Blog

Location Award 2014

Ein kleines Jubiläum feierte der Location Award am 25. September 2014 mit der 5. Ausgabe der Auszeichnung excellenter Veranstaltungsorte. Veranstalter Frank Lienert, Geschäfts-führer und Gründer der Suchmaschine locationportale konnte annähernd 500 Gäste in der Warsteiner Welt, dem Besucherzentrum der ortsansässigen Brauerei begrüßen. In der an Awards nicht gerade armen Branche verfügt diese Preisverleihung über Alleinstellung, Relevanz und Nutzen für die Zielgruppe der Veranstaltungsplaner in Unternehmen und Agenturen. Die legitime Eigenwerbung wurde angenehm überstrahlt von der offensichtlichen Liebe zur Sache durch die Sponsoren, die Jury und dem Initiator an der Spitze.

Der Wettbewerb

In elf Kategorien wurden Preise vergeben. In einem Online-Voting qualifizierten sich die meistgenannten drei Bewerber als Nominierte, die dann von einer Experten-Jury persönlich besucht und nach objektiven Kriterien bewertet wurden. Neben kategorie-spezifischen Merkmalen wurden auch übergreifende Faktoren wie zusätzliche Services für Veranstaltungen, Außenflächen, Design, Logistik, Umweltverträglichkeit, Technik und Innovationsgrad bewertet. Die Kategorienbildung ist durchweg logisch, markt-gerecht und aus der Sicht eines Konzeptioners sinnvoll. Auch dies ein Kompliment an die Macher, denn Gegenbeispiele existieren genug.

Berlin ist doch reich – und sexy!

Abräumer des Abends war eindeutig die Destination Berlin: Die ungebrochene Attraktion der Hauptstadt spiegelt sich auch in ihrem Reichtum an architektonisch und kultur-historisch bedeutsamen Veranstaltungsstätten. In den 10 Kategorien stationärer Locations stellte Berlin dreimal den Gewinner und siebenmal eine Nominierung, also genau ein Drittel der Endrundenteilnehmer. Alle Gewinner und Nominierten findet man hier. Die Zeche Zollverein in Essen stellte mit dem SANAA-Gebäude und dem OKTOGON zwei Erstplazierte, Hamburg punktete mit dem Schuppen 52 und München mit dem BMW Museum.

Die Dramaturgie blieb auf der Strecke

Ausbaufähig waren allerdings der Ablauf und die Dramaturgie des Abends. Nach einem schwungvollen, augenzwinkernden Intro-Video mit Frank Lienert in der Hauptrolle und einem gekonnten Übergang zur Location des Abends übernahm Moderator Aljoscha Höhn das Zepter. Leider hatte der sonst so erfrischende, mit großer Schlagfertigkeit ausgestattete Langenfelder nicht seinen besten Tag erwischt. Im Fußball würde man sagen, er wirkte überspielt. Die Ansagen und Interviews waren nicht sonderlich originell, das Duzen von Frank Lienert und den meisten Jury-Mitgliedern wirkte unpassend.

Die Elemente der Preisverleihung – Video-Clips der Nominierten, Auftrittsmusik, Siegermelodie, Jury-Statement und Umschlag im Oscar-Stil – kann man so machen. Aber 11 Mal im D-Zug-Tempo durchgezogen wirkt es ermüdend. Ein Intermezzo oder Live-Musik hätte das Ganze bekömmlicher gemacht. Ein Fauxpas und nicht nachvollziehbar war, die Plazierten von der Bühne zu schicken, während der Sieger sich wie ein Schulbub allein auf weiter Flur die Laudatio anhören durfte.

Überflüssig war am Ende der Zeremonie die Keynote von Trendbeobachter und Speaker Adjiedj Bakas aus den Niederlanden. Um 22:30 Uhr begann er seinen Vortrag, zog sich jedoch geschickt aus der Affäre. Das war für ihn und das Publikum eine verschenkte Gelegenheit, denn die Aufmerksamkeit lag nach 150 Minuten durstigen unbeweglichen Stuhlminuten eindeutig woanders.

Fazit

Dem Veranstalter und seinen Unterstützern gebührt großer Respekt für eine unter dem Strich gelungene Veranstaltung. Gastfreundschaft und organisatorisches Geschick waren jederzeit spürbar. Wohltuend auch die Wirkung des Hinweises auf den Dress Code. Das Ergebnis konnte sich nicht nur bei der Damenwelt sehen lassen. Nachahmenswert!

Geschrieben am 11.12.2014 von admin

Agentur(Völker) höret die Signale

Seit Jahren wird wortreich über die Pitch-Praxis zahlreicher Unternehmen und Behörden lamentiert: unprofessionelle Briefings, Massenausschreibungen, undurchsichtige Entscheidungen, unfaire Tricksereien, Ideenklau, unbezahlte Präsentationen, reine Schreibtischvorlagen usw. Die Wellen der Erregung gehen immer mal wieder hoch, Verbandsmitglieder aller Couleur schwören sich, kein Pitch ohne Honorar, was leider nicht das Papier wert ist, auf dem es steht. Einige Agenturen stellen intern strenge Regeln auf, nach denen sie an Wettbewerben teilnehmen. Aber im Kampf von David gegen Goliath haben die Agenturen leere Hände. Wo steckt diese verdammte Steinschleuder?

Neu: Zentrale Meldestelle für unsaubere Pitches

Die GPRA Gesellschaft PR-Agenturen e.V. hat eine naheliegende Idee realisiert und den pitchblog.de online gestellt. „Auf Initiative der Gesellschaft der führenden PR-Agenturen (GPRA) hat die Rechtsanwaltskanzlei IRLEMOSER LLP diesen Blog ins Leben gerufen. Er setzt sich mit den Besonderheiten der gängigsten aller Auftragsvergabemethoden – dem Pitch – auseinander. Pitchblog.de ist für die gesamte Kommunikationsbranche gedacht, von der PR über Werbung bis zur digitalen Kommunikation“, so der O-Ton auf der website. Handeln statt Jammern! Ein Kommunikationsverband schreitet mutig voran und versucht sich zu wehren. Mit den bewährten Mitteln von Öffentlichkeit und Transparenz – eine Art von Stiftung Warentest für Agentur-Pitches.

Zitat: „Zu diesem Zweck will Pitchblog.de auch als Sprachrohr und Plattform zum Dialog dienen und Branche, wie Öffentlichkeit für die Bedeutung regelgerechter Pitches sensibilisieren. Pitchblog.de setzt sich für das Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung, den Schutz guter Ideen und marktfähiger Konzeptvorlagen ein. Es geht um Fairness, Transparenz und Chancengleichheit.“ Auf facebook gibt es schon länger https://www.facebook.com/pitchetiquette?fref=ts eine ebenfalls sehr positive Initiative, aber doch mehr eine „Meckerecke“.

Natürlich sind die Agenturen selbst schuld

Das beruht auch auf der normativen Kraft des Faktischen wie der Jurist an dieser Stelle sagt, vulgo es ist das Ausspielen von (Markt-)Macht. Wie zu allen Zeiten, wie überall auf der Welt. Jede Agentur kämpft für sich allein, jeder Pitch spielt sich hinter verschlossenen Türen ab. Auf dem Arbeitsmarkt führte das im Mittelalter zu der Gründung der Zünfte und im 19. Jahrhundert zur Gründung von Gewerkschaften. Die Kleinen organisieren sich und bilden eine Gegengewicht. Im Internet-Zeitalter sorgt man für Transparenz und organisiert sich über das Netz!

So funktioniert der Online-Pranger

Im Schutz der Anonymität können Agenturen nun negative, aber auch positive Beispiele von Ausschreibungen einreichen. Einreichungsstelle ist die Rechtsanwaltskanzlei IRLEMOSER in Berlin. Dort werden die Unterlagen nach bestimmten Kriterien geprüft: „Ein „Good Pitch“ verfolgt klare, transparente Ziele bei der Vergabe und Abwicklung. Die Chancengleichheit ist sichergestellt. Ein „Foul Pitch“ liegt vor, wenn:

  • die Ausschreibungskriterien nicht sachgerecht sind
  • das Verfahren oder die Vergabeentscheidung intransparent oder unfair sind
  • oder sogar erhebliche Zweifel daran bestehen, dass der Auftraggeber an der ernsthaften Ausschreibung eines Projektes und der anschließenden Auftragsvergabe an die bestgeeignete Agentur interessiert ist.“

Soweit der Originaltext. Danach folgt eine Überprüfung nach einem transparenten Verfahren:

Analyse und Bewertung der Ausschreibungsunterlagen durch die Kanzlei IRLE MOSER LLP  nach festgelegten Kriterien, Recherchen durch die Redaktion, insbesondere Gelegenheit zur Stellungnahme durch die Beteiligten und eine sachliche Veröffentlichung des Falls auf Pitchblog.de

Kein „Schwarzes-Peter-Spiel“

Der Druck zu den manchmal bizarren, oft unsinnigen Ausschreibungen kommt aus den Einkaufsabteilungen, die Fachabteilungen sind lediglich Gefangene des Verfahrens. Nun hat es allerdings keinen Zweck, mit dem Finger auf die Einkäufer zu zeigen. Einerseits haben – zumindest in der Event-Branche – die Agenturen es auch an Aufklärung und Transparenz ihrer Leistungen fehlen lassen. Dies war übrigens die einhellige Meinung des Münchner Konvents. Darum bemüht sich zunehmend auch der FAMAB. Andererseits muß man auch betriebswirtschaftlich argumentieren, wie es in zahlreichen Beiträgen Prof. Dr. Hans Rück getan hat, indem er auf die TCO (Total Cost of Ownership) abstellt, zu deutsch die Vollkostenrechnung. Denn die internen Kosten der Ausschreibung fallen bei den Auftraggebern unter den Tisch. Außerdem geht es um die Rolle des Einkaufs, der sich häufig als „Drückerkolonne“ verhält, dabei eine wichtige Beratungsrolle im Beschaffungsprozeß spielt. Auch da könnten die Agenturen ansetzen.

Fazit

Nach dem alten Blücher-Prinzip von „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ sollten die Agenturen über Transparenz und Öffentlichkeit Druck aufbauen – oder doch zumindest vor unfairen Praktiken warnen – und andererseits auf Augenhöhe selbstbewußt und offensiv argumentieren. Eine ausdrückliche Einladung der GPRA geht an die die anderen Agenturverbände, wobei der GWA direkt gekniffen hat. Spannend wird sein, wie sich der FAMAB dazu stellt.

Geschrieben am 22.07.2014 von admin

Schöne Bescherung – ein satirischer Jahresrückblick 2013

Fangen wir mit etwas Positivem an – der Himmel ist uns nicht auf den Kopf gefallen und das Alien namens „Euro-Krise“ scheint uns nicht von unserem Kontinent vertreiben zu können. Am Ende eines Arbeitsjahres voll Adrenalin, 360°-Frust und Glücksmomenten, nach gefühlt 498 Arbeitstagen steht Ihr endlich nicht mehr so wahnsinnig unter Strom. Wie geht’s Euch, Ihr Ereignisschmiede und Traumverkäufer?

Mitteilungen des Standesamtes

Die Familie beklagt den Heimgang einiger ihrer engsten Angehörigen: die Insolvenzanträge die Messebaugesellschaften Ernst F. Ambrosius & Sohn gegründet 1873 GmbH (Altersschwäche) und KnaufKassel GmbH (nach drei Generationen ist das Erbe verfrühstückt), die Agenturen Panroyal aus Wuppertal (zu viele Geschäftsführer verderben den Brei) und Outstanding Solutions aus Dortmund (?) wanderten auf den Firmenfriedhof. Im Hinblick auf mickrige Margen, die bizarre Pitch-Praxis und chaotische Kunden ist das kein schlechter Ausweg.

Im siebten Himmel wähnen sich die Nürnberger DialogFeld Communication Group und die Hamburger Agentur vitamin-e. Sie gaben sich im Oktober das Ja-Wort. Vermutlich ist es für beide eine Liebesheirat – aus Liebe zum Geld.

Heimlich still und leise wurde BBDO live nach der massenhaften Abwanderung von Mitarbeitern aus dem Register gelöscht und der Rest bei BBDO Proximity eingebracht. Nun haben beide größten deutschen Werbeagenturen (BBDO + GREY) keine Event-Tochter mehr.

Eine hübsche Geburtsanzeige veröffentlichte „Freudentanz – Netzwerk für Begeisterung“.

Neues aus Hybrid-City

Wuppertal ist nicht nur gebeutelt als Deutschlands größtes Regenloch, nein, es wurde im Jahre 1929 künstlich zusammengefügt aus den kreisfreien Großstädten Elberfeld und Barmen. Hybrid…da war doch was? Richtig, doch die Karawane ist schon weitergezogen! Unter Aufbietung modernster Fremdwörter hat sich VOK DAMS nunmehr auf „Live Campaigns“ verlegt. Wir hoffen inständig, daß die Mitarbeiter noch mit kommen. Und gebaut wurde auch: das Atelierhaus. Der President-General-Directeur? Oui c’est Monsieur Volkwart Dams (75).

Im Vorhof zur Hölle…

…vulgo ‚Ausschreibung‘. Regelmäßig quälen Zentraleinkäufer der Automobilbranche ihre Dienstleister. Zum Beispiel für die IAA: Jenseits der glitzernden Karossen und blinkenden Shows gab es eine Menge Beulen – in den Kassen der Veranstaltungstechnik-Unter-nehmen. Die Full-Service-Dienstleister werden von kleinen Technischen Planungsbüros und Dry-Hire-Unternehmen in die Zange genommen. Nach zwei Preisrunden mit dem Einkauf setzt die Schnappatmung ein. Wie kann man sich wehren gegen den Mißbrauch von Marktmacht und ruinösem Preiswettbewerb? Der Hammel führt den Metzger selbst zur Schlachtbank, oder was? Wo drücken sich eigentlich der FAMAB und der vplt herum?

Die 3 Affen grinsen sich eins – nichts hören, nichts sehen und ja nicht drüber sprechen.

Eventmanager des Jahres

Niemand befriedigt unser tiefsitzendes Bedürfnis nach Ordnung und Rangfolge so wohlig wie Peter Blach. Er kürt alles, was sich irgendwie zählen und bewerten läßt. Als Ranking, Award und mit der Königsdisziplin „Event-Manager des Jahres“. Urteil der Jury: Keiner schwenkt das Weihrauchfaß so gekonnt wie Ranking-Peter!

Geschrieben am 24.01.2014 von admin

ADAM + EVA-Awardshow – von Glückspilzen und Pechvögeln

Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB die Oscars der Live-Kommunikation – EVA für ausgezeichnete Events und ADAM für excellente Messestände. Die Messestadt Leipzig war diesmal Schauplatz und damit ging die Sonne der ADAM + EVA-Awardshow zum ersten Mal im Osten Deutschlands auf. Laut, bunt und rockig ging es in der gigantischen Glashalle auf dem neuen Messegelände vor ca. 900 Gästen zu. Die Glücksgöttin Fortuna leerte wohl ihr gesamtes Füllhorn über die ausrichtende Berliner Agentur insglück aus, die sich nicht nur über einen gelungenen Abend, sondern auch über zwei goldene und zwei silberne Event Awards freuen durfte.

adam-eva-award-buehne.jpg
Foto: Henning Stein

 

Life is live

Das Konzept der Preisverleihung war im Gegensatz zu den Vorjahren etwas schlichter und basierte auf Show-Elementen wie Live-Musik und Special Effects. Das rockte und groovte, verlieh der zweistündigen Show genügend Schwung. Die wohl schwierigste Veranstaltung des Jahres wurde von Chris Guse und (aus der Nominee-Lounge) Aljoscha Höhn moderiert. Der hatte sich bereits im Vorfeld als „rasender Reporter“ in den nominierten Agenturen und auf den Strassen von Leipzig getummelt. Beide lösten ihre Aufgabe betont locker und amüsant. Auf der Bühne verzichtete Chris Guse klugerweise in den Interviews auf jede Fachsimpelei, beschränkte sich auf eine Conference.

Das Bühnenbild bestand aus beweglichen Projektionssegeln und einer zentralen Showtreppe. Die gesamte Breite der Bühne wurde mit Mood-Bildern bespielt. Integriert waren links und rechts die Felder für Video- und Kamerabild. Das Set war einem Theater nachempfunden, das Publikum saß aufsteigend auf einer Tribüne, eingerahmt von bauseits vorhandenen Raumteilern. Sensationell der von Neumann & Müller verantwortete Sound in dieser akustisch schwierigen Location.

Sintfluten aus Konfetti

Als Opener gab eine Tanz-Performance in LED-Kostümen, garniert mit Special Effects, die Tonalität des Abends vor. Die Dramaturgie der Preisverleihung in 13 Kategorien erinnerte an bekannte Formate von BAMBI bis GOLDENE KAMERA. Das war sauber, bot allerdings auch wenig Überraschendes. Die Mechanik der Gewinnerkür aus drei nominierten Projekten war wenig originell durch Öffnung des ominösen Briefumschlag von einem Jury-Mitglied geregelt. Währenddessen zeigte die Video-Projektion einen Vierer-Split (Bühne plus drei Nominierte in der Lounge im Backstage-Bereich). Nach der Verkündung schritten die Sieger vorbei an einem Spalier von Live-Musikern die Treppe hinab. Etwas stiefmütterlich wurden die zweiten und dritten Plätze behandelt, die kaum beachtet auf der Bühne herumstanden.

Böse überrascht wurde das Publikum zu Beginn und am Ende der Awardshow durch wahre Sintfluten von silbernem und goldenem Flitter. Das drang bis in die Tiefen der Unterwäsche, war wenig umweltbewußt und hinterließ der Putzkolonne eine wahre Herkulesaufgabe.

Glückspilze und Pechvögel

Wer oder was hat gewonnen? Ein Trend oder ein innovatives Event-Format waren nicht erkennbar. Business as usual auf hohem Niveau. Einen erfolgreichsten Kunden gab es diesmal nicht zu vermelden – vier Automobilhersteller und BAYER lagen auf gleicher Höhe. Mit 3x Gold, 4x Silber, 4x Bronze, sprich einem Drittel aller Auszeichnungen war die erfolgreichste Branche (wie immer) der Automobil-Sektor. Überraschend ging BMW diesmal leer aus. Dagegen hatte die BAYER AG selbst eingereicht und gewann mit ihren Jubiläumsprojekten Silber und Bronze.

Unter den Architekten ragte diesmal niemand heraus. Ambrosius Messebau freute sich über 2x Gold. Die mit Abstand erfolgreichste Agentur war wie erwähnt insglück aus Berlin mit je 2x Gold und Silber. Auffallend, daß VOKDAMS diesmal trotz Einreichungen leer ausging. Viermal Bronze und damit echt „glücklos“ schnitt dagegen facts+fiction ab, eine der deutschen Kreativschmieden. Wie man einen dritten Platz feiern kann, zeigte die große Truppe von Pure Perfection aus Wiesbaden – das war Freude pur.

Don’t worry be happy

Die Award-Kategorien offenbaren weiterhin Schwächen, Überschneidungen von Consumer und Public Events liegen in der Natur der Sache. Doch einige Projekte sind nach allen gängigen Definitionen KEINE Events, sondern Promotion, zu deutsch Verkaufsförderung. Besonders krass trat dies in der schwammigen Kategorie „360°-Events“ ausgerechnet beim Sieger OLYMPUS zutage: sogar im Off-Text ist zweimal von einer Ausstellung die Rede. Nebenbei ist der Begriff ziemlich unsinnig.

Peinlich oder nur unglücklich die Kür in der Kategorie „Event-Catering“. Hier gab es lediglich ein nominiertes Projekt, das von zwei FAMAB-Mitgliedern für eine Eigenveranstaltung des FAMAB eingereicht wurde und – ja, mit Gold bedacht wurde. Es gab zwei weitere Einreichungen mit Niveau und es bleibt das Geheimnis der Jury, warum sie nicht nominiert wurden. Da wird das Procedere zur Farce. Das hinterläßt ein Geschmäckle, um im Bild zu bleiben. Dieses Urteil bezieht sich wohlgemerkt nicht auf die Catering-Leistung, sondern nur auf das Verfahren.

Ungereimt der Umgang mit dem Projekt iLUX, das in zwei Kategorien eingereicht bzw. angenommen wurde. Ungereimt auch die Nominierung von vier Projekten in der Kategorie „Public Event“, während beim Eventcatering nur eines vor den Augen der Jury Gnade fand.

Unverständlich (bei dem hohen eigenen Anspruch) die fehlende Kategorie „Green Event“. Ungerecht seit Jahren die hohe Teilnahmegebühr von 90 Euro für Studenten.

Insgesamt sollte der FAMAB die Kategorien beim geplanten Relaunch für 2014 genauer definieren und auch über sein Verständnis von Event – oder besser Live-Kommunikation – nachdenken.

Alles in allem – eine geglückte Veranstaltung unter schwierigen Bedingungen und mit sehr engagierten Dienstleistungspartnern (Sponsoren). Ein Event, mit dem alle Beteiligten happy sein können, auch wenn es schon bessere gab. Wir freuen uns auf 2014 wieder in Leipzig? Übrigens eine phantastische Stadt, für die man sich Zeit nehmen sollte!

Geschrieben am 17.11.2013 von admin

IAA 2013: Temporäre Markenwelten und automobile Träume

Immer Alles Ausgebucht – so kann man IAA auch übersetzen. In ganz Deutschland ist nicht eine einzige (hübsche) Hostess zu buchen – sie sind alle in Frankfurt. Gleiches gilt für LED-Module, Scheinwerfer und Lautsprecher.

Die IAA präsentiert sich wieder einmal als Gegenentwurf zur klassischen Werbung: als automobilstes und unmittelbarstes Markenerlebnis! Mittendrin statt nur dabei! Interaktiv, dialogisch, für viele Besucher elektrisierend. Für die Macher dagegen ein Kraftakt und nicht unbedingt immer ein Geschäft.

Der generelle Eindruck

Montags um 10 Uhr herrscht bereits ein riesiger Andrang. Das Publikum ist jung und international. In 11 Hallen und im Freigelände die übliche Materialschlacht: jede Menge erotisch geformtes Blech und drum herum State-of-the-Art-Veranstaltungstechnik. Alles vom Feinsten! Die wichtigste Leistungsschau der Automobilindustrie, glänzend in Szene gesetzt von der Creme deutscher Agenturen, Messebauer und Technik-Dienstleister. Die meisten Stände waren bereits 2011 zu sehen, Ford und Opel haben sich etwas Neues einfallen lassen. Auffällig wenig Live-Elemente, die „Hupfdohlen“ haben ausgetanzt. Die volle Konzentration galt den Fahrzeugen. Social Media-Angebote allerorten.

Die wichtigsten Messestände

1. Audi – der Spiegelpalast

Die Audi AG bebaut wieder die Agora. Man reibt sich die Augen: war der „Audi-Ring“ von 2011 noch ein kühner Wurf, ein spektakulärer Baukörper mit einer unregelmäßigen, geschwungenen Außenhaut, so steht man jetzt vor einem wenig einladenden, weiß-silbrigen Schuhkarton.

Das Konzept von „Eine Stadt steht Kopf“ erschließt sich dem Besucher nicht – die Überkopf-Baukörper im Look der Potsdamer-Platz-Hochhäuser sind originell, aber lenken vom Produkt ab. Ein bebauter Luftraum, aber sonst? Verspiegelte Decken und Wände. Sehr sachlich, statisch, geradezu klinisch wurde die neuesten Audi-Modelle vorgestellt. Gegenüber 2011 ein Rückschritt in vielerlei Hinsicht.

2. Mercedes-Benz – der Automobil-Tempel

Wer die Festhalle betritt, betritt eine Kathedrale, den Marken-Tempel des Erfinders des Automobils: eine atemberaubende Architektur, eine grandiose Inszenierung. Dramaturgie und Szenographie dienen nur einem einzigen Zweck: hier geht es um Bekehrung.

Die vier Welt-Premieren werden in einem licht-durchfluteten medialen Umfeld vorgestellt. Dazu hat Mercedes-Benz eine fahraktive Bühne in zwei Ebenen geschaffen. Der Auftritt der Marke ist ein Gesamtkunstwerk, das auch durch die musikalische Bespielung glänzt. Fahrzeug-Choreographie, der geradezu wagnerianische Soundtrack und die kompri-mierten Texte sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Ganze wirkt dennoch ein wenig kühl, im Kern ist Mercedes eine Ingenieurs-Marke. Am Ende fällt ein purpurroter Theatervorhang über die LED-Wände – ein erhabener Moment, der die kühle Distanz etwas reduziert.

3. VW-Konzernhalle – der Flagship-Store

Der VW-Konzern ist in der Halle 3.0 geblieben. Wählt man den Eingang links, wähnt man sich in einem überdimensionierten Autohaus, der Eingang rechts hat etwas von einem Hintereingang. Der Konzern mit den vielen Marken präsentierte sich nach dem alten Kaufhof-Motto „Alles unter einem Dach“ (bis auf Audi), was auf Kosten der Eigenständig-keit und Wirkung geht. Eine perfekt ausgeleuchtete Großraum-Disco, denn unvermittelt ertönt ein Techno-Sound, der an der zentralen Information von einer DJane live gemixt wird. Ansonsten ein akustisches und optisches Trommelfeuer von Porsche, Seat, Bentley, Bugatti und Skoda. Die Konzernhalle ist kosten-effektiv, aber nicht marken-gerecht. Ein Balance-Akt, den die Marketing-Abteilungen wohl verloren haben.

Allein VW selbst hat Raum zur Entfaltung. Dem New Beetle  gönnt man eine marken-affine Szenerie, alle anderen Modelle werden sauber gestellt und ausgeleuchtet. Wie man mehrere Marken unter einem Dach präsentiert, demonstriert die BMW Group.

4. BMW – das Freudehaus

Das Entree zur Halle 11 gehört Rolls Royce, sehr distinguiert, very british. Schräg gegenüber Mini: interaktiv und bunt – NOT NORMAL so das Ausstellungs-Motto – ein konsequenter Markenauftritt, der einfach nur Spaß macht.
Dann öffnete sich die Welt von BMW…. Eine umlaufende Fahrbahn kreuzt die Halle in luftiger Höhe. Die automobilen Highlights, der neue X5 und der elektrische Stadtflitzer i3, werden in einer fahr-aktiven Show präsentiert. Dramaturgie, Action und Leidenschaft vermischen sich zu einer dynamischen Komposition aus Mensch, Maschine, Musik, Licht und Video-Clips. Die Panorama-LED-Wand und die mobilen LED-Module auf der Bühne sind die reine Augenweide. Gestochen scharfe Bilder und High-Class-Videos, die moderne Urbanität und „Unendliche Fahrfreude“ ausdrücken. Die ganze Halle ist in verschiedene, durch Treppen verbundene, Ebenen aufgeteilt. Klar gegliederte Themenbereiche erleichterten die Orientierung. Ein szenographisches Schmankerl.

Geschrieben am 16.10.2013 von admin