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Best of Events 2012

Die bundesdeutsche Erlebnisgesellschaft trifft sich alljährlich, kaum dass die letzte Silvester-Rakete verglüht ist, in den Dortmunder Messehallen, quasi im Schatten der Schwarz-Gelben Wand. Deren Roar, also die akustische Manifestation dieses Fußball-Mythos, bereicherte die BoE-Night atmosphärisch und die gute Laune dort hatte offensichtlich auf die Aussteller und Besucher abgefärbt: Die Mienen schienen deutlich freundlicher und zufriedener als in den vergangenen Jahren. Die Messe ein Stimmungsbarometer für die aktuelle Geschäftslage der Veranstaltungswirtschaft? Ein klares Ja!

Das Rahmenprogramm – runderneuert und überladen
Der Veranstalter hat sich einiges einfallen lassen, um den Messebesuch attraktiver zu
gestalten. Ausgezahlt hat sich das nicht, denn der Besucherzuspruch stieg gegenüber 2011 nur um 2% auf 9.800 Personen.

Das umfangreiche Vortragsprogramm und die zahlreichen Plattformen: BOEXPERIENCE, BoE-Forum, BoE Speaker Forum live, BoE Social Network Lounge, BoE Recruitment Area, dazu die traditionellen Verleihungen des Nachwuchspreises INA und des BEA für die „Großen“ – da konnte man sich verdammt schwer tun, was außer den Ständen noch  besucht werden sollte. Weniger wäre mehr gewesen.

Die großspurig als Recruitment-Area betitelte Zone entpuppte sich als der Stand des
Studieninstituts für Kommunikation – mit dem Flair eines Rekrutenplatzes. Allerdings
hatten sich als Arbeitgeber nur zwei Agenturen für die Idee erwärmt und logischerweise eine Personalberatung.

Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache
Die Zahl der Aussteller ging erneut und zwar um 6,0% auf 410 zurück. Die Ausstel- lungsfläche stagniert bei 20.000 qm brutto nach Angaben des Veranstalters. Da kann man sich – wie bei den Besucherzahlen – nicht zufrieden zurücklehnen.

Auffällig das Fehlen zahlreicher namhafter Unternehmen aus der Veranstaltungstechnik (satis+fy, PRG, POOL, SIRIUS, CT) und Catering (Kofler, Käfer, Party Löwe, Hoffmann, FR Catering und erstmals auch LPS, ehemals Lufthansa Party Service). Bis auf Broich Premium Catering fehlten alle in der LECA (unter dem Dach des FAMAB) organisierten Catering-Betriebe. Die Event-Agenturen traten wie immer erst gar nicht an und ließen sich durch ihren Verband FME (auch unter dem Dach des FAMAB) vertreten. Das war schon immer ein Manko dieser Messe. Das ist schon ein Politikum, ist der FAMAB doch ein wesentlicher Partner des Veranstalters.

Welche  Lücke reißt die Insolvenz der MICE AG?
In den Aufbau der Messe platzte die Meldung über die Insolvenz der MICE AG,
dem Veranstalter der Konkurrenzmesse stb marketplace. Bei der letzten Ausgabe im November 2011 in München hatte man noch den „Big Bang“ und die überfällige Totalrenovierung verkündet. Nun ist es ungewiß, ob die geplante und in MICE-Marketplace umbenannte Veranstaltung am 27. März in Hamburg stattfinden wird.
Hier entsteht unter Umständen eine strategische Chance, Hotels und Locations
stärker an die Best of Events heranzuführen, die bisher eher auf der marketplace vertreten waren.

Fazit
Die manchmal als Jahrmarkt und „Leid-Messe“ verspottete Best of Events hat ihren Nutzwert als wichtigster Branchen-Treffpunkt untermauert. Wenn der Veranstalter das „Live-Marketing“ (im übrigen ein völlig unsinniger Begriff) aus dem Untertitel streichen würde, könnte das Gemecker sofort eingestellt werden.
Das Niveau der Messestände ist mittlerweile sehr ansehnlich, der repräsentative Branchen-Querschnitt hingegen steigerungsfähig: Agenturen, Caterer, Messebau und einige Bigshots der technischen Dienstleister hinterlassen große Lücken in der Ausstellerbilanz.

Der Besucherzuspruch stagniert, obwohl die „Eventisierung“ der Gesellschaft zunimmt. Die Stadt wird zur Bühne, Kultur- und Sport-Events sind selbstverständliche Bestandteile der heutigen Erlebnisgesellschaft. Das deutet auf unzureichend erschlossene Potentiale.

Die Branche nutzt diese Messe seit jeher, um sich zu treffen. Networking ist der Mehr-wert, den die „Event-People“ in Dortmund suchen. In diese Richtung wurde das Konzept
weiterentwickelt. Im Überschwang ist das ein wenig aus dem Ruder gelaufen und könnte mit wenigen Handgriffen korrigiert werden. Meine Anregung ist wie im Vorjahr, einen Fachkongress anzudocken. Damit kann man Agenturen einbinden und die Corporate Planner locken. Der Branche fehlt ein anspruchsvoller Fachkongress für Eventkommuni-kation. Zuguterletzt – der Messekatalog ist Klasse!

 

Veröffentlicht am 24. Januar 2012  |  Kommentar schreiben

ADAM + EVA Award-Show 2011

Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB die Oscars der Live-Kommunikation – ADAM für herausragende Messestände und EVA für ausgezeichnete Events.
Einen wunderbar klassischen Rahmen gab exakt einen Monat vor Heiligabend der Mann-
heimer „Rosengarten“ ab. Der Veranstalter vermeldete stolz ein ausverkauftes Haus – 1.550 Gäste füllten das Kongress-Zentrum.

 

Im Bann der Slotmachine

Die ADAM + EVA-Awardshow war ein Highlight dank eines intelligenten roten Faden, einer gelungenen Dramaturgie, der einfallsreichen Medialisierung und einer beherzten Organi-sation! Ein Kompliment der ausführenden Agentur Vogelsänger.

Nach einem unkonventionellen Intro-Film spielten die Mannheimer Sinfoniker die Ouvertüre zu einer zweieinhalb-stündigen Preisverleihung, die von Kai Spitzl anfangs mit Süffisanz und reichlich Wortwitz moderiert wurde. Leider konnte er sein Niveau nicht halten. Das Bühnenbild wurde beherrscht von einer Panoramaprojektion und 3D-Mapping. Der „Buchstabensalat“ gab allerdings Rätsel auf.

Spannung pur bei der Verteilung von Gold, Silber und Bronze: Eine filmische Slotmachine schlug das Publikum und die Nominierten insgesamt 13 Mal in ihren Bann. Ein dramaturgischer Geniestreich, wenn man die herkömmlichen Rituale kennt! Ein visuelles Vergnügen auch die Performance von Lichtfaktor, die mit LED-Leuchten tanzten. Über zwei Kameras und ein VJ-Mischpult entstanden auf der Projektionswand zauberhafte Schlieren und Effekte, die im Design der ADAM + EVA-Trailer wieder auftauchten.

Erstmalig wurde auch ein Catering Award vergeben. Und genau hier passierte ein Fauxpas:
Auf der Bühne wurde die Agentur des Siegerprojektes Liebherr/BAUMA 2010 geehrt, nicht aber der Caterer Kofler & Company! Er saß im Saal und wurde freundlich gegrüßt. Bei einem Gewerke-Award hat die Agentur auf der Bühne nichts verloren. War das ein Regie-Fehler oder der Selbstverliebtheit von Agenturen geschuldet?

Das Manko wie in den Vorjahren – die Kunden fehlten im Saal und bisweilen auf der Bühne. Bei dieser Nabelschau der Branche gehören die Kunden genauso ins Rampenlicht wie die Agenturen, Architekten und Messebauer.

Die Abräumer

Wer oder was hat gewonnen? Gewonnen hat die Box – und das gleich viermal: je 2x Gold
bei ADAM und EVA. Die Lightbox by Karl Lagerfeld (Kunde Schwarzkopf), The Cube von Electrolux, der State Grid Pavillon auf der EXPO Shanghai (Kunde State Grid Corporation of China) und The Audi Qube 3. Das Prinzip war stets ein bespielter Würfel, spektakulär platziert und in Szene gesetzt.

Erfolgreichster Kunde war die Daimler AG mit 2x Gold und 1x Bronze, die erfolgreichste Branche (wie immer) Automobil – sprich Audi, BMW, Daimler – mit insgesamt 9 Platzierungen. Unter den Architekten glänzte KMS Team mit zwei ersten Plätzen, Holtmann Messebau freute sich über Gold und Silber, die erfolgreichste Agentur war Metzler:Vater mit Silber und Bronze.

Bei der Kreativität existiert ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, denn der Großraum München
stellt mit Abstand die besten Agenturen/Architekten. Und noch etwas fällt ins Auge:
die Hälfte der goldenen EVA’s ging an Tochtergesellschaften von großen Werbeagenturen (BBDO live, JungvonMatt/relations, Serviceplan Event). Zufall oder der Beginn eines neuen Zeitalters?

Ein Ärgernis – die EVA-Kategorien

Die Award-Kategorien offenbaren immer mehr Schwächen, denn Kommunikation verändert sich, Event-Formate und Vernetzungsstrategien entwickeln sich weiter. Die Überschnei-dungen von Consumer und Public Events liegen in der Natur der Sache.

Die Zuordnung „Pavillon 21 MINI Opera Space“ zu Corporate Events ist genauso wenig nachvollziehbar wie die Einstufung des „Ballzaubers“ als Charity/Social/Cultural Event.
Wenig überzeugend auch die Einordnung der Eröffnungsveranstaltung der HANNOVER MESSE als Exhibition Event, eigentlich ein eindeutiges Corporate Event.

Das Projekt „Tramp a Benz“ – vergoldet als Public Event – hatte nicht im entferntesten etwas mit einer Veranstaltung zu tun! Zweifellos eine erfolgreiche Social-Media-Aktivierung und gelungene PR-Maßnahme. Im Vorjahr der gleiche Fall mit der „Rallye Fernost“ der ost-
deutschen Universitäten.

Eine komplette Überarbeitung der Kategorien mit einer entsprechenden Transparenz erscheint dringend geboten. Gut zu Gesicht stände dem FAMAB gerade aufgrund seines Engagements die Kategorie „Green Events“.

Fotos: eveos

Veröffentlicht am 1. Dezember 2011  |  1 Kommentar

kogag – Aufstieg und Fall einer großen Agentur

Nein, dies ist kein Nachruf, denn die Wiederbelebungsversuche sind ja angelaufen. Nein, bei der Nachricht vom vorläufigen Niedergang dieser einst großen und stolzen Agentur kann man nicht zur Tagesordnung übergehen.

Die kogag ist seit gut 40 Jahren eine markt-prägende Agentur und über viele Jahre ein unumschränkter Marktführer gewesen. So etwas wie das ‚Imperium Romanum‘ unter den Event-Agenturen, ein Fels von einem Unternehmen, vor Kraft strotzend, mit Wucht und Dynamik. Gegründet vom Vollblut-Unternehmer Peter Bremshey und dem ‚Gentleman‘,
Ralf Domning, dem ruhenden Gegenpol. Sie schufen ein Unternehmen mit starken Werten
wie hohe Kundenorientierung, Liebe zum Detail, Perfektion und einer außergewöhnlichen Dienstleistungsmentalität. Sie bauten auf Team-Geist als das noch nicht zu den Selbst-verständlichkeiten gehörte. Sie übertrugen Mitarbeitern Verantwortung und waren als gelernte Hoteliers auch kluge Kaufleute. Sorgfältiges Abwägen von Entscheidungen und solides Wirtschaften gehörten zu den Erfolgsfaktoren.

Nach und nach versammelten die beiden Kapitäne eine Mannschaft von qualitäts-besessenen Event- und Incentive-Experten um sich. Die kogag erarbeitete sich einen Ruf wie Donnerhall, wenn es um Zuverlässigkeit, erfolgreiche Veranstaltungen und scheinbar unmögliche Auf-
gaben ging. Und – Erfolg zieht Erfolg an: die Agentur war ein Magnet für Kunden und poten-zielle Mitarbeiter.

Auf dem Höhepunkt: das Menetekel

Im Frühjahr 2000 hielt der Unternehmensberater Dieter Heitsch vor Führungskräften
der kogag einen bemerkenswerten Vortrag mit dem Titel „Die kogag muß ihren Erfolg
überleben!“ Der Weckruf erfolgte zu einer Zeit als man sich auf dem Höhepunkt der Macht und Ausdehnung befand. Ca. 200 festangestellte Mitarbeiter an den Standorten Solingen, Berlin und München. Ein großzügiger Erweiterungsbau stand kurz vor der Vollendung. Der Himmel stand weit offen……

Die Warnung fiel nicht auf fruchtbaren Boden, denn sie stand im größtmöglichen Kontrast
zur damaligen Situation des Unternehmens. Es bewahrheitete sich in den nächsten 11 Jahren aber auch der geflügelte Satz die größten Fehler macht man in Zeiten des größten Erfolges. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, übermütig zu werden, sich selbst zu überschätzen und im wahrsten Sinne des Wortes „betriebsblind“ zu werden.
Hausgemachte Probleme, Management-Fehler und konjunkturell bedingte Umsatzdellen begannen ihr zersetzendes Werk…..

Das Erdbeben

Das „Erdbeben“ ereignete sich weit entfernt von Solingen in New York am 11. September 2001, was in der Folge nicht nur die guten Margen der Agenturen und Dienstleister für immer zerstörte, sondern auch zum ersten großen personellen Aderlaß der kogag führte. Freiwillige und unfreiwillige Abgänge von Leistungsträgern und Führungskräften verän-derten unmerklich und schleichend die einzigartige Unternehmenskultur. Die verschwore-ne Gemeinschaft in der Führung und in den Teams bekam Lücken und Risse.
Das Nachbeben ereignete sich beim Ausscheiden von Peter Bremshey als Geschäftsführer und Gesellschafter im Jahre 2003.

Im Moment der größten Umsatz- und Ertragsbelastung entstand mit dem Erweiterungs-bau ein enormer Fixkostenblock, der in der Folge wie ein Mühlstein um den Hals der kogag hing. Auch psychologisch waren die Leerstände im Anbau ein mulmiger Anblick.
Der Wettbewerb wurde intensiver, auch durch das Überangebot an Agenturen, das bis heute fortbesteht. Die Bandagen wurden härter durch die Einkaufsabteilungen der Unternehmen, die zunehmend auf den Plan traten. Insgesamt ist ein unfairer Umgang mit Agenturen zu beo-
bachten. „Spielchen“ und Machtspiele sind an der Tagesordnung. Absurde Pitches und Preis-Diktate schwächen die Agentur-Position, sie sind ganz leicht erpressbar. Die kogag ist schließlich auch nicht die erste prominente Agentur-Insolvenz.

Die Katastrophe

Die wirtschaftliche Krise der Jahre 2008/2009 hinterließ in den Bilanzen von Agenturen und Event-Dienstleistern tiefe Spuren. Viele kämpften ums Überleben, einige schafften es nicht ans rettende Ufer. Reserven wurde aufgezehrt, gute Mitarbeiter wurden entlassen und in die Freiberuflichkeit gezwungen. Kurzarbeit in Event-Agenturen, das hätte sich beim besten Willen niemand vorstellen können. Der Substanzverlust der kogag setzte sich fort, auch durch……

Foulspiel und strategische Fehler

In der Agenturwelt sind Zellteilungen üblich, d.h. Leistungsträger machen sich mit einer eigenen Agentur selbständig und nehmen Kunden mit. Das passierte in den Jahren ab 2002 bei der kogag allerdings recht häufig und obendrein wurden auch noch fähige Mitarbeiter abgeworben. Die einsetzende gewaltige Fluktuation von Mitarbeitern verkraftet kein Unter-
nehmen der Welt, denn sie bedeutet Verlust von Produktivität, von Geld, Qualität und Stabilität.

Die Statik der kogag, der soziale Organismus, war beschädigt, auch wenn das nicht augen-fällig war. Im Mannschaftssport erlebt man es häufiger, daß ein Team von einer Saison auf die andere seine Leistungsfähigkeit einbüßt, obwohl es fast die gleichen Spieler sind. Ähnliches gilt für den Trainer – es gibt Leistungseinbrüche und -explosionen durch einen Trainerwechsel. Die kogag hatte in den Jahren ab 2002 wohl auch nicht mehr das richtige Trainer-Team.

Strategische Versäumnisse lagen ganz sicher darin, daß die großen Trends der Branche (Spezialisierung, Internationalisierung, Social Media, Green Events) verschlafen wurden.
Die kogag ist heute eine Agentur ohne Profil. Wofür steht die Marke? Die Tugenden der Vergangenheit genügen allein nicht mehr. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
Als Außenstehender hat man den Eindruck, daß die kogag in den letzten Jahren mehr verwaltet als gemanagt wurde.

An dieser Stelle kann natürlich keine erschöpfende Ursachenanalyse betrieben werden,
dafür fehlt es auch an zeitnahen Insider-Kenntnissen.

Eine Kaderschmiede der Nation

Was bleibt von der kogag? In jedem Fall hunderte von excellent ausgebildeten Event-
Profis, die in ganz Deutschland verstreut arbeiten: in eigenen oder fremden Agenturen,
bei Unternehmen und Event-Dienstleistern, als Freelancer oder als selbständige Berater.
Wer kogag als längere Station in seinem Lebenslauf stehen hat, profitiert von diesem Ruf
und hat gelernt, auf höchstem Niveau Veranstaltungen zu konzipieren und zu steuern.

Der kogag ist zu wünschen, daß sie wie der Vogel Phönix der Asche entsteigt.

Veröffentlicht am 21. November 2011  |  Kommentar schreiben

Adam + Eva unter dem Baum der Erkenntnis

Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB e.V. die Oscars der Live-Kommunikation – ADAM für herausragende Messestände und EVA für ausgezeichnete Events. Einen wunderbar klassischen Rahmen gab Anfang November der Mannheimer „Rosengarten“ ab. Ein angenehmer Kontrast zur vorjährigen Jahrhunderthalle in Bochum. Ausverkauft! meldete der Veranstalter stolz – 1.300 Gäste füllten das Kongress-Zentrum.

Die Rückkehr ins Paradies

Ein ansprechendes Bühnenbild, vorzügliche Einspieler, eine kurzweilige Verleihungszeremonie, ein blendend aufgelegter, fach-kompetenter Moderator Christian Gálvez, Bild, Licht und Ton – alles vom Feinsten. Das konnte man nicht immer behaupten von den bisherigen Verleihungen. Angefangen von handwerklichen Fehlern aller Art bis tödlich langweiliger Preisvergabe. Ein Manko aber blieb – die Kunden fehlten im Saal und bisweilen auf der Bühne. Bei dieser Leistungs- und Nabelschau der Branche gehören die Kunden genauso ins Rampenlicht wie die Agenturen. Doch ganz ohne faule Äpfel kam man auch diesmal nicht aus, oder sollte man sagen Schlangen? Gemeint sind die Schlangen beim Check-in und am Buffet. Dennoch ein Kompliment der ausführenden Agentur pro-event und den Sponsoren.

Das Sieger-Gen

Wer oder was hat gewonnen? Gewonnen hat der Faktor DESIGN. Folgerichtig hat die Audi AG als erfolgreichster Kunde 4x Gold geholt und die Hamburger Agentur „mutabor – multichannel brand design“ stand 6x auf dem Podium. Das Establishment der besten deutschen Agenturen und Messebau-Unternehmen teilten sich redlich die Preise, Außenseiter auf dem Treppchen – Fehlanzeige. Überraschend und im Gegensatz zu den Vorjahren konnten sich die großen Networks von BBDO und GREY diesmal nicht auszeichnen, JungvonMatt gewann lediglich einmal Bronze. Die Jury traf ziemlich genau den Zeitgeist und hatte bei ihren Entscheidungen eine glückliche Hand.
Es wurde über-deutlich, wie stark der Live-Kommunikations-Markt von der Automobil- Branche abhängt, denn 9 von 31 ADAM + EVA-Preisträgern zählen zu diesem Sektor.

Social Media & Event

Erstmals nutzte der FAMAB das Mitmach-Web vor und während der Veranstaltung. Das ist mittlerweile ein gängiges Erfolgsrezept vieler Events und Publikumsmessen. Als Agentur muss man auf dieser Klaviatur spielen können. Für die teilweise belanglosen tweets kann man jedoch nicht den Veranstalter verantwortlich machen. Aber das war zu Beginn der Mobiltelefon-Ära nicht anders. Der Live-Stream auf der Website des FAMAB war ebenfalls eine Premiere und so ist auch der Verband für Direkte Wirtschafts-kommunikation im Internet-Zeitalter angekommen.

Die Trends der Live-Kommunikation

Ganz eindeutig die Interaktion zwischen Bühne und Projektion/LED-Wand! Das höchst anspruchsvolle Spiel mit den Ebenen bleibt ein Renner, das zeigten viele der einge-reichten Projekte.

Die Stadt als Bühne, Vernetzung der Kommunikationsinstrumente und Flashmobs als Instrument des Eventmarketing blieben diesmal noch die Ausnahme. Swisscom/Vok Dams gewannen mit ihrem „Hopp Schwyz“ zurecht die Kategorie „Public Events“, weil ihnen die Einbindung von Youtube überragend gelang. Eine mutige Aktion, ein mutiger Kunde, doch hinken wir in Deutschland bei diesem Thema hinterher. T-Mobile und Heineken haben im relevanten Zeitraum 2009 ganz andere Beispiele von modernem Eventmarketing vorexerziert. Vok Dams hat wie auch 2008 mal wieder nur gut kopiert. Oder die anderen Agenturen haben einfach geschlafen.

Green Events, Nachhaltigkeit bei Events und Messen – diesmal Fehlanzeige, dabei wäre eine eigene Kategorie angezeigt. Dieser Apfel ist am Baum der Erkenntnis hängen geblieben. Und noch etwas – der Eintrittspreis von € 275,- plus MwSt. trotz Sponsoren-Leistungen von 1,3 Mio. Euro ist ein echter Sündenfall.

Veröffentlicht am 25. November 2010  |  Kommentar schreiben

Agentur-Rankings und andere Märchen

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Der ehemalige englische Premierminister Winston Churchill dokumentierte seine Lebensklugheit mit diesem Bonmot: „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“ Das w&v-Ranking „Die Top-30-Agenturen für Live-Kommunikation 2009“ hätte Mr. Churchill bestimmt Spaß gemacht! Diese Umsatz-Rangliste hat von Anbeginn unter den Event-Agenturen für böses Blut gesorgt, wegen der Mitglieder den Verband FME sogar verlassen haben.

Ganz schön schwach auf der Brust – die methodischen Defizite

1. Vollständigkeit: Der schöne Schein trügt – was auf den ersten Blick so amtlich und objektiv aussieht, ist auf den zweiten Blick nur die halbe Wahrheit. Denn nur wer seine Zahlen der Arbeitsgemeinschaft aus w&v, HORIZONT und FME meldet, wird auch gelistet. Im Umkehrschluss, bedeutende Agenturen wie Triad, imagepeople, circ oder CB.e sind nicht dabei. Von 42 FME-Mitgliedern sind erstaunlicherweise nur 11 in der Rangliste vertreten.

2. Statistische Erhebung: Nirgendwo im begleitenden Artikel (w&v 18/2010) wird Live-Kommunikation definiert. Und auch die FME-Richtlinie zur Umsatzberechnung trägt nichts zur Aufklärung bei. Dafür wird man mit der Wortschöpfung Nettoroheinnahme bekannt gemacht, die BWL-Professoren überall in Deutschland aufhorchen lassen wird.

3. Gültigkeit: Man verweist darauf, dass nur geprüfte Umsatzangaben berücksichtigt werden. Im Kleingedruckten erfährt der geneigte Leser, dass bei 14 von 30 Agenturen das Testat bei Redaktionsschluss noch nicht vorlag. Allerdings, was kann ein Steuerberater anderes beurteilen als die rechnerische und bilanz-technische Korrektheit der Zahlen? Die sachlich-fachliche Zuordnung der Umsätze und Mitarbeiterzahlen ganz sicher nicht.

4. Plausibilität: Wir kommen zum Knüller des Ganzen, dem Unterschied zwischen Billings, also den Budget-Umsätzen, und dem Gross Income, dem eigentlichen Agentur-Umsatz. Betriebswirtschaftlich also der Deckungsbeitrag 1. Der Pro-Kopf-Umsatz einer Kommunikations-Agentur liegt in einer Bandbreite von 80.000 € bis 160.000 €. Das belegen die entsprechenden Rankings von w&v als auch veröffentlichte Bilanzen von z.B. Uniplan.

Eine Plausibilitätsrechnung, die auf den empfohlenen, selten durchsetzbaren, Honorarsätzen des FME basiert, käme zum gleichen Ergebnis. Denn es gilt zu berücksichtigen, dass nicht jeder Mitarbeiter ein Umsatzträger ist, dass von den Umsatzträgern nicht jeder ein Projektleiter, sondern auch Assistenten und Praktikanten darunter sind. Nicht jeder geleistete Agentur-Tag kann beim Kunden abgerechnet werden, zahlreiche Agenturtage gehen für (verlorene) Pitches drauf.

Wahr oder unwahr?

Von den 30 im aktuellen w&v-Ranking vertretenen Agenturen überschreiten 10 Betriebe den Pro-Kopf-Umsatz von 160.000 € so erheblich, dass Zweifel angebracht sind. Nun kann man einwenden, das liegt an der hohen Zahl von freien Mitarbeitern. Dies ist aber bei allen Kommunikations-Agenturen üblich. Die Pro-Kopf-Umsätze der etablierten Agenturen für Live-Kommunikation liegen 2009 alle im Normbereich (außer dem “Tabellenführer” aus Wuppertal und Uniplan, was an einer Fehlmeldung liegen muss). Außerdem machen sich Event-Agenturen gerne grösser als sie tatsächlich sind.

Wie laut darf geklappert werden?

Eine mögliche Erklärung für die merkwürdigen Zahlen ist die Vertauschung von Billings und Gross Income. Das ist nicht nur eine Täuschung des Lesers, sondern auch ein Verstoss gegen § 3 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk, aber da hört der Spass auf. Traurig ist die Mitwirkung des Agenturen-Verbandes FME als Treuhandstelle.

Veröffentlicht am 2. November 2010  |  3 Kommentare

Duisburg: die programmierte Katastrophe

Mit großer Betroffenheit habe ich die Ereignisse und Berichterstattung der LoveParade verfolgt. Ich habe versucht mir vorzustellen, in einer gigantischen Menschenmenge eingeklemmt zu sein, keine Luft mehr zu bekommen, ja Todesangst zu spüren….Vor großen Menschenmengen hatte ich immer enormen Respekt, man kann nicht umsichtig genug sein. Nun das…..Ich kenne diesen Tunnel, in dem man schon Panik bekommt, wenn man dort allein ist.

Ganz offensichtlich haben die Verantwortlichen gegen alle Regeln der Kunst, sprich der VersammlungsStätten-Verordnung, verstoßen. Ein Organisationsverschulden mit katastrophalen Folgen. Ein zu kleines und obendrein abgesperrtes Gelände, ein Nadelöhr als Zugang. Der gesunde Menschenverstand sagt einem schon, daß dies nicht funktionieren kann. Wie kann es zur Genehmigung kommen? Profitgier, falscher Ehrgeiz, Ignoranz……? Wer hat Druck ausgeübt? Bedenken vom Tisch gewischt? Kostprobe gefällig? tagesschau.de berichtet…

“Zudem befreie der Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Duisburger Amt für Baurecht und Bauberatung in dem Dokument die Organisatoren von der Vorschrift, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Außerdem verzichteten die Beamten auf Feuerwehrpläne. Das von “Spiegel online” zitierte Schriftstück vom 21. Juli 2010 mit dem Aktenzeichen 62-34-WL-2010-0026 trägt den Titel “Genehmigung einer vorübergehenden Nutzungsänderung”. Es richtet sich an die Berliner Lopavent GmbH als Veranstalter der Loveparade.”

Poltik und Veranstalter sind nicht nur juristisch, sonder auch moralisch verantwortlich. Die ganze Erbärmlichkeit zeigte sich bei der Pressekonferenz. Wie Kleine Jungs, die etwas Schlimmes angestellt haben, aber nicht den Mumm haben, es zuzugeben.

Duisburg lehrt uns, Aus- und Weiterbildung zur Veranstaltungssicherheit zu intensivieren.

Veröffentlicht am 1. August 2010  |  Kommentar schreiben

Compucoach + Guest Control = Guest One

Grundsätzlich sind größere Betriebseinheiten in der Event-Branche zu begrüßen. Doch hier wird gerade eine Menge Markenkapital pulverisiert. Insbesondere Guest Control hat in der Vergangenheit sehr viel Geld in die Print-Werbung gesteckt. Die neue Marke muß beworben werden und da ist es unverständlich, daß die Websites beider Unternehmen die Fusion unauffällig und obendrein unter-schiedlich kommunizieren.

Da beide Standorte erhalten bleiben, werden nicht alle Synergien auf der Kostenseite ausgeschöpft. Für die Kunden bleibt abzuwarten, wie sich der erhöhte interne Abstimmungsaufwand auswirkt. Die Management-Kapazität wird in der ersten Phase stark absorbiert werden durch die neuen internen Prozesse. Trotzdem oder gerade deswegen – Glückauf!

Veröffentlicht am 29. Januar 2010  |  Kommentar schreiben

eventpreisbrecher.de

Die erste Low-Cost-Agentur ist da! Pauschalangebote für Hamburg, Berlin und München wie im Reisebüro. Ein Festpreishonorar für Konzeption und Organisation von 998,- zzgl. Sachkosten und Durchführung (optional) durch Freelancer. Man reibt sich die Augen und denkt an Kegelclubs und Busse voll Senioren.

Mitnichten – das ist ein Angebot für Unternehmen! Ein Ramschangebot vom Insolvenzverwalter einer Agentur? Nein – ein Startup-Unternehmen von Peter Cramer aus Hamburg, bis dato achtung!erlebnis. Zum Glück bekommt jeder die Kunden, die er verdient und da beneide ich Peter Cramer überhaupt nicht.

Dieser Wettbewerber kann eine gestandene Agentur für Live-Kommunikation nicht kratzen, sehr wohl aber der Kratzer im Image der Event-Agenturen generell, der hiermit entsteht.

Veröffentlicht am 27. Januar 2010  |  1 Kommentar

Einer guten Idee ist es egal, wer sie hat

Justitia ist manchmal auf einem Auge blind. Eine Jury manchmal auf beiden Augen. Anders ist kaum zu erklären, daß EVONIK/Vok Dams im Jahre 2008 eine EVA in Gold erhielten. Sicherlich war das eine bemerkenswerte Eventkommunikation – Silber oder Bronze wäre jedoch angemessener gewesen. Denn eigentlich war es ein Plagiat! Wir erinnern uns an die Verhüllung des Reichstages in Berlin durch den Aktionskünstler Christo – das war 1995.

Spektakulär war die Verhüllung des BAYER-Hochhauses 1999 aus Anlaß von 100 Jahren ASPIRIN. Dann erinnert sich die Essener Bevölkerung noch sehr gut an die Verhüllung des RAG-Gebäudes im Jahre 2006 zur Bewerbung als “Kulturhauptstadt Europa”.

Die Agentur Vok Dams ist nun auch noch für den Design-Preis der Bundesrepublik Deutschland nominiert worden. Es ist so ähnlich wie im Journalismus – einer schreibt vom anderen ab, ganz unkritisch. Das scheint auch bei Jurys zu sein. Das Entscheidene bei der schrittweisen Verhüllung/Enthüllung des EVONIK-Hochhauses war doch die Idee, alles andere war Handwerk (was andere geleistet haben als die Agentur, ich ziehe meinen Hut davor). Doch die Idee war bereits mehrfach realisiert worden. Also, was ist preiswürdig?

Veröffentlicht am 12. August 2009  |  Kommentar schreiben

C wie Consulting oder C wie Chimäre?

Die Welt hat lange warten müssen – endlich Consulting von Vok Dams! Der Meister der Camouflage hat nachgedacht und gebrainstormt und einen Gedankenblitz: Beratung ist mit einer hohen Wertschöpfung verbunden ist. Also wird flux unter dem Dach des ILM eine neue Unit installiert, die Website des ILM umbenannt in vokdams-consulting.de und mit Birgit Kriesche eine Leiterin aus dem Hut gezaubert. Leider erfährt man auf der Website gar nichts über das neue Portfolio, auch nichts über Madame Kriesche. Kann jemand meine Wissenslücke schließen? Es ist so etwas wie name dropping – ansonsten bleibt alles beim Alten. Vielleicht ist es ja Analog-Käse wie auf einigen TK-Pizzas.

Ach, ich habe etwas von Vok Dams gelernt: Portfolio, also die Leistungen, die man anbietet und der Kunde bezahlt, ist ein – MEHRWERT http://www.vokdams-consulting.de/?id=11

Veröffentlicht am 10. Juli 2009  |  Kommentar schreiben
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