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Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2016

Event, EventDie Eventisierung aller Lebensbereiche war auch im abgelaufenen Jahr nicht aufzuhalten. Zu den neuen Stilblüten gehört zweifellos der Schüttelreim einer Hamburger Agentur, mit der sie ihr 5-jähriges Bestehen anzeigte. Da hoffen wir doch inständig, dass nicht die eigene Hütte abgefackelt ist. Hier meine Flops und Tops des Jahres.

Amtliche Bekanntmachungen

Geburtsanzeigen: ein Agentur-Baby erblickte in Hamburg das Licht der Welt und sein erstes Wort war moin.

Hochzeiten: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit schlossen den Bund für’s Leben die technischen Dienstleister kfp aus Frankfurt und die US-Firma PSAV, beide aus der Familie, die in 5*Sterne-Hotels die Technik streichelt. Romantisch, wie wallstreet:online die Verbindung kommentierte: „The transaction strengthens PSAV's leadership position in Europe by adding a highly talented team with strong customer and venue partnerships, while providing KFP the opportunity to enjoy the benefits of global scale and innovative technology.” Now you should kiss the bride.

Ebenfalls ohne Blitzlichtgewitter fusionierten zwei Töchter der amerikanischen Dry-Hire-Company VER: Die ehemalige MEDIA IN RES aus Braunschweig und VER Deutschland aus Offenbach. Also, die Amis sind echte wedding planner.

Nico Ubenauf von satis & fy hielt um die Hand von Peter Nellen‘s Tochter lightcompany an. Wohl keine Liebesheirat, mehr eine Vernunftehe.

Trauerfälle: Auf dem Firmenfriedhof ruht nun die Wiesbadener Agentur brandbelow, Agentur für Direkte Kommunikation GmbH.

Auch Gräfin Hardenberg hatte mit Hardenberg Consultum einen Trauerfall zu beklagen. bunte.de rühmt sie als Event-Managerin, die Berlin salonfähig gemacht habe. Bunte, weißt Du denn nicht, dass Event-Manager ein Schimpfwort ist?

Und Kalle Krause aus Essen strampelt noch. Vielleicht ziehen sie sich wie weiland Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf.

Let me entertain you

Über den Umbruch bei Event-Agenturen berichtete die Welt am Sonntag unter der Überschrift „Die Partymacher der Nation“, unter den Autoren ein gewisser J. Dams. Aber nicht nur die Pleiten der Branche in den letzten Jahren werden in diesem Artikel genüsslich durchgekaut, sondern unsere grossen Drei als Partymacher bezichtigt: Avantgarde, VOK DAMS und Uniplan.

Die Sündenfälle der Kunden kommen ebenfalls zur Sprache: Alicia Keys zur Einführung der S-Klasse von Mercedes-Benz, Robby Williams Blitzkonzert bei VW mit genau vier Songs.

Nachdem unsere Branche schon die Titelseite der BILD zierte, müssen wir uns nach diesem Artikel keine Gedanken mehr machen, warum uns einige Kunden als Laufburschen betrachten. Die schönsten Eigentore schiessen wir allerdings selbst:

Werbung
In die Diskussion um VW’s Abgas-Skandal platzte guestone  mit dieser originellen Werbung.

 

Der Sternenhimmel über Deutschland

Nun leuchtet ja gerade wieder ein Stern über Bethlehem, um den Königen aus dem Morgenland ein „Hotel“ anzuzeigen. Ein Stern ist ein Stall, fünf Sterne ein Luxus-Hotel. Auf diese Klassifizierung kann man sich nicht mehr in jedem Fall verlassen. Ein Viertel aller Hotels einer 1.000 Betriebe umfassenden Stichprobe werbe mit abgelaufenen oder sich selbst vergebenen Sternen. Diesen Vorwurf der Sendereihe „ZDF zoom“ hat der Hotelverband DEHOGA bestätigt. Auch Wochen nach der Ausstrahlung der Sendung warben 189 der 251 vom ZDF entdeckten Hotels unberechtigt mit Hotelsternen.

Agentur des Jahres

Meine subjektive Wahl fällt auf facts and fiction aus Köln. Mit grösster Selbstverständlichkeit engagiert man sich für die Schwachen in der Gesellschaft, die Nachbarschaft, die Natur, junge Menschen, die eigenen Mitarbeiter und ihre Familien. Sie nennen das „Verantwortung übernehmen“. facts and fiction unterstützt seit vielen Jahren die RheinFlanke, so unter anderem das Projekt „Köln kickt“, zuletzt mit dem Social-Film "Ins Leben". Sie helfen mit Arbeitsleistung und Barem. Kölner Kinderheime, der Mukoviszidose e.V. und der Landesverband Lebenshilfe NRW, für den sie die WM der Menschen mit Behinderungen ausrichteten. Ein Vorbild in dieser von Gier vergifteten Zeit.

Die Nachricht des Jahres

Aus Raider wurde Twix, aus Condor wurde Thomas Cook, diese und andere Namenswechsel haben wir gelernt. Und nun das: aus Roth & Lorenz wird follow red. Die Stuttgarter Agentur traut sich was, 30 Jahre als Roth & Lorenz und jetzt ganz hip im Stil eines Start-ups.

Warum ausgerechnet follow red? Vielleicht weil Simply Red schon vergeben ist? Wie auch immer, Rotkäppchen, Uniplan, VOK DAMS und die Event-Agentur Rothfabrik klatschen sich ab und vor Begeisterung auf die Schenkel. Eines ist mal amtlich, ab sofort sind Rothaarige bei Stellenausschreibungen klar im Vorteil.

Keep on rockin‘

Geschrieben am 05.01.2017 von admin

Ein fulminanter Spagat

HEK-Cover.pngNeuerscheinung: Handbuch Erlebns-Kommunikation von Ulrich Wünsch (Hrsg.) Man durfte gespannt sein, was Ulrich Wünsch als Mastermind mit einer illustren Schar von Theoretikern und Praktikern der sog. Live-Kommunikation zu Papier bringen würden. Um es vorwegzunehmen – es gereicht jeden Bücherschrank zur Zierde, ein intellektuelles Lesevergnügen mit persönlichem Erkenntnisgewinn.

In seiner Eigenschaft als Gründungsrektor der Berliner SRH Hochschule der populären Künste (hdpk) und als Initiator des „Qualitätszirkels Veranstaltungs- und Eventstudium“ kann man Ulrich Wünsch als einen Schrittmacher der theoretischen Durchdringung unseres Metiers bezeichnen.

Bereits sein 2007 vorgelegtes „Handbuch Eventkommunikation“ stellt eine gelungene Mischung von theoretischen Implikationen und Best Practice dar. Diese Blaupause wurde nun perfektioniert. Die 34 z.T. internationalen Autoren des „Handbuch Erlebnis-Kommunikation“ (der Rezensent verzichtet auf eine Würdigung des neu in den Diskurs eingebrachten Begriffs) nehmen den Leser mit auf eine Reise durch fast alle denkbaren Themen von Messen/
Ausstellungen und Veranstaltungen. Beiträge von Unternehmensvertretern bzw. Auftrag-gebern, Dienstleistern, Agenturen, Architekten, Regisseuren, Juristen, Hochschullehrern, Verbänden sorgen für eine Tour d’Horizon, die in Atem hält. Ein Buch, das zwar einen roten Faden aufweist, aber das man sicher nicht chronologisch liest.

Aktuelle Fallbeispiele aus Sport, Kultur und Corporate Events werden vorgestellt, politische Aspekte von öffentlichen Veranstaltungen beleuchtet. Das Themenspektrum reicht von Event Design und Eventmanagement, Architektur bis hin zur Vernetzung von Live- und Digitaler Kommunikation. Kulinarik fehlt ebenso wenig, wie Nachhaltigkeit, Veranstaltungstechnik, Compliance und Markenführung. Das letzte Kapitel ist der akademischen Ausbildung gewidmet, wo im letzten Jahrzehnt durch zahlreiche private Bildungsträger ein undurch-sichtiger Wildwuchs entstanden ist, der die Qualität des Curriculums und der Lehre gewiss nicht gefördert hat.

Fazit: Der Spagat zwischen Theorie und Praxis, zwischen verschiedenen Formen der Erlebniskommunikation und wichtigen Spezialthemen ist vollauf gelungen. Ein neues – vor allem wissenschaftliches – Standardwerk betritt die Bühne der Fachliteratur, spannend selbst für erfahrene Praktiker, eine Pflichtlektüre für Lernende.

Ulrich Wünsch (Hrsg.): Handbuch Erlebnis-Kommunikation, Grundlagen und Best Practice für erfolgreiche Veranstaltungen, 2. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2016,393 Seiten, kartoniert, € 49,95

Geschrieben am 22.02.2016 von admin

Schöne Bescherung – Heiter-ironischer Jahresrückblick 2015

Ganter-600x800.jpgDie Eventisierung aller Lebensbereiche war auch im abge laufenen Jahr nicht aufzuhalten. Zu den besten Stilblüten gehört zweifellos Event-Brauereiführung.

So lockt die abgebildete Bier-Nixe der Freiburger Brauerei GANTER arglose Biertrinker in ihr Etablissement. „Das Brau-Erlebnis der Brauerei GANTER bietet weit mehr als nur eine Besichtigung der Brauerei Bei unseren Event-führungen erleben Sie das Brauwunder mit allen Sinnen.“

Na denn Prost! Hier meine Flops und Tops des Jahres.

Mitteilungen des Standeamtes

Geburtsanzeigen: einige Agentur-Babies erblickten das Licht der Welt – in Düsseldorf die kleine sphere. Sie hat zwei Väter, ebenso wie die kleine schlüsselerlebnisse aus Köln. Eine Hausgeburt war eventsbyreichel in einem schicken Hamburger Loft. Ich hoffe, daß alle drei schnell laufen lernen und sich nicht zu sehr mit den anderen Kindern zoffen.

Standesamtsschild1-Bubo-e1450172643134.jpgHochzeiten: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit schlossen den Bund für’s Leben die Agenturen vertikom und Team Promotion Düsseldorf. Die Nürnberger Großfamilie beschäftigt sich mit Live-Kommunikation, Digital, Sales, PR und jetzt auch mit Promotion.

Dagegen war das Blitzlichtgewitter bei der Eheschließung von PRG und XL Video unübersehbar. Die Liebeserklärung klang recht verschwurbelt, es war wohl eine echte Liebesheirat – aus Liebe zum Geld.

Löschungen: Auf dem Firmenfriedhof ruht nun intergerma, einer der ältesten Tagungs-spezialisten in Deutschland. Unsterblich geworden durch das dick-leibige, aber geniale Handbuch.

Standing Ovation

Die gleichnamige Schweizer Agentur zeigt mit wenig Wortgeklingel, dafür reichlich Marketing-Expertise, wie sie ihre Arbeit versteht und was sie eigentlich genau tut. Im EXPODATA-Interview bekennt Agentur-Gründer Michael Dancsecs „Wir wollen bewegen und verzaubern“. Ist das nicht eine wunderbare Liebeserklärung an unser Metier? Seine lesenswerten Erläuterungen, was Live-Kommunikation heute bedeutet und wie man sich als Agentur positioniert sind in ihrer Klarheit und Logik vorbildlich. Nomen est omen.

Let me entertain you

Das altehrwürdige Bankhaus Berenberg (gegründet 1590) ließ bei einer Betriebsfeier wie in den guten alten Zeiten die Puppen tanzen. Eine Puppe hieß Robbie Williams. Pecunia non olet dachte der sich gewiß, zumal er sich zurzeit mehr um seine Familie als ums Musikgeschäft kümmert. Der Chef der Bank wollte (Zitat) „unseren Mitarbeitern einen unvergeßlichen Abend bieten, eine einmalige Überraschung“. Die Kunden werden angesichts der Millionen-Gage für den Künstler aufhorchen. Und irgendwie lebt man bei den Berenberg’s wohl noch immer in einer Parallelwelt.

Dem Zorro seine Schwester

Event-Zora-570x408.jpg...ist in Köln aufgetaucht. Event-Zora nennt sie sich, eine ziemliche freche Göre, die der Branche ganz unverblümt den Spiegel vorhält. Sie ist „Volontärin“ beim EventPartner und hebt sich wohltuend ab von der sonstigen Hofberichterstattung.

Die Nachricht des Jahres

...bescherte der FAMAB in seiner Pressemitteilung. „Mit 97 % Zustimmung wird – nach langen Diskussionen im Vorfeld – eine Umbenennung des Verbands von FAMAB Direkte Wirtschaftskommunikation e.V. in FAMAB Kommunikations-verband e.V. beschlossen. Plus: Der Claim wird geändert in „Integrated Brand Experiences“. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Disziplinen in der Live-Kommunikation immer mehr verschwimmen.“ Willkommen in der Marketing-Wirklichkeit, FAMAB, ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet.

Weihrauch über Wuppertal

Wuppertal ist ja nicht nur eine regenreiche Region, sondern liegt auch häufig im Nebel. Das hat sowohl meteorologische als auch literarische Gründe, denn ab und zu wabern Schwaden von Weihrauch durchs Tal der Wupper. Ihren Ursprung haben sie bei den PR-Strategen, die in der Katernberger Straße residieren.

Katernberger-strasse.jpgDie neu geschaffene Statistikabteilung wurde technisch aufgerüstet, um alle Rekorde, Projekte, Awards, Mitarbeiter und Standorte der letzten 40 Jahre zu zählen, zu wiegen und zu vermessen. Und zu einem Loblied auf Volkwart Dams und die Seinen zu verwursten. Mit der deutschen Sprache klappt es nicht immer so ganz, wie das Markenversprechen beweist „Wir leben Events und Live-Marketing und wir lieben sie.“

Glaubst Du nicht, guckst Du hier. Man liest es ein zweites Mal und wird vor Ergriffenheit ganz still. Ich nehme mir vor, das Feuilleton der FAZ zu benachrichtigen. Dann schicke ich den Claim durch den Slogan-Rekombinator und lande auf dem Boden der Tatsachen - Opel plus Condor spuckt er aus.

Ich bin furchtbar enttäuscht, ich meditiere und habe einen Geistesblitz! Es ist schneller, es ist härter, es ist größer – VOK DAMS. Das Event.

Und jetzt freu ich mich auf Weihnachten, es duftet überall so gut. Die Heiligen 3 Könige sind schon unterwegs. Sie bringen Geschenke: Gold, Myrrhe und – Ihr ahnt es schon -
Weihrauch. Vielleicht machen sie ja einen Abstecher nach Wuppertal.

Frohes Fest! Keep on rockin‘

Geschrieben am 15.12.2015 von admin

Woran erkennt man eigentlich gute Weiterbildung?

I.Wendt: Habe nun, ach! Management, Juristerei und Marketing,
Und leider auch Catering durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Bachelor, heiße Master gar und ziehe schon an die zehen Jahr
herauf, herab und quer und krumm meine Kunden an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen,
Quereinsteiger, Autodidakten und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Busfahrern noch Hostessen –
Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen.

Soweit Goethe’s Faust leicht abgewandelt. Lebenslanges Lernen gehört auch in der Event-Branche zu den Selbstverständlichkeiten einer professionellen Berufsauffassung. Doch wie so häufig sind wir Wissensriesen und Anwendungszwerge, denn der regelmäßigen systematischen Fortbildung der Mitarbeiter in Agenturen und bei Dienstleistern stehen finanzielle und praktische Hürden im Weg. Im Anschluß an die Umfrage von eveosblog.de zur Weiterbildung in der Eventbranche soll die Thematik aus der Sicht von Arbeitgeber und Arbeitnehmer beleuchtet und ein paar Entscheidungshilfen gegeben werden. Unter Weiterbildung verstehe ich hier die berufsspezifische Fortbildung – etwa zur Veranstaltungssicherheit – und nicht Rhetorik- oder Fremdsprachenkurse.

Der Tragödie erster Teil

Im Gegensatz zu Industrie und Handwerk leben Dienstleistungsbetriebe, speziell Agenturen, ausschließlich von der Produktivkraft ihrer Belegschaft. Die Produktivität unterliegt zahlreichen Einflußfaktoren, vorrangig aber der Qualifikation des Personals. Diese Befähigung besteht aus Komponenten wie akademische und berufliche Ausbildung, Berufserfahrung, soziale Kompetenzen sowie den sog. Soft Skills.

Die Investition in Maschinen ist eine pure Notwendigkeit, die Investition in die Mitarbeiter nicht ohne weiteres, wie die o.g. Umfrage nahe legt. Manche Verantwortliche haben halt ein Brett vor dem Kopf statt die Zukunft ihres Unternehmens im Blick. Abgesehen davon ist es natürlich eine Kostenfrage – neben den Seminargebühren und Reisekosten fällt insbesondere der Arbeitsausfall ins Gewicht. In Zeiten niedriger Margen und hoher Vertriebskosten (bizarre Pitches und Ausschreibungspraktiken) ist eine entsprechende Budgetierung schwierig. Trotzdem, es führt kein Weg an der Qualifizierung der Mitarbeiter vorbei. Höherwertige Leistungen erfordern dies, aber auch das Thema der Mitarbeiterbindung. Eine Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management in 2010 zum Einfluß einer aktiven Mitarbeiter-förderung auf Wechselverhalten und Zufriedenheit von Arbeitnehmern zeigt:

  • Die akute Wechselbereitschaft lässt sich signifikant senken durchregelmäßig angebotene Schulungen und Übungen und klar geregelte Aufstiegschancen.
  • Regelmäßige Schulungen und Übungen sowie klar geregelte Aufstiegschancen erhöhen die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich.
  • Je zufriedener ein Mitarbeiter ist, desto geringer ist seine akute Wechsel-bereitschaft.

Es handelt sich also um eine strategische Aufgabe, sprich Personalentwicklung! Und nicht um eine lästige Pflichtaufgabe. Schon gar nicht sollte man die Auswahl von Fortbildungen den Mitarbeitern allein überlassen. Gemeinsam sollte man den individuellen Bedarf analysieren und mittelfristige Ziele definieren.

Eine Möglichkeit, kosten-günstig und synergetisch fortzubilden, sind Inhouse-Seminare nach einem klaren Konzept. Ein Konzept, das man gemeinsam mit dem Weiterbildungsträger entwickelt. Das nach jedem Modul mit einer Lernkontrolle abschließt.

Der Tragödie zweiter Teil

Ok, wir sind wild entschlossen, uns weiterzubilden. Was gibt der Markt her? Eine ver-wirrende Vielfalt, nicht nur Seriöses und Sinnvolles. Vor allen Dingen wenig für Fortgeschrittene. Ein durchdachtes Seminarangebot findet man bei der IECA und bei der masterclass von Matthias Kindler sowie bei der Deutschen Event-Akademie. Ansonsten gibt es punktuell bei den üblichen Verdächtigen (IST, Studieninstitut für Kommunikation, ebam) interessante Themen. Aber darauf läßt sich kein Weiterbildungskonzept aufbauen.

Stellen wir also die Lidl-Frage „Woran erkennt man eigentlich ein gutes Seminar?“ Für alle Angebote gelten folgende Auswahlkriterien:

  • Eine detaillierte Seminarbeschreibung mit Zielgruppe, Themen, Zielen
  • Eine pass-genaue berufliche Vita des Dozenten/der Dozentin mit einer ausführlichen Beschreibung des Werdegangs
  • Qualitätssiegel und Zertifikate des Anbieters
  • Eine Spezialisierung, zumindest auf Kommunikation und Marketing
  • An Referenzen, Bewertungen durch Teilnehmer
  • An einem eigenen Qualitätsmanagement
  • An Informationen zur Erfolgskontrolle

Epilog

Die Investition in die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter ist ein Instrument zur Bindung bzw. zur Reduktion von Fluktuation. Lebenslanges Lernen ist das Gebot der Stunde in Zeiten eines intensiven Wettbewerbes und der Globalisierung. Internationalität und interkulturelles Wissen werden wichtiger. Soziale Kompetenz, Resilienz, Flexibilität und Improvisationstalent in Verbindung mit einer verinnerlichten Arbeitsmethodik (Projektmanagement) bilden das zukünftige Rüstzeug eines professionellen Eventmanagers.

Geschrieben am 23.11.2015 von admin

FAMAB Awards 2014 – Des Kaisers neue Kleider

Das Colosseum-Theater in Essen war der großartige Schauplatz für die Premiere der FAMAB Awards, runderneut und hervorgegangen aus ADAM + EVA, den Auszeichnungen für herausragende Events und Messestände. Das Colosseum ist die umgebaute, ehemalige 8. Mechanische Werkstatt der Friedrich Krupp AG. Sie war die Arbeitsstätte von rund 2.000 Menschen, die unter anderem Lokomotivrahmen und Kurbelwellen für Schiffe herstellten. Heute ist sie eine denkmalgeschützte Industriehalle.

Ausverkauft meldete der Veranstalter, leider riß der Lokführerstreik (sic!) einige Lücken ins Auditorium. Aber auch so drängten über 1.300 Gäste einer insgesamt gelungenen Veran-staltung zur „Bühne der Inspiration“, so das diesjährige Motto.

Bühne der Inspiration

Entzünden ließ sich die ausführende Essener Agentur TAS Emotional Marketing vom kulturellen Schmelztiegel des Ruhrgebiets und der renommierten Folkwang Universität der Künste, die zentrale künstlerische Ausbildungsstätte für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft. Seit 1927 sind hier – gemäß der Folkwang Idee von der sparten-übergreifenden Zusammenarbeit der Künste – die verschiedensten Kunstrichtungen und Disziplinen unter einem Dach vereinigt.

Die künstlerischen Protagonisten des Abends waren demzufolge Studenten der Hochschule, die die ganze Bandbreite künstlerischen Ausdrucks auf die Bühne zauberten. Allein der „Battle of Drums“ – ein Schlagzeug-Trio – lohnte das Kommen. Die Folkwang Show Band sorgte für musikalische Akzente und Untermalung der Preisverleihung.

Zahlreiche junge Nachwuchskünstler umrahmten das Programm, das von einem glänzend aufgelegten Aljoscha Höhn moderiert wurde. Das wohltuend schlichte Bühnenbild war dem Essener Wahrzeichen Zeche Zollverein nachempfunden.

In der Kürze liegt nicht immer die Würze

Die künstlerischen Einlagen, der Esprit des Moderators und der sympathische Auftritt von TAS-Chef Thomas Siepmann konnten allerdings kaum über die didaktischen Schwächen des Konzeptes hinwegtäuschen. Zweiundeinhalb Stunden Programm – mehr ist auch nicht zumutbar – reichten nicht aus, um die auf 17 (eigentlich 20) angewachsenen Kategorien der FAMAB Awards mit fast immer drei Nominierten angemessen darzustellen und zu würdigen. Der Masse an Preisträgern fiel die für das Publikum nachvollziehbare Dokumentation der Projekte leider zum Opfer. Bisher wurde jedes nominierte Projekt durch einen 3-minütigen Video-Clip vorgestellt, nunmehr waren es drei Minuten für alle Nominierten – mehr oder weniger gut aus dem Einreichermaterial zusammen geschnitten. Irgendwann setzte auch der Information-Overkill ein. Sehr bedauerlich und zu wenig Inspiration.

Glückspilze und Pechvögel

Wer oder was hat gewonnen? Der Abräumer des Abends war die Audi AG mit 2x Gold, 1x Silber und 2x Bronze. Die Automobilindustrie gewann wie 2013 ein Drittel aller ersten Plätze und ein Drittel aller Auszeichnungen. Die Fraunhofer-Gesellschaft gewann wie adidas Gold und Silber.

Unter den Architekten ragte diesmal Schmidhuber mit 2x Gold und 1x Bronze heraus. Die erfolgreichste Agentur war JungvonMatt mit 2x Gold. Auffallend, daß unter den kreativen Platzhirschen sich Atelier Markgraph mit Gold zurück meldete und VOKDAMS wieder leer ausging, Phocus Brand Contact mit Gold und Silber punktete und Pure Perfection sich zum dritten Mal hintereinander in den vorderen Rängen etablierte. Zwei Newcomer setzten Ausrufezeichen: Lieblingsagentur aus Krefeld (Gold + Silber für adidas) und onliveline aus Köln (Gold für Fraunhofer).

Die vorgestellten Projekte belegen das exzellente Niveau der deutschen Agenturen, Architekten, Messebau und Gewerke. Die Siegerprojekte zündeten manchmal sofort wie die „Rache des Champagners“ von JvM.

Lost in Translation

6. November 2014, 21:03 Uhr – das war er nun, der Relaunch der FAMAB Awards. Ich sitze etwas ratlos in meinem roten Theatersessel. In 15 Jahren hatte ich fast immer sofort eine klare Meinung, nur diesmal nicht. Die Inszenierung war gut, nicht überragend, doch mit dem Charme von „back to the roots“.

Es waren die neuen Award-Kategorien, die mir im Magen lagen. Blamabel die Tatsache, daß drei Kategorien ohne Nominierte blieben. Gab es keine Einreichungen oder waren sie zu schlecht? Es offenbaren sich bei genauer Betrachtung logische Schwächen, eine neue Unübersichtlichkeit und wie bisher schmerzliche Überschneidungen. Der Sieger in der Kategorie ‚Best Corporate Event‘ – electrified! Die e-Mobilitätswochen von Volkswagen – ließe sich mit gleicher Berechtigung auch als Public Event, als Consumer Event oder als Live-PR (ein völlig sinnfreier Begriff) einstufen.

Beliebigkeit ist Trumpf, wie zahlreiche Definitionen belegen, z.B. „Geht nicht gibt’s nicht“ ist das Leitmotiv für die Kategorie „Best Stand Inspiration“. Es prämiert innovative Stand-designs, die einen Überraschungseffekt garantieren und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“

Oder die Resterampe „Best Charity-/Social-/Cultural Event“. So heißt es auf der website „…dienen ausschließlich der Förderung eines gesellschaftlich relevanten Zwecks, die sich an die Öffentlichkeit und/oder Multiplikatoren richten und nicht der Absatzförderung. Beispiele dafür sind Fundraising-Veranstaltungen, Fan-Feste, Oper für alle Bayreuth.“

Logische Brüche? Bitte sehr: Unter der Oberkategorie CROSS würde man cross-mediale Kampagnen erwarten, deren Kern eine Veranstaltung ist. Weit gefehlt. Einzig die Unter-kategorie „Best Integrated Brand Campaign“ zielt darauf ab: „Ein überragend umgesetztes Markenerlebnis lebt auch von einer perfekten Vor- und Nachkommunikation und erzählt eine Geschichte. Die Best Integrated Brand Campaign hat es geschafft, eine Markenbotschaft über mehrere Kommunikationskanäle zu vernetzen und so in verschiedenen Dimensionen in Szene zu setzen.“ In der Ausschreibung hieß es noch „…mit Hilfe von Live-Kommunikation…“

Unter CROSS wird aber auch das subsumiert „Best Live-PR. Hier werden medien-übergreifende PR-Maßnahmen mit einem Live-Erlebnis verknüpft. Dies sind zum Beispiel inszenierte Pressekonferenzen.“ Warum läuft das nicht unter EVENT? Was hat eine „Interactive Installation“ unter CROSS zu suchen? Das wäre doch besser bei SPECIALS aufgehoben. CROSS ist die eigentliche Königsdisziplin und nicht ‚Corporate Event‘ (habe ich noch nie verstanden).

Nicht nachvollziehbar, daß eine „Green Idea“ die gleiche Wertigkeit genießt wie ein kompletter IAA-Messestand. Inkonsequent, warum der FAMAB sich mit der Idee begnügt, statt eine Kategorie „Green Event bzw. Stand“ zu schaffen. Insbesondere, da man das Banner der Nachhaltigkeit stolz vor sich herträgt.

Die Kategorien – in the middle of nowhere

Der FAMAB klebt teilweise an den Begrifflichkeiten der 90er, er orientiert sich zu sehr an Dingen, die produziert werden. Event, Eventmanager und Event-Agentur sind altbacken. Wir machen Markenkommunikation, wir müssen von der Marke her denken. Multi-Channel-Kampagnen sind im Consumer-Bereich selbstverständlich. Zahlreiche Mitgliedsagenturen des FAMAB und Nichtmitglieder beweisen das jedes Jahr auf’s Neue und auf’s Beste. Anders verhält es sich mit der Positionierung des FAMAB als „Verband für direkte Wirtschafts-kommunikation“ – das versteht kein Mensch und kein Marketeer. Sie entspricht auch nicht dem Selbstverständnis der Mitglieder. Die bekennen sich meistens zu Live-Kommunikation.

Ähnlich kritisch kann man an die neue Kategorie ARCHITECTURE herangehen. Warum taucht der Begriff ‚Szenografie‘ überhaupt nicht auf? Warum fehlen POS-Inszenierungen? Worunter fallen innovative Formen wie das Station Branding von H&M am Wiener Stephansplatz?

Wir müssen von Anwendungsfeldern und Branchen her denken. Wirtschaft, Sport, Kultur, Gesellschaft, Produktmarke, Unternehmensmarke, Launch/Relaunch etc. sind alles Kriterien für eine Kategorienbildung. Sorry, FAMAB, Du bist in der Marketing-Wirklichkeit noch nicht angekommen. Anders ausgedrückt, die Kategorien stehen ziemlich nackig da. Zum Trost, der ADC hat ebenfalls Schwierigkeiten wie Präsidiums-Mitglied Thomas Junk kürzlich befand: „Die ADC-Kategorien sind altmodisch.“

Fazit

Der Relaunch der Award-Kategorien ist nur teilweise geglückt. Definitionen, Logik und Wertigkeit müssen nachjustiert werden und es sind zu viele (Zeitproblem bei der Verleihung). Als Veranstaltung sind die FAMAB Awards gelungen, die Award-Show selbst und auch das Drumherum. Alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen haben ihr Bestes gegeben. Über den Rest müssen wir noch einmal reden.

Geschrieben am 28.01.2015 von admin