind lediglich Gefangene des Verfahrens. Nun hat es allerdings keinen Zweck, mit dem Finger auf die Einkäufer zu zeigen. Einerseits haben – zumindest in der Event-Branche – die Agenturen es auch an Aufklärung und Transparenz ihrer Leistungen fehlen lassen. Dies war übrigens die einhellige Meinung des Münchner Konvents. Darum bemüht sich zunehmend auch der FAMAB. Andererseits muß man auch betriebswirtschaftlich argumentieren, wie es in zahlreichen Beiträgen Prof. Dr. Hans Rück getan hat, indem er auf die TCO (Total Cost of Ownership) abstellt, zu deutsch die Vollkostenrechnung. Denn die internen Kosten der Ausschreibung fallen bei den Auftraggebern unter den Tisch. Außerdem geht es um die Rolle des Einkaufs, der sich häufig als „Drückerkolonne“ verhält, dabei eine wichtige Beratungsrolle im Beschaffungsprozeß spielt. Auch da könnten die Agenturen ansetzen.

Fazit
Nach dem alten Blücher-Prinzip von „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ sollten die Agenturen über Transparenz und Öffentlichkeit Druck aufbauen – oder doch zumindest vor unfairen Praktiken warnen – und andererseits auf Augenhöhe selbstbewußt und offensiv argumentieren. Eine ausdrückliche Einladung der GPRA geht an die die anderen Agenturverbände, wobei der GWA direkt gekniffen hat. Spannend wird sein, wie sich der FAMAB dazu stellt.

Veröffentlicht am 22. Juli 2014  |  Kommentar schreiben

Schöne Bescherung – ein satirischer Jahresrückblick 2013

Fangen wir mit etwas Positivem an – der Himmel ist uns nicht auf den Kopf gefallen und das Alien namens „Euro-Krise“ scheint uns nicht von unserem Kontinent vertreiben zu können.
Am Ende eines Arbeitsjahres voll Adrenalin, 360°-Frust und Glücksmomenten, nach gefühlt 498 Arbeitstagen steht Ihr endlich nicht mehr so wahnsinnig unter Strom. Wie geht’s Euch, Ihr Ereignisschmiede und Traumverkäufer?

Mitteilungen des Standesamtes
Die Familie beklagt den Heimgang einiger ihrer engsten Angehörigen: die Insolvenzanträge die Messebaugesellschaften Ernst F. Ambrosius & Sohn gegründet 1873 GmbH (Altersschwäche) und KnaufKassel GmbH (nach drei Generationen ist das Erbe verfrühstückt), die Agenturen Panroyal aus Wuppertal (zu viele Geschäftsführer verderben den Brei) und Outstanding Solutions aus Dortmund (?) wanderten auf den Firmenfriedhof. Im Hinblick auf mickrige Margen, die bizarre Pitch-Praxis und chaotische Kunden ist das kein schlechter Ausweg.

Im siebten Himmel wähnen sich die Nürnberger DialogFeld Communication Group und die Hamburger Agentur vitamin-e. Sie gaben sich im Oktober das Ja-Wort. Vermutlich ist es
für beide eine Liebesheirat – aus Liebe zum Geld.

Heimlich still und leise wurde BBDO live nach der massenhaften Abwanderung von Mitarbeitern aus dem Register gelöscht und der Rest bei BBDO Proximity eingebracht. Nun haben beide größten deutschen Werbeagenturen (BBDO + GREY) keine Event-Tochter mehr.

Eine hübsche Geburtsanzeige veröffentlichte „Freudentanz – Netzwerk für Begeisterung“.

Neues aus Hybrid-City
Wuppertal ist nicht nur gebeutelt als Deutschlands größtes Regenloch, nein, es wurde im Jahre 1929 künstlich zusammengefügt aus den kreisfreien Großstädten Elberfeld und Barmen. Hybrid…da war doch was? Richtig, doch die Karawane ist schon weitergezogen! Unter Aufbietung modernster Fremdwörter hat sich VOK DAMS nunmehr auf „Live Campaigns“ verlegt. Wir hoffen inständig, daß die Mitarbeiter noch mit kommen. Und gebaut wurde auch: das Atelierhaus. Der President-General-Directeur? Oui c’est Monsieur Volkwart Dams (75).

Im Vorhof zur Hölle…
…vulgo ‚Ausschreibung‘. Regelmäßig quälen Zentraleinkäufer der Automobilbranche ihre Dienstleister. Zum Beispiel für die IAA: Jenseits der glitzernden Karossen und blinkenden Shows gab es eine Menge Beulen – in den Kassen der Veranstaltungstechnik-Unter-nehmen. Die Full-Service-Dienstleister werden von kleinen Technischen Planungsbüros und Dry-Hire-Unternehmen in die Zange genommen. Nach zwei Preisrunden mit dem Einkauf setzt die Schnappatmung ein. Wie kann man sich wehren gegen den Mißbrauch von Marktmacht und ruinösem Preiswettbewerb? Der Hammel führt den Metzger selbst zur Schlachtbank, oder was? Wo drücken sich eigentlich der FAMAB und der vplt herum?
Die 3 Affen grinsen sich eins – nichts hören, nichts sehen und ja nicht drüber sprechen.

Eventmanager des Jahres
Niemand befriedigt unser tiefsitzendes Bedürfnis nach Ordnung und Rangfolge so wohlig wie Peter Blach. Er kürt alles, was sich irgendwie zählen und bewerten läßt. Als Ranking, Award und mit der Königsdisziplin „Event-Manager des Jahres“. Urteil der Jury: Keiner schwenkt das Weihrauchfaß so gekonnt wie Ranking-Peter!

Veröffentlicht am 24. Januar 2014  |  Kommentar schreiben

ADAM + EVA-Awardshow – von Glückspilzen und Pechvögeln

adam-eva-award-buehne   Foto: Henning Stein

Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB die Oscars der Live-Kommunikation – EVA für ausgezeichnete Events und ADAM für excellente Messestände. Die Messestadt Leipzig war diesmal Schauplatz und damit ging die Sonne der ADAM + EVA-Awardshow zum ersten Mal im Osten Deutschlands auf. Laut, bunt und rockig ging es in der gigantischen Glashalle auf dem neuen Messegelände vor ca. 900 Gästen zu. Die Glücksgöttin Fortuna leerte wohl ihr gesamtes Füllhorn über die ausrichtende Berliner Agentur insglück aus, die sich nicht nur über einen gelungenen Abend, sondern auch über zwei goldene und zwei silberne Event Awards freuen durfte.

Life is live
Das Konzept der Preisverleihung war im Gegensatz zu den Vorjahren etwas schlichter und basierte auf Show-Elementen wie Live-Musik und Special Effects. Das rockte und groovte, verlieh der zweistündigen Show genügend Schwung. Die wohl schwierigste Veranstaltung
des Jahres wurde von Chris Guse und (aus der Nominee-Lounge) Aljoscha Höhn moderiert. Der hatte sich bereits im Vorfeld als „rasender Reporter“ in den nominierten Agenturen und auf den Strassen von Leipzig getummelt. Beide lösten ihre Aufgabe betont locker und amüsant. Auf der Bühne verzichtete Chris Guse klugerweise in den Interviews auf jede Fachsimpelei, beschränkte sich auf eine Conference.

Das Bühnenbild bestand aus beweglichen Projektionssegeln und einer zentralen Showtreppe. Die gesamte Breite der Bühne wurde mit Mood-Bildern bespielt. Integriert waren links und rechts die Felder für Video- und Kamerabild. Das Set war einem Theater nachempfunden,
das Publikum saß aufsteigend auf einer Tribüne, eingerahmt von bauseits vorhandenen Raumteilern. Sensationell der von Neumann & Müller verantwortete Sound in dieser akustisch schwierigen Location.

Sintfluten aus Konfetti
Als Opener gab eine Tanz-Performance in LED-Kostümen, garniert mit Special Effects, die Tonalität des Abends vor. Die Dramaturgie der Preisverleihung in 13 Kategorien erinnerte an bekannte Formate von BAMBI bis GOLDENE KAMERA. Das war sauber, bot allerdings auch wenig Überraschendes. Die Mechanik der Gewinnerkür aus drei nominierten Projekten war wenig originell durch Öffnung des ominösen Briefumschlag von einem Jury-Mitglied geregelt. Währenddessen zeigte die Video-Projektion einen Vierer-Split (Bühne plus drei Nominierte in der Lounge im Backstage-Bereich). Nach der Verkündung schritten die Sieger vorbei an einem Spalier von Live-Musikern die Treppe hinab. Etwas stiefmütterlich wurden die zweiten und dritten Plätze behandelt, die kaum beachtet auf der Bühne herumstanden.

Böse überrascht wurde das Publikum zu Beginn und am Ende der Awardshow durch wahre Sintfluten von silbernem und goldenem Flitter. Das drang bis in die Tiefen der Unterwäsche, war wenig umweltbewußt und hinterließ der Putzkolonne eine wahre Herkulesaufgabe.

Glückspilze und Pechvögel
Wer oder was hat gewonnen? Ein Trend oder ein innovatives Event-Format waren nicht erkennbar. Business as usual auf hohem Niveau. Einen erfolgreichsten Kunden gab es diesmal nicht zu vermelden – vier Automobilhersteller und BAYER lagen auf gleicher Höhe. Mit 3x Gold, 4x Silber, 4x Bronze, sprich einem Drittel aller Auszeichnungen war die erfolgreichste Branche (wie immer) der Automobil-Sektor. Überraschend ging BMW diesmal leer aus. Dagegen hatte die BAYER AG selbst eingereicht und gewann mit ihren Jubiläumsprojekten Silber und Bronze.

Unter den Architekten ragte diesmal niemand heraus. Ambrosius Messebau freute sich über 2x Gold. Die mit Abstand erfolgreichste Agentur war wie erwähnt insglück aus Berlin mit je 2x Gold und Silber. Auffallend, daß VOKDAMS diesmal trotz Einreichungen leer ausging. Viermal Bronze und damit echt „glücklos“ schnitt dagegen facts+fiction ab, eine der deutschen Kreativschmieden. Wie man einen dritten Platz feiern kann, zeigte die große Truppe von Pure Perfection aus Wiesbaden – das war Freude pur.

Don’t worry be happy
Die Award-Kategorien offenbaren weiterhin Schwächen, Überschneidungen von Consumer und Public Events liegen in der Natur der Sache. Doch einige Projekte sind nach allen gängigen Definitionen KEINE Events, sondern Promotion, zu deutsch Verkaufsförderung. Besonders krass trat dies in der schwammigen Kategorie „360°-Events“ ausgerechnet beim Sieger OLYMPUS zutage: sogar im Off-Text ist zweimal von einer Ausstellung die Rede. Nebenbei ist der Begriff ziemlich unsinnig.

Peinlich oder nur unglücklich die Kür in der Kategorie „Event-Catering“. Hier gab es lediglich ein nominiertes Projekt, das von zwei FAMAB-Mitgliedern für eine Eigenveranstaltung des FAMAB eingereicht wurde und – ja, mit Gold bedacht wurde. Es gab zwei weitere Einreich-
ungen mit Niveau und es bleibt das Geheimnis der Jury, warum sie nicht nominiert wurden.
Da wird das Procedere zur Farce. Das hinterläßt ein Geschmäckle, um im Bild zu bleiben. Dieses Urteil bezieht sich wohlgemerkt nicht auf die Catering-Leistung, sondern nur auf
das Verfahren.

Ungereimt der Umgang mit dem Projekt iLUX, das in zwei Kategorien eingereicht bzw. angenommen wurde. Ungereimt auch die Nominierung von vier Projekten in der Kategorie „Public Event“, während beim Eventcatering nur eines vor den Augen der Jury Gnade fand.

Unverständlich (bei dem hohen eigenen Anspruch) die fehlende Kategorie „Green Event“.
Ungerecht seit Jahren die hohe Teilnahmegebühr von 90 Euro für Studenten.

Insgesamt sollte der FAMAB die Kategorien beim geplanten Relaunch für 2014 genauer definieren und auch über sein Verständnis von Event – oder besser Live-Kommunikation – nachdenken.

Alles in allem – eine geglückte Veranstaltung unter schwierigen Bedingungen und mit sehr engagierten Dienstleistungspartnern (Sponsoren). Ein Event, mit dem alle Beteiligten happy sein können, auch wenn es schon bessere gab. Wir freuen uns auf 2014 wieder in Leipzig? Übrigens eine phantastische Stadt, für die man sich Zeit nehmen sollte!

Veröffentlicht am 17. November 2013  |  Kommentar schreiben

IAA 2013: Temporäre Markenwelten und automobile Träume

Immer Alles Ausgebucht – so kann man IAA auch übersetzen. In ganz Deutschland ist nicht eine einzige (hübsche) Hostess zu buchen – sie sind alle in Frankfurt. Gleiches gilt für LED-Module, Scheinwerfer und Lautsprecher.

Die IAA präsentiert sich wieder einmal als Gegenentwurf zur klassischen Werbung:
als automobilstes und unmittelbarstes Markenerlebnis! Mittendrin statt nur dabei! Interaktiv, dialogisch, für viele Besucher elektrisierend. Für die Macher dagegen ein Kraftakt und nicht unbedingt immer ein Geschäft.

Der generelle Eindruck

Montags um 10 Uhr herrscht bereits ein riesiger Andrang. Das Publikum ist jung und international. In 11 Hallen und im Freigelände die übliche Materialschlacht: jede Menge erotisch geformtes Blech und drum herum State-of-the-Art-Veranstaltungstechnik. Alles vom Feinsten! Die wichtigste Leistungsschau der Automobilindustrie, glänzend in Szene gesetzt von der Creme deutscher Agenturen, Messebauer und Technik-Dienstleister. Die meisten Stände waren bereits 2011 zu sehen, Ford und Opel haben sich etwas Neues einfallen lassen. Auffällig wenig Live-Elemente, die „Hupfdohlen“ haben ausgetanzt. Die volle Konzentration galt den Fahrzeugen. Social Media-Angebote allerorten.

Die wichtigsten Messestände

1. Audi – der Spiegelpalast

Die Audi AG bebaut wieder die Agora. Man reibt sich die Augen: war der „Audi-Ring“ von 2011 noch ein kühner Wurf, ein spektakulärer Baukörper mit einer unregelmäßigen, geschwungenen Außenhaut, so steht man jetzt vor einem wenig einladenden, weiß-silbrigen Schuhkarton.

Das Konzept von „Eine Stadt steht Kopf“ erschließt sich dem Besucher nicht – die Überkopf-Baukörper im Look der Potsdamer-Platz-Hochhäuser sind originell, aber lenken vom Produkt ab. Ein bebauter Luftraum, aber sonst? Verspiegelte Decken und Wände. Sehr sachlich, statisch, geradezu klinisch wurde die neuesten Audi-Modelle vorgestellt. Gegenüber 2011 ein Rückschritt in vielerlei Hinsicht.

2. Mercedes-Benz – der Automobil-Tempel

Wer die Festhalle betritt, betritt eine Kathedrale, den Marken-Tempel des Erfinders des Automobils: eine atemberaubende Architektur, eine grandiose Inszenierung. Dramaturgie und Szenographie dienen nur einem einzigen Zweck: hier geht es um Bekehrung.

Die vier Welt-Premieren werden in einem licht-durchfluteten medialen Umfeld vorgestellt. Dazu hat Mercedes-Benz eine fahraktive Bühne in zwei Ebenen geschaffen. Der Auftritt der Marke ist ein Gesamtkunstwerk, das auch durch die musikalische Bespielung glänzt. Fahrzeug-Choreographie, der geradezu wagnerianische Soundtrack und die kompri-mierten Texte sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Ganze wirkt dennoch ein wenig kühl, im Kern ist Mercedes eine Ingenieurs-Marke. Am Ende fällt ein purpurroter Theatervorhang über die LED-Wände – ein erhabener Moment, der die kühle Distanz etwas reduziert.

3. VW-Konzernhalle – der Flagship-Store

Der VW-Konzern ist in der Halle 3.0 geblieben. Wählt man den Eingang links, wähnt man sich in einem überdimensionierten Autohaus, der Eingang rechts hat etwas von einem Hintereingang. Der Konzern mit den vielen Marken präsentierte sich nach dem alten Kaufhof-Motto „Alles unter einem Dach“ (bis auf Audi), was auf Kosten der Eigenständig-keit und Wirkung geht. Eine perfekt ausgeleuchtete Großraum-Disco, denn unvermittelt ertönt ein Techno-Sound, der an der zentralen Information von einer DJane live gemixt wird. Ansonsten ein akustisches und optisches Trommelfeuer von Porsche, Seat, Bentley, Bugatti und Skoda. Die Konzernhalle ist kosten-effektiv, aber nicht marken-gerecht. Ein Balance-Akt, den die Marketing-Abteilungen wohl verloren haben.

Allein VW selbst hat Raum zur Entfaltung. Dem New Beetle  gönnt man eine marken-affine Szenerie, alle anderen Modelle werden sauber gestellt und ausgeleuchtet.
Wie man mehrere Marken unter einem Dach präsentiert, demonstriert die BMW Group.

4. BMW – das Freudehaus

Das Entree zur Halle 11 gehört Rolls Royce, sehr distinguiert, very british. Schräg gegenüber Mini: interaktiv und bunt – NOT NORMAL so das Ausstellungs-Motto – ein konsequenter Markenauftritt, der einfach nur Spaß macht.
Dann öffnete sich die Welt von BMW…. Eine umlaufende Fahrbahn kreuzt die Halle in luftiger Höhe. Die automobilen Highlights, der neue X5 und der elektrische Stadtflitzer i3, werden in einer fahr-aktiven Show präsentiert. Dramaturgie, Action und Leidenschaft vermischen sich zu einer dynamischen Komposition aus Mensch, Maschine, Musik, Licht und Video-Clips. Die Panorama-LED-Wand und die mobilen LED-Module auf der Bühne sind die reine Augenweide. Gestochen scharfe Bilder und High-Class-Videos, die moderne Urbanität und „Unendliche Fahrfreude“ ausdrücken.
Die ganze Halle ist in verschiedene, durch Treppen verbundene, Ebenen aufgeteilt. Klar gegliederte Themenbereiche erleichterten die Orientierung. Ein szenographisches Schmankerl.

 

Veröffentlicht am 16. Oktober 2013  |  Kommentar schreiben

The Great Pretender wird 75

vokdamsHeute wird er 75 Jahre alt, der Mann, der niemals lacht,
zumindest auf Fotos. Happy Birthday Volkwart Dams.

Veröffentlicht am 16. Mai 2013  |  Kommentar schreiben

FAMAB-Qualitätskodex: Anspruch und Wirklichkeit

Im Sommer 2008 veröffentlichte der damalige FME (Forum Marketing-Eventagenturen), heute im FAMAB aufgegangen, ein Positionspapier, das nach innen, aber auch nach ein positives Signal setzen sollte. Dieses ‚Qualitätskodex‘ genannte Verbands-Statement, von einer Handvoll hochkarätiger Experten aus Agenturen und Wissenschaft mit viel Emphase und Sachverstand erarbeitet, weckte die schönsten Hoffnungen. Ein Leuchtturm der Verbandsarbeit, mit dem heute noch geworben wird. Auch der Autor war begeistert.

Eine Kommunikationsdisziplin beweist Haltung

Mit diesem Kodex hatten sich die Mitgliedsagenturen so etwas wie eine Verfassung gegeben: Ein Bekenntnis zu Werten und Normen, ein klares Verständnis vom eigenen Wert und Wirken, ein Muster an Transparenz, eine Selbstverpflichtung, ein Qualitäts-versprechen an die Kund-
schaft, eine Orientierung für Mitglieder und ihre Mitarbeiter. Ein Mission-Statement als Ergeb-
nis von Reflexion auf hohem Niveau – Chapeau.

Einige Zitate als Beleg:

„Zugleich erfüllt diese umfassende und systematische Zusammenstellung obligatorischer Standards im Eventbereich auch eine dringend erforderliche Aufklärungsfunktion:
Der Qualitätskodex weist die Auftraggeber auf spezifische methodische Eigenheiten und Leistungsmerkmale dieser Fachsparte hin und hilft ihnen, sich bei der Auswahl und beim Einsatz geeigneter Kommunikationsexperten in dieser vielschichtigen Branche zurechtzu-finden……Der FME-Qualitätskodex schafft Transparenz und Vertrauen und damit letztlich mehr Raum für Kreativität.“

„Zum Verständnis des vorliegenden FME-Qualitätskodexes ist es zweckdienlich, zwischen den folgenden drei relevanten Ebenen zu unterscheiden:

A. Die Leistungsfähigkeit bzw. das Potenzial der Agentur

FME-Agenturen legen offen und beschreiben die elementaren Merkmale ihrer Unternehmen, der Managementstruktur, Methoden, Menschen, Erfahrungen, Ausstattung, Ressourcen sowie der Partner und Netzwerke.

B. Der effektive Ablauf von Projekten

Initiativ für die ganze Branche zeigt der FME-Qualitätskodex hier beispielhaft ein Fünf-Phasenkonzept mit einer einheitlichen Begrifflichkeit auf, das die zielgerichtete Koordination und Steuerung aller Kontakte mit den Kunden (Veranstaltern) und deren Kunden (Teilnehmerzielgruppen) abbildet. Die eigentliche Optimierung besteht in der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit, Überprüfbarkeit und Wiederholbarkeit der einzelnen Projektphasen vor, während und nach dem Projekt.“

Abgerundet wurde das Dokument durch ein Glossar und zahlreiche Schaubilder.
Zu Recht war man damals sehr stolz. Wegen der positiven Außenwirkung unterzeichneten die Agentur-Chefs den Qualitätskodex demonstrativ, was scheibchenweise per Pressemitteilung kundgetan und auf der FAMAB-website veröffentlicht wurde. Einer derjenigen, die den Kodex nicht unterzeichneten, war der damalige FME-Präsident Volkwart Dams. Man kennt das aus internationalen Verträgen, die zwar feierlich beschlossen, aber dann einzel-staatlich nicht ratifiziert werden.

Nun ist die Ära Dams im Verband zu Ende und seit einiger Zeit ein neuer Vorstand am Ruder, dessen Tatkraft spürbar und dessen Stoßrichtung begrüßenswert ist. Eine neue Regierung pflegt zu Beginn ihrer Amtszeit immer einen Kassensturz zu machen. Im Falle des Qualitäts-
kodex hat sich der Autor die Freiheit genommen, dies anstelle des Vorstands zu übernehmen.

Der FAMAB-Qualitätskodex: zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die selbst aufgestellten Kriterien (vgl. Spaltenüberschriften) wurden für einen halbwegs repräsentativen Querschnitt der Mitglieder anhand ihres Internet-Auftritts überprüft. Vertreten sind  große und kleine Agenturen, aus verschiedenen Regionen, Messebau-Firmen und die Unternehmen von einigen Präsidiumsmitgliedern (gekennzeichnet mit einem P). Geprüft wurde nur das Vorhandensein von Informationen, die in der Präambel des Kodex verpflichtend versprochen werden. Es muß eingeräumt werden, daß  z.B. Nachhaltigkeit oder Projektmanagement praktiziert werden kann, aber auf der website nicht erwähnt wird. 
Das Kriterium der Gesetzestreue wurde bei allen untersuchten Firmen als gegeben unterstellt. Einzige Ausnahme: VOK DAMS, da permanent gegen das UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) verstoßen wird (wahrheits-widrige Behauptung: „weltweit erstes und einziges Institut für Live-
Marketing“).

 

Nachhaltigkeit

 

Management/

Mitarbeiter

Methoden/

Tools

 

Referenzen

Projektmanagement/
Qualitätsmanagement

VOK DAMS

 

Nein

 

Nein

Nein

Ja

nein

Uniplan

 

nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Pommerel

 

Ja

 

Ja

Ja

Ja

Nein

Concept X

 

Nein

 

Ja

Ja

Ja

Nein

pro event (P)

ja

 

ja

ja

Ja

nein

marbet

 

Nein

 

Ja

Ja

Ja

ja

Ereignishaus

 

Nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Eventuality

 

Nein

 

Ja

Nein

Ja

Nein

Joke Event

 

Ja

 

Ja

Nein

ja

Nein

von Hagen (P)

Ja

 

Ja

Ja

Ja

Ja

Ambrosius (P)

Nein

 

z.T.

Nein

Ja

ja

Atelier Türke (P)

Nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Das Ergebnis ist ernüchternd: von den 12 untersuchten Mitgliedern erfüllt nur der Messe-baubetrieb von Hagen sämtliche selbst auferlegten Informationspflichten – als Präsident des FAMAB somit ein leuchtendes Vorbild. Als nachahmenswert in Klarheit und Vollständigkeit des Informationsangebotes präsentieren sich die Agenturen marbet, Pommerel und pro event.

Düster sieht es dagegen bei VOK DAMS aus: Diese website repräsentiert ein Musterbeispiel an Verwirrung, Verwirrtheit und  Intransparenz, nicht nur im Sinne der vom Qualitätskodex verlangten Informationen.

Fazit: Haltet den Dieb!


Seit kurzer Zeit ist der Original-Qualitätskodex von 2008 aus dem Verkehr gezogen und durch ein zweiseitiges lapidares Papier ersetzt worden. Die alten Informationsverpflichtungen sind jedoch direkt und indirekt übernommen worden.  
Was ist passiert? Waren die Agenturen zu mutig oder zu fortschrittlich? Sind sie im Rahmen der Neustrukturierung des Verbandes zurück gepfiffen worden? Oder ist es das heimliche Eingeständnis, daß man die eigenen Ansprüche nicht erfüllen kann, z.B. in Sachen Projektmanagement? Dazu müßte man die Mitarbeiter ja schulen. Das kostet bekanntlich Geld und Zeit.

Bedauerlicherweiseverdient der FAMAB-Qualitätskodex seinen Namen nicht (mehr) – verstümmelt, verwässert und ohne Relevanz bei den Mitgliedern.
Hier geht es zum fme-qualitaetskodex_2008-06-11 von 2008.

Veröffentlicht am 3. Mai 2013  |  1 Kommentar

Umfrage zu den Bezeichnungen für unser Metier

Gemeinsam mit dem eveos blog habe ich im März 2013 eine Umfrage durchgeführt und verschiedene Fachbegriffe zur Abstimmung gestellt. Mit welcher Bezeichnung identifizierten sich die rund 260 Teilnehmer am meisten? Hier das Ergebnis

Grafik-Umfrage-Event-Begriffe

Live-Kommunikation ist der eindeutige Favorit, ein Begriff, der sich in der Praxis schon länger durchgesetzt hat und sich in einigen Agentur-Positionierungen wiederfindet.

Ein empfehlenswertes Fachbuch trägt dies auch im Titel: ‚Live Communication Management‘ von Prof. Manfred Kirchgeorg, Christiane Springer und Christian Brühe.

Auf Platz 2 Eventmarketing ein eher akademischer Begriff, der in jedem guten Marketing-Lehrbuch steht.

Auf Platz 3 Live-Marketing – benutzen einige wenige Agenturen zur Positionierung. Dies ist ein semantisch unsinniger und marketing-fachlich falscher Begriff. LIVE können Werbung oder Kommunikation sein, nicht aber Marketing!

Auf dem letzten Platz: KommunikationDirekt den sich Volkwart Dams ausgedacht hat, zu dem von meiner Seite alles gesagt ist. Und ein Begräbnis erster Klasse

sarg c

Veröffentlicht am 3. April 2013  |  Kommentar schreiben

Der Etikettenschwindel

Buchcover_Vok_Dams_300x300Neues aus Wuppertal: ’50 Jahre KommunikationDirekt’ lautet der Titel des neuen Buches von Volkwart Dams. Man reibt sich die Augen, habe ich eine Erinnerungslücke oder hatte ich gar einen Filmriß? Oder ist Herr Dams einfach nur ein Schlawiner oder eher
ein Scharlatan?

Wahrscheinlich beides, aber ganz sicher ein falscher Prophet.
Die Firmengeschichte etikettiert er flugs um zur Geschichte der Event-Branche. Der Leser merkt es erst nach einer Weile. Sein Glaubensbekenntnis heißt ‘KommunikationDirekt’. En passant entdeckte er 1962 dieses Findelkind der Marketing-Kommunikation und hat es sofort adoptiert. Das ganze Buch und was ich darüber denke finden Sie hier

Veröffentlicht am 16. Februar 2013  |  Kommentar schreiben

Trau keinem über 30

Vor 30 Jahren, am 1. Februar 1983, betrat ich die Bühne meines Berufslebens.
Der Dortmunder Verlag Harenberg plante eine Großveranstaltung in der Westfalenhalle
und meine Rolle hieß ‚Organisator‘.

Es folgten weitere Engagements: geschäftsführender Gesellschafter einer LaserShow-Company in Köln, Mitglied der Geschäftsleitung der kogag in Solingen. Das Fach wechselte: Geschäftsführer, Projektleiter, Creative Director, Unit Director. Nunmehr seit fast 11 Jahren bin ich Berater, Dozent und Autor für alles, was mit Event zu tun – ich kann schließlich nichts anderes.

Ernsthaft: unter dem Markenzeichen EventCampus berate ich Agenturen, Messebau und Eventdienstleister zu den Themen Marketing, Strategie und Personal. Die überwiegende
Zeit verbringe ich als Kopfjäger, was recht martialisch klingt, daher bevorzuge ich Menschen-fischer.

Mein Herz schlägt immer noch für die Markeninszenierung, daher unterrichte ich dieses Fach und schreibe nebenher ein Buch über Konzeptionslehre. Was mich mit Stolz erfüllt, sind weniger Leistungen und Erfolge, sondern ein Zeitzeuge zu sein. Eventmarketing zählt immer noch zu den Jungen Wilden, mit einem unendlichen Potential, mit faszinierenden Möglich-keiten, Marken und Botschaften in Szene zu setzen. Und ich war fast von Anfang an dabei. Und ein extrem wißbegieriger Autodidakt.

Veröffentlicht am 2. Februar 2013  |  2 Kommentare

GZSZ – ein satirischer Jahresrückblick 2012

Am Ende eines Arbeitsjahres voll Adrenalin, Mordgelüsten und Glücksmomenten, nach gefühlt 498 Arbeitstagen steht Ihr endlich nicht mehr so unter Strom. Wie geht’s Euch, Ihr fahrendes Volk? Neudeutsch ‚Event-Branche‘ oder eleganter „Kommunikation direkt“. Bist Du tatsächlich schon fünfzig wie Volkwart Dams behauptet? Eigentlich siehst Du ziemlich knackig aus, nicht eine Falte. Halt, da sind doch einige Kummerfalten.

Vier Hochzeiten und einige Todesfälle
Die Familie beklagt den Heimgang einiger ihrer engsten Angehörigen: die MICE AG (zu viele Vorstände verderben den Brei), die kogag (selbst Schuld), die Hamburger Agentur ViON (?) und der Nürburgring (Großmannssucht) wanderten auf den Firmenfriedhof.
Im Hinblick auf die bescheidenen Margen, die grotesken Pitches und die chaotischen Kunden ist das kein schlechter Ausweg.

Im siebten Himmel wähnen sich HSG Zander und ProfiMiet. Es ist schon interessant, wie in diesem Fall der Baukonzern Bilfinger, aber auch Hochtief im Veranstaltungsmarkt mitmischen. Hoffentlich keinen Beton. PRG aus den USA hat die Kölner Showtec geschluckt. Wir wollen uns nicht vorstellen, was passiert, wenn sie die wieder ausspucken. In der Vergangenheit haben sich schon einige Amis an deutschen Event-Firmen verschluckt. Viel Glück wünschen wir auch proFair mit ihrer amerikanischen Mutter MC2. JOKE Event hat hoffentlich bei Unikatevent noch etwas zu lachen.

Nachhilfestunde
Ein merkwürdiges Zwitterwesen treibt sein Unwesen in Deutschland – das Hybrid-Event.
In der Kommunikationswissenschaft wird von Hybridisierung gesprochen, wenn sich mehrere Genres zu einem Neuen zusammenfügen. So gilt z. B. das Genre Reality-TV als Hybrid.
Wenn sich der Rauch der Wuppertaler Nebelkerzen verzogen hat, sehen wir einen Mensch-Maschine-Mensch-Dialog, also eine virtuelle Interaktion. Wie verträgt sich das mit der viel gepriesenen Multisensualität? Die Mißgeburt namens Hybrid Event suggeriert die Gleich-berechtigung von Realität und Virtualität. Der Begriff führt jedoch in die Irre – ein Event ist ein Event ist ein Event (danke, Herr Prof. Rück). Man ist mittendrin, statt nur dabei. Merk Dir das, Colja, sonst kommst Du in die Marketing-Ecke! Sprich mir nach, „ich bin live und das ist gut so.“

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Manfred (Nord-Süd-Dialog) Schmidt und Sascha (Stadtwerke Bochum) Hellen sind die Sumpfblüten unserer Branche. Das sind allerdings kleine Fische im Vergleich zu den Durchstechern bei BMW und VW in den 90er Jahren. Unangenehm wird’s, wenn das Wort „Eventmanager“ auf dem Titel der BILD auftaucht. Da müssen wir uns eine andere Berufsbezeichnung zulegen. Im Berufe-Ranking kommen wir mittlerweile direkt hinter Investmentbanker.

Warum ist es am Rhein so schön?
Was ist denn bei BBDO los? Nix mehr live? Und ist das politisch korrekt? Der Kapitän (Dino Büscher) geht als Erster von Bord. Dann springt die halbe Mannschaft in den Rhein und schwimmt stromabwärts von Bonn nach Köln. Ihr neues Schiff heißt fischerAppelt live marketing und liegt im Zollhafen. Wann funkt BBDO live SOS?

Das Imperium schlägt zurück
Nach zehn Minuten der olympischen Eröffnungsfeier beschlich mich das Gefühl, daß die Briten es der Welt noch einmal richtig zeigen wollten. Dieser lange verdammte Abstieg vom Weltreich in die Niederungen von De-Industrialisierung, wirtschaftliche Dauerkrise und brennenden Innenstädten. Und dann noch der moralische Sumpf namens Finanzindustrie, die Londoner City als Herz der Finsternis.
Beim Zeus, das hatte schon etwas Überirdisches! Waren wir schon im Show-Himmel? Kommt danach noch etwas? Die beiden olympischen Zeremonien waren grandios, aber
es fällt mir schwer, in die Jubelarien einzustimmen. Fast zu perfekt in den Details und manchmal so orientierungslos in der Storyline. Große Momente wie für die Ewigkeit wechselten mit Effekthascherei. Trotzdem verneige ich mich vor der Leistung der Macher und Mitwirkenden.

Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen
Bisher habe ich immer geglaubt der GAU sei eine kurzfristig abgesagte Veranstaltung. Jetzt weiß ich es besser – es ist eine Veranstaltung, die angekündigt wird, aber niemals stattfindet. Du bist ständig in Alarmstimmung. Du steht jeden Morgen auf, gehtst raus zum Rollfeld von BER und zählst zum 123456789sten Mal die Stühle für die VIP’s. Und  täglich grüßt der Berliner Bär……

Veröffentlicht am 13. Januar 2013  |  Kommentar schreiben
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