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IAA 2013: Temporäre Markenwelten und automobile Träume

Immer Alles Ausgebucht – so kann man IAA auch übersetzen. In ganz Deutschland ist nicht eine einzige (hübsche) Hostess zu buchen – sie sind alle in Frankfurt. Gleiches gilt für LED-Module, Scheinwerfer und Lautsprecher.

Die IAA präsentiert sich wieder einmal als Gegenentwurf zur klassischen Werbung: als automobilstes und unmittelbarstes Markenerlebnis! Mittendrin statt nur dabei! Interaktiv, dialogisch, für viele Besucher elektrisierend. Für die Macher dagegen ein Kraftakt und nicht unbedingt immer ein Geschäft.

Der generelle Eindruck

Montags um 10 Uhr herrscht bereits ein riesiger Andrang. Das Publikum ist jung und international. In 11 Hallen und im Freigelände die übliche Materialschlacht: jede Menge erotisch geformtes Blech und drum herum State-of-the-Art-Veranstaltungstechnik. Alles vom Feinsten! Die wichtigste Leistungsschau der Automobilindustrie, glänzend in Szene gesetzt von der Creme deutscher Agenturen, Messebauer und Technik-Dienstleister. Die meisten Stände waren bereits 2011 zu sehen, Ford und Opel haben sich etwas Neues einfallen lassen. Auffällig wenig Live-Elemente, die „Hupfdohlen“ haben ausgetanzt. Die volle Konzentration galt den Fahrzeugen. Social Media-Angebote allerorten.

Die wichtigsten Messestände

1. Audi – der Spiegelpalast

Die Audi AG bebaut wieder die Agora. Man reibt sich die Augen: war der „Audi-Ring“ von 2011 noch ein kühner Wurf, ein spektakulärer Baukörper mit einer unregelmäßigen, geschwungenen Außenhaut, so steht man jetzt vor einem wenig einladenden, weiß-silbrigen Schuhkarton.

Das Konzept von „Eine Stadt steht Kopf“ erschließt sich dem Besucher nicht – die Überkopf-Baukörper im Look der Potsdamer-Platz-Hochhäuser sind originell, aber lenken vom Produkt ab. Ein bebauter Luftraum, aber sonst? Verspiegelte Decken und Wände. Sehr sachlich, statisch, geradezu klinisch wurde die neuesten Audi-Modelle vorgestellt. Gegenüber 2011 ein Rückschritt in vielerlei Hinsicht.

2. Mercedes-Benz – der Automobil-Tempel

Wer die Festhalle betritt, betritt eine Kathedrale, den Marken-Tempel des Erfinders des Automobils: eine atemberaubende Architektur, eine grandiose Inszenierung. Dramaturgie und Szenographie dienen nur einem einzigen Zweck: hier geht es um Bekehrung.

Die vier Welt-Premieren werden in einem licht-durchfluteten medialen Umfeld vorgestellt. Dazu hat Mercedes-Benz eine fahraktive Bühne in zwei Ebenen geschaffen. Der Auftritt der Marke ist ein Gesamtkunstwerk, das auch durch die musikalische Bespielung glänzt. Fahrzeug-Choreographie, der geradezu wagnerianische Soundtrack und die kompri-mierten Texte sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Ganze wirkt dennoch ein wenig kühl, im Kern ist Mercedes eine Ingenieurs-Marke. Am Ende fällt ein purpurroter Theatervorhang über die LED-Wände – ein erhabener Moment, der die kühle Distanz etwas reduziert.

3. VW-Konzernhalle – der Flagship-Store

Der VW-Konzern ist in der Halle 3.0 geblieben. Wählt man den Eingang links, wähnt man sich in einem überdimensionierten Autohaus, der Eingang rechts hat etwas von einem Hintereingang. Der Konzern mit den vielen Marken präsentierte sich nach dem alten Kaufhof-Motto „Alles unter einem Dach“ (bis auf Audi), was auf Kosten der Eigenständig-keit und Wirkung geht. Eine perfekt ausgeleuchtete Großraum-Disco, denn unvermittelt ertönt ein Techno-Sound, der an der zentralen Information von einer DJane live gemixt wird. Ansonsten ein akustisches und optisches Trommelfeuer von Porsche, Seat, Bentley, Bugatti und Skoda. Die Konzernhalle ist kosten-effektiv, aber nicht marken-gerecht. Ein Balance-Akt, den die Marketing-Abteilungen wohl verloren haben.

Allein VW selbst hat Raum zur Entfaltung. Dem New Beetle  gönnt man eine marken-affine Szenerie, alle anderen Modelle werden sauber gestellt und ausgeleuchtet. Wie man mehrere Marken unter einem Dach präsentiert, demonstriert die BMW Group.

4. BMW – das Freudehaus

Das Entree zur Halle 11 gehört Rolls Royce, sehr distinguiert, very british. Schräg gegenüber Mini: interaktiv und bunt – NOT NORMAL so das Ausstellungs-Motto – ein konsequenter Markenauftritt, der einfach nur Spaß macht.
Dann öffnete sich die Welt von BMW…. Eine umlaufende Fahrbahn kreuzt die Halle in luftiger Höhe. Die automobilen Highlights, der neue X5 und der elektrische Stadtflitzer i3, werden in einer fahr-aktiven Show präsentiert. Dramaturgie, Action und Leidenschaft vermischen sich zu einer dynamischen Komposition aus Mensch, Maschine, Musik, Licht und Video-Clips. Die Panorama-LED-Wand und die mobilen LED-Module auf der Bühne sind die reine Augenweide. Gestochen scharfe Bilder und High-Class-Videos, die moderne Urbanität und „Unendliche Fahrfreude“ ausdrücken. Die ganze Halle ist in verschiedene, durch Treppen verbundene, Ebenen aufgeteilt. Klar gegliederte Themenbereiche erleichterten die Orientierung. Ein szenographisches Schmankerl.

Geschrieben am 16.10.2013 von admin

The Great Pretender wird 75

vokdams3.thumbnail.jpgHeute wird er 75 Jahre alt, der Mann, der niemals lacht, zumindest auf Fotos. Happy Birthday Volkwart Dams.

Geschrieben am 16.05.2013 von admin

FAMAB-Qualitätskodex: Anspruch und Wirklichkeit

Im Sommer 2008 veröffentlichte der damalige FME (Forum Marketing-Eventagenturen), heute im FAMAB aufgegangen, ein Positionspapier, das nach innen, aber auch nach ein positives Signal setzen sollte. Dieses ‚Qualitätskodex‘ genannte Verbands-Statement, von einer Handvoll hochkarätiger Experten aus Agenturen und Wissenschaft mit viel Emphase und Sachverstand erarbeitet, weckte die schönsten Hoffnungen. Ein Leuchtturm der Verbandsarbeit, mit dem heute noch geworben wird. Auch der Autor war begeistert.

Eine Kommunikationsdisziplin beweist Haltung

Mit diesem Kodex hatten sich die Mitgliedsagenturen so etwas wie eine Verfassung gegeben: Ein Bekenntnis zu Werten und Normen, ein klares Verständnis vom eigenen Wert und Wirken, ein Muster an Transparenz, eine Selbstverpflichtung, ein Qualitäts-versprechen an die Kundschaft, eine Orientierung für Mitglieder und ihre Mitarbeiter. Ein Mission-Statement als Ergebnis von Reflexion auf hohem Niveau – Chapeau.

Einige Zitate als Beleg:

„Zugleich erfüllt diese umfassende und systematische Zusammenstellung obligatorischer Standards im Eventbereich auch eine dringend erforderliche Aufklärungsfunktion: Der Qualitätskodex weist die Auftraggeber auf spezifische methodische Eigenheiten und Leistungsmerkmale dieser Fachsparte hin und hilft ihnen, sich bei der Auswahl und beim Einsatz geeigneter Kommunikationsexperten in dieser vielschichtigen Branche zurechtzu-finden……Der FME-Qualitätskodex schafft Transparenz und Vertrauen und damit letztlich mehr Raum für Kreativität.“

„Zum Verständnis des vorliegenden FME-Qualitätskodexes ist es zweckdienlich, zwischen den folgenden drei relevanten Ebenen zu unterscheiden:

A. Die Leistungsfähigkeit bzw. das Potenzial der Agentur

FME-Agenturen legen offen und beschreiben die elementaren Merkmale ihrer Unternehmen, der Managementstruktur, Methoden, Menschen, Erfahrungen, Ausstattung, Ressourcen sowie der Partner und Netzwerke.

B. Der effektive Ablauf von Projekten

Initiativ für die ganze Branche zeigt der FME-Qualitätskodex hier beispielhaft ein Fünf-Phasenkonzept mit einer einheitlichen Begrifflichkeit auf, das die zielgerichtete Koordination und Steuerung aller Kontakte mit den Kunden (Veranstaltern) und deren Kunden (Teilnehmerzielgruppen) abbildet. Die eigentliche Optimierung besteht in der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit, Überprüfbarkeit und Wiederholbarkeit der einzelnen Projektphasen vor, während und nach dem Projekt.“

Abgerundet wurde das Dokument durch ein Glossar und zahlreiche Schaubilder. Zu Recht war man damals sehr stolz. Wegen der positiven Außenwirkung unterzeichneten dieAgentur-Chefs den Qualitätskodex demonstrativ, was scheibchenweise per Pressemitteilung kundgetan und auf der FAMAB-website veröffentlicht wurde. Einer derjenigen, die den Kodex nicht unterzeichneten, war der damalige FME-Präsident Volkwart Dams. Man kennt das aus internationalen Verträgen, die zwar feierlich beschlossen, aber dann einzel-staatlich nicht ratifiziert werden.

Nun ist die Ära Dams im Verband zu Ende und seit einiger Zeit ein neuer Vorstand am Ruder, dessen Tatkraft spürbar und dessen Stoßrichtung begrüßenswert ist. Eine neue Regierung pflegt zu Beginn ihrer Amtszeit immer einen Kassensturz zu machen. Im Falle des Qualitätskodex hat sich der Autor die Freiheit genommen, dies anstelle des Vorstands zu übernehmen.

Der FAMAB-Qualitätskodex: zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die selbst aufgestellten Kriterien (vgl. Spaltenüberschriften) wurden für einen halbwegs repräsentativen Querschnitt der Mitglieder anhand ihres Internet-Auftritts überprüft. Vertreten sind  große und kleine Agenturen, aus verschiedenen Regionen, Messebau-Firmen und die Unternehmen von einigen Präsidiumsmitgliedern (gekennzeichnet mit einem P). Geprüft wurde nur das Vorhandensein von Informationen, die in der Präambel des Kodex verpflichtend versprochen werden. Es muß eingeräumt werden, daß  z.B. Nachhaltigkeit oder Projektmanagement praktiziert werden kann, aber auf der website nicht erwähnt wird. 

Das Kriterium der Gesetzestreue wurde bei allen untersuchten Firmen als gegeben unterstellt. Einzige Ausnahme: VOK DAMS, da permanent gegen das UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) verstoßen wird (wahrheits-widrige Behauptung: „weltweit erstes und einziges Institut für Live-Marketing“).

 

 

Nachhaltigkeit

 

Management/

Mitarbeiter

Methoden/

Tools

 

Referenzen

Projektmanagement/
Qualitätsmanagement

VOK DAMS

 

Nein

 

Nein

Nein

Ja

nein

Uniplan

 

nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Pommerel

 

Ja

 

Ja

Ja

Ja

Nein

Concept X

 

Nein

 

Ja

Ja

Ja

Nein

pro event (P)

ja

 

ja

ja

Ja

nein

marbet

 

Nein

 

Ja

Ja

Ja

ja

Ereignishaus

 

Nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Eventuality

 

Nein

 

Ja

Nein

Ja

Nein

Joke Event

 

Ja

 

Ja

Nein

ja

Nein

von Hagen (P)

Ja

 

Ja

Ja

Ja

Ja

Ambrosius (P)

Nein

 

z.T.

Nein

Ja

ja

Atelier Türke (P)

Nein

 

Ja

Nein

Ja

nein

Das Ergebnis ist ernüchternd: von den 12 untersuchten Mitgliedern erfüllt nur der Messe-baubetrieb von Hagen sämtliche selbst auferlegten Informationspflichten – als Präsident des FAMAB somit ein leuchtendes Vorbild. Als nachahmenswert in Klarheit und Vollständigkeit des Informationsangebotes präsentieren sich die Agenturen marbet, Pommerel und pro event.

Düster sieht es dagegen bei VOK DAMS aus: Diese website repräsentiert ein Musterbeispiel an Verwirrung, Verwirrtheit und  Intransparenz, nicht nur im Sinne der vom Qualitätskodex verlangten Informationen.

Fazit: Haltet den Dieb!

Seit kurzer Zeit ist der Original-Qualitätskodex von 2008 aus dem Verkehr gezogen und durch ein zweiseitiges lapidares Papier ersetzt worden. Die alten Informationsverpflichtungen sind jedoch direkt und indirekt übernommen worden. 

Was ist passiert? Waren die Agenturen zu mutig oder zu fortschrittlich? Sind sie im Rahmen der Neustrukturierung des Verbandes zurück gepfiffen worden? Oder ist es das heimliche Eingeständnis, daß man die eigenen Ansprüche nicht erfüllen kann, z.B. in Sachen Projektmanagement? Dazu müßte man die Mitarbeiter ja schulen. Das kostet bekanntlich Geld und Zeit.

Bedauerlicherweiseverdient der FAMAB-Qualitätskodex seinen Namen nicht (mehr) – verstümmelt, verwässert und ohne Relevanz bei den Mitgliedern.

Hier geht es zum fme-qualitaetskodex_2008-06-11 von 2008.

Geschrieben am 03.05.2013 von admin

Umfrage zu den Bezeichnungen für unser Metier

Gemeinsam mit dem eveos blog habe ich im März 2013 eine Umfrage durchgeführt und verschiedene Fachbegriffe zur Abstimmung gestellt. Mit welcher Bezeichnung identifizierten sich die rund 260 Teilnehmer am meisten? Hier das Ergebnis

Grafik-Umfrage-Event-Begriffe.jpg

Live-Kommunikation ist der eindeutige Favorit, ein Begriff, der sich in der Praxis schon länger durchgesetzt hat und sich in einigen Agentur-Positionierungen wiederfindet.

Ein empfehlenswertes Fachbuch trägt dies auch im Titel: ‚Live Communication Management‘ von Prof. Manfred Kirchgeorg, Christiane Springer und Christian Brühe.

Auf Platz 2 Eventmarketing ein eher akademischer Begriff, der in jedem guten Marketing-Lehrbuch steht.

Auf Platz 3 Live-Marketing – benutzen einige wenige Agenturen zur Positionierung. Dies ist ein semantisch unsinniger und marketing-fachlich falscher Begriff. LIVE können Werbung oder Kommunikation sein, nicht aber Marketing!

Auf dem letzten Platz: KommunikationDirekt den sich Volkwart Dams ausgedacht hat, zu dem von meiner Seite alles gesagt ist. Und ein Begräbnis erster Klasse

sarg-c-495x350.jpg

Geschrieben am 03.04.2013 von admin

Der Etikettenschwindel

Buchcover_Vok_Dams_300x300-150x150.jpgNeues aus Wuppertal: ’50 Jahre KommunikationDirekt‘ lautet der Titel des neuen Buches von Volkwart Dams. Man reibt sich die Augen, habe ich eine Erinnerungslücke oder hatte ich gar einen Filmriß? Oder ist Herr Dams einfach nur ein Schlawiner oder eher ein Scharlatan?

Wahrscheinlich beides, aber ganz sicher ein falscher Prophet. Die Firmengeschichte etikettiert er flugs um zur Geschichte der Event-Branche. Der Leser merkt es erst nach einer Weile. Sein Glaubensbekenntnis heißt ‚KommunikationDirekt‘. En passant entdeckte er 1962 dieses Findelkind der Marketing-Kommunikation und hat es sofort adoptiert. Das ganze Buch und was ich darüber denke finden Sie hier

Geschrieben am 16.02.2013 von admin