Merz Pharma: eine bittere Pille
Der Konzern-Einkauf wird von Agenturen und Dienstleistern gefürchtet. Oft begegnet man dem blinden Drängen nach dem billigsten Angebot. Dies ist langfristig nicht die beste Wahl, weil es immer jemanden gibt, der morgens seiner Hausbank einen neuen Auftragseingang versprochen hat. Aber auch die Einkäufer denken an ihren Bonus, der heißt allerdings Savings.
Eine ganz andere Variante des taktisch klugen Einkaufens: das Schnorren von strategischen Informationen. Anruferin: “Gibt es Rankings mit richtig guten und kreativen Agenturen?” WR: “Ja, aber die taugen nicht viel. Was für eine Agentur suchen Sie denn?” Anruferin: “Eine, die gut ist im Teilnehmermanagement. Wir haben viele kleine Veranstaltungen.” WR: “Also mehr Logistik als Kreativität?” Anruferin: “Ja, genau. Kennen Sie solche Agenturen? Die sich auch in der Pharma-Branche auskennen?” WR: “Ja, xy und xz sind gut.” Anruferin: “Ach, kenne ich gar nicht.” Kurze Zeit später “Dann machen Sie mir doch ein Angebot für eine qualifizierte Recherche!”
Mein Angebot für 5 Agentur-Vorschläge entsprechend dem genauen Anforderungsprofil von Merz: € 400 (Sonderpreis, vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft). Vier Tage später ein aufschlußreiches Telefonat mit derselben Dame “Das ist mir zu teuer.” Sprachlosigkeit, dann: “Was wäre es Ihnen denn Wert gewesen?” Anruferin: “100 Euro.” Fassungslosigkeit, Ende des Telefonats. Ich schaue in meinem Profil nach – ja, 14 Jahre in leitender Funktion in 2 Event-Agenturen. Ja, ein echter Branchen-Fuchs. Zwei Tage später ein Mail aus der Fachabteilung. Gibt es in der Studie Event-Navigator 2009 ein Agentur-Ranking? Können Sie uns das geben? Ich schreibe zurück, gerne, aber das hat seinen Preis.
Seitdem Schweigen bei Merz. Das ist vielleicht auch besser.
