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Es ist ZEIT, Arbeit neu zu definieren (2 von 9)

Prolog: Vom Arbeitssklaven zum Mitunternehmer

In meiner Stammkneipe in der Düsseldorfer Altstadt verkündete Fernando, der Zappes, kurz vor Schließung des Lokals einst gutgelaunt „Wir sind unkündbar, Sklaven werden verkauft!“ An diesen Kalauer habe ich zu meinen Agenturzeiten hin und wieder denken müssen. Zum Glück haben sich seit den Sklavenmärkten im antiken Griechenland die Kräfteverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt drastisch verschoben.

Im Laufe der vergangenen 100 Jahre verliessen wir in Westeuropa die „Arbeitshölle“ von Hungerlöhnen, Ausbeutung, Arbeit bis zur Erschöpfung und Rechtlosigkeit. Schauen wir, mit Dankbarkeit im Herzen, wie das „Arbeitsparadies“ Gestalt annahm. Die Schutzrechte von Arbeitnehmern – Kündigungsschutz, Arbeitszeitgesetz, Betriebsrat, Mitbestimmung, bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung, Mindestlohn und nicht zuletzt der §4 der Europäischen Menschrechtskonvention von 1950 – bilden ein starkes Bollwerk gegen die Machtlosigkeit von „Arbeitnehmern“ früherer Epochen:

1. Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden.

2. Niemand darf gezwungen werden, Zwangs- oder Pflichtarbeit zu verrichten.

Da ist man einen Moment verblüfft, erst vor 70 Jahren wurde die Sklaverei in Europa verboten? Die meisten Leser und auch der Autor sind nach 1950 geboren, haben vielleicht den berühmten Sklavenroman „Onkel Tom’s Hütte“ gelesen. Auch die Ausbeutung von Arbeitern in den Industriefabriken des 19. Jahrhunderts fand in einem Land vor unserer Zeit statt. Gewerkschaften? Eine Selbstverständlichkeit! Tarifverträge? Ein Naturgesetz! Eine endlos lange Periode abhängiger Beschäftigung – entlohnt oder nicht entlohnt – wurde sukzessive durch Rechtsansprüche und die Gegenmacht der Gewerkschaften abgefedert.

Abhängig beschäftigt sind die meisten Menschen allerdings immer noch. Darunter versteht das Bundessozialgericht „Persönliche Abhängigkeit, das heißt Eingliederung in den Betrieb und Weisungsrecht des Arbeitgebers bezüglich Zeit, Dauer, Ort und Ausführung der Arbeit.“
Typisch für die Eventbranche sind aber auch freie Projektleiter und Techniker. Die Frage sei erlaubt, ist Freelance nicht eine höhere Form der Selbstausbeutung?

Also immer noch ohnmächtig, der Willkür des Dienstherrn ausgesetzt? Ja, ganz sicher ist das  Ausgeliefert-Sein (oder –Fühlen) in Unternehmen, Behörden und bei Auftraggebern eine verbreitete Realität. Doch das Tempo der Veränderung der Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt und in Betrieben ist atemberaubend. Man liest beinahe täglich von den Errungenschaften des „New Work“, vom Kulturwandel, vom Mitarbeiter als Markenbotschafter, vom Feelgood Manager. Woher kommt der Sinneswandel? Wohlmeinend könnte man vom Paradigmenwechsel in den Führungsetagen sprechen. Der Mitarbeiter wird nicht mehr als Kostenstelle betrachtet, sondern als  LEISTUNGSTRÄGER. Also Wertschöpfung durch Wertschätzung? Das ist noch ein langer Weg.

Wir sind dennoch mittendrin in der Revolution der Arbeitswelt. Eine neue Generation will sich selbst verwirklichen, etwas Sinnhaftes tun und Karriere, Familie und Freizeit unter einen Hut bekommen. Die Revolution hängt also mit dem Wertewandel in der Gesellschaft zusammen. Ja, vordergründig hat es mit dem Fachkräftemangel zu tun, knappe Güter steigen im Wert.
Der hintergründig treibende Faktor ist der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, an dessen vorläufigem Ende der Wissensarbeiter steht. Gerade in Agenturen treffen wir einen ihrer Prototypen: Er oder sie plant, sammelt Informationen, verarbeitet die Informationen zu Wissen und Gewißheit. Sie kommunizieren mit einer Vielzahl von Spezialisten und Stakeholdern, sie bilden die Knotenpunkte in einem fantastischen Netzwerk.
Und was ist mit der Digitalisierung? Die Digitalisierung ändert Herrschaftsverhältnisse! Zu beobachten ist die Parallele zu den Produktmärkten – Marken verlieren schleichend die Deutungshoheit über ihre Kommunikation. Im Büro nebenan sitzt dem hochnäsigen Arbeit-Geber von gestern beim Vorstellungsgespräch ein informierter, selbstbewußter Unternehmer in eigener Sache gegenüber. Merke: Bewerber sind keine Bittsteller!

Und noch etwas verändert die Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt: Die Transparenz durch Arbeitgeber-Bewertungsportale wie www.kununu.com, das mit 3,2 Millionen Bewertungen zu 851.000 Arbeitgebern wirbt (Stand Anfang März 2019). Das Internet beraubt sie der Unantastbarkeit und entreißt den bewerteten Unternehmen einen Teil ihrer (Betriebs-)geheimnisse. Nämlich was sie jenseits des monatlichen Gehaltsschecks zu bieten haben.

Weitsichtige Unternehmen, die es natürlich auch in der MICE-Branche gibt, sind bereits vor Jahren eine strategische Partnerschaft mit ihren Mitarbeitern eingegangen. Z.B. der 1981 gegründete technische Dienstleister Neumann & Müller: Teil der Firmenstrategie war von Beginn an, Verantwortung auf mehrere verlässliche Schultern zu verteilen. Aktuell zeichnen 45 aktive Teilhaber für den Kurs des Unternehmens verantwortlich. 2005 wurde das praxisbewährte Teilhaberkonstrukt durch das Verankern einer Nachfolgeregelung auf zukunftssichere Füße gestellt, so dass ein wie auch immer begründetes Ausscheiden von Teilhabern aus der Unternehmensgruppe den Bestand von N&M als Gesamtheit nicht gefährden kann. Neben den aktiven Teilhabern besteht auch für einen Teil der Mitarbeiter die Möglichkeit, sich am Unternehmen zu beteiligen und somit vom Erfolg zu profitieren.
(aus eventpartner 6/2011 S.46)

Auch Klaus Kobjoll, Inhaber des Hotel SCHINDLERHOF und Pionier in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit, betrachtet seine Mitarbeiter als Mitunternehmer. Schon frühzeitig hat Kobjoll durch verschiedene Massnahmen seine Mitarbeiter stärker ans Unternehmen gebunden. Eine Trumpfkarte ist Transparenz – die aktuellen Geschäftszahlen sind für alle Mitarbeiter zu jeder Zeit über eine App einsehbar. Diese Haltung gegenüber dem Personal zahlt sich jetzt aus, der SCHINDLERHOF hat keine Probleme, Auszubildende und neue Mitarbeiter zu gewinnen, wie diese BR-Reportage zeigt https://vimeo.com/221741029

Nachhaltigkeit ist aller Munde, doch sie ruht nicht nur auf der ökologischen Säule, sondern hat auch eine soziale Komponente. Menschen sehnen sich nach Respekt und Anerkennung, oder wie es der Volksmund ausdrückt „Behandle andere stets so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.“
 

 

 

Geschrieben am 08.03.2019 von admin

Es ist Zeit, ARBEIT neu zu definieren (1 von 9)

Vitra Museum Foto: privat

Wer hat sich diese Fragen noch nicht gestellt: Macht meine Arbeit noch immer Spaß? Ist es das, was man mir versprochen hat? Will ich das in fünf Jahren immer noch machen? Diese Zweifel beschleichen jeden von uns, oft geht diese Phase vorüber, manchmal jedoch nistet sich im Hinterkopf der zarte Wunsch nach Veränderung ein. Doch woran krankt es?

Aus dem „Gallup Engagement Index 2018“ geht hervor, daß lediglich 15 Prozent der Berufstätigen hierzulande eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen. Fast drei Viertel (71 Prozent) und damit der Großteil fühlt sich nur gering mit dem Unternehmen verbunden. 14 Prozent der Arbeitnehmer besitzen gar keine emotionale Bindung zum Unternehmen. Gallup

Wir verbringen fast ein halbes Leben mit Erwerbsarbeit. Daher lohnt es sich darüber nachzudenken, wie Zusammenarbeit – neudeutsch Co-Creation – zufriedenstellend, sinnstiftend, effektiv und effizient gestaltet werden kann. Und welche Anforderungen ergeben sich daraus für den Bereich Human Resources?

Die Artikelserie „How happy are you with your job?“ beschäftigt sich mit der Zukunft der (Zusammen-)Arbeit in der Eventbranche. Mit den Herausforderungen des sozialen, technologischen, kulturellen und ökonomischen Wandels, der alle Akteure der Veranstaltungswirtschaft betrifft, nein durchschüttelt. Dabei lassen das Bewußtsein hierfür und die Veränderungsbereitschaft der Branche zu wünschen übrig.

 

MICE CLUB LIVE

Mit der Artikelserie möchte ich auf den MICE CLUB LIVE 2019 hinleiten, um dort mit Protagonisten der Branche und Experten mögliche Lösungen für eine bessere Zusammenarbeit zu diskutieren.

  • Wie kann man der gestiegenen inhaltlichen Komplexität begegnen?
  • Welche Arbeitszeitmodelle ermöglichen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
  • Wie kompensiert man den Arbeitsdruck und vermeidet das Ausbrennen der Köpfe?
  • Ist die Generation Y nur ein Mythos? Was erwartet man vom Arbeitsleben in der MICE-Branche?
  • Wie können Mitarbeiter effektiver gefunden und gebunden werden?
  • Wieviel Hierarchie braucht ein Unternehmen?

Der MICE CLUB macht sich gemeinsam mit der Community auf den Weg. Und wir wollen von den Besten lernen. Die Pioniere der neuen Arbeitswelt kommen in Interviews und in Berlin zu Wort.

Die Artikelserie, deren Einleitung Sie hier gerade lesen, gliedert sich in acht Abschnitte, die in sich abgeschlossene Themen darstellen und nicht chronologisch gelesen werden müssen:

  • Prolog: Vom Arbeitssklaven zum Mitunternehmer
  • Kultureller Wandel: Eigenmotivation. Selbstorganisation. Selbstverantwortung.
  • Leitbild Führung: Königsmacher statt Zwergenproduzent
  • Arbeitsmethodik: Event meets Management
  • Arbeitserlebnis: Sinn. Sinnlichkeit. Zusammenarbeit
  • Personalmarketing: Mitarbeiter als Markenbotschafter
  • Unternehmenskultur: Employer Happiness Index
  • Epilog: Always look on the bright side of work
Geschrieben am 21.02.2019 von admin

THE PINK FLOYD EXHIBITION

PINK FLOYD kehrt nach Dortmund zurück https://pinkfloydexhibition.de/ 50 Jahre Musik von einem anderen Stern, intelligente Texte, jedes Konzert ein Kunstwerk.

Die Ausstellung ist ein Pflichttermin für Show-Designer, Veranstaltungstechniker, Musiker und natürlich alle Pink-Floyd-Fans. Die Band-Geschichte in Bildern, Filmen und Exponaten. Musik und Interviews mit den Band-Mitgliedern und den Machern der Multimedia-Shows, z. B. Mark Fisher werden über den innovativen Audio-Guide automatisch eingespielt. Zum Schluß erlebt man in der Sound-Box den letzten Live-Auftritt der Band von 2005 mit "Comfortably Numb". Danach hatte ich feuchte Augen, das Solo von David Gilmour haut einen um.

Geschrieben am 26.10.2018 von admin

Always Look on the Bright Side of Event

Der satirische Jahresrückblick 2017

eventkapelle Ladies and Gentlemen, die Eventisierung aller Lebensbereiche war auch im abgelaufenen Jahr nicht aufzuhalten. Nach langem Zögern hat der HERR sein Haus auf Erden für das übermütige Treiben der großen und kleinen Sünder geöffnet.

Dies sind meine Flops und Tops des letzten Jahres.

 

 

schildAmtliche Bekanntmachungen

Geburtsanzeigen: ein Agentur-Baby erblickte in Meerbusch das Licht der Welt. Es hört auf den Namen "nink & experts". Schaut man auf die Eltern sowie die zahlreichen Onkel und Tanten, deutet alles auf eine künstliche Befruchtung.

Hochzeiten: Zwei alte Schachteln gaben sich im Wonnemonat Mai das Ja-Wort – Losberger (Jahrgang 1919) und de Boer (Jahrgang 1924) zelten nun gemeinsam. Dabei handelt es sich um eine von den Eltern (zwei Investmentgesellschaften) arrangierte Ehe. Wie immer geht es um Macht und Einfluß in der Welt. Das kennt man ja bereits aus der Geschichte der Habsburger.

Trauerfälle: Auf dem Firmenfriedhof ruht nun die Kölner Agentur gestalt communications, besser bekannt als JungvonMatt/relations. Als sie 2014 von zuhause weggelaufen ist, hat sie wohl unterschätzt, wie hart das Leben ist, so ganz allein auf sich gestellt.

 

Make no small plans

Dieses Credo von George P. Johnson haben sich zwei clevere Jungs zu eigen gemacht: Nico Ubenauf, satis&fy, und Simon Ackermann, HABEGGER, besorgten sich frisches Geld von einer Beteiligungsgesellschaft, um damit die Welt zu erobern. Genau genommen den Teil, der live ist. „Live Matters“ heißt die Holding, die das Kommando hat. „Unter dem Dach der neuen Gruppe werden die Unternehmen ihre gemeinsame Vision einer Familie der starken Marken in der Live-Kommunikation vorantreiben. Ziel ist es, langfristig zu einem der international führenden Unternehmen für Live-Kommunikation zu werden.“

Nun fragt sich die Spottdrossel, was ist der Plan? Eine europäische Antwort auf PRG? Ein Netzwerk wie die AV-Alliance? Eine Kooperation wie 27 Names? Eine internationale Werbegruppe wie OMNICOM? Ein Marketing-Verbund wie EP? Ein integrierter Konzern wie die Deutsche Telekom? Klar ist nur, daß Veranstaltungstechnik ein kapital-intensives Geschäft ist.

 

Die Nachricht des Jahres

Letzter Vorhang für den FAMAB Award. Nach 21 Jahren wird dieses Format beerdigt, um am 15 Januar 2019 in Dortmund als International Festival of Brand Experience wiedergeboren zu werden.Den Auftakt der Veranstaltung wird ein Kongress am Vortag der BOE bilden, der mit verschiedenen Formaten interaktiver Ausrichtung wie beispielsweise Foren, Workshops, Bar-Camps, World-Cafés u.v.m., relevante Branchenthemen und Trends beleuchten wird. Am Abend werden dann mit dem Brand Experience Award die besten Arbeiten der Branche ausgezeichnet“, wie der FAMAB auf seiner website ankündigt. Das hat sich der Verfasser schon seit Jahren gewünscht. Glückauf!

 

Mein Weihnachtswunschzettel

„Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft“ singen die Toten Hosen in „Wünsch Dir was“. Probieren wir es einfach und schauen was passiert.
1. Da wäre die Hinterfragung des Wortes „Event“, mittlerweile eine hohle Phrase. Wir schaffen Erlebnisse und Erfahrungen!

2. Die Unterbewertung von Kreativität durch die Endkunden. Kreativität hat scheinbar keinen Wert oder was sollen unbezahlte Pitches bedeuten?

3. Technologie ist kein Selbstzweck, eine Veranstaltung ist eine Begegnung zwischen Menschen!

4. Mehr Selbstvertrauen, Leute. Wir sind die effektivste Kommunikationsdisziplin!

5. Die „Kleinstaaterei“ abschaffen, niemand kann die Verbände, Awards, Fachzeitschriften und „MICE-Irgendwas“ mehr zählen!

 

Frohes Fest! Keep on rockin‘

Geschrieben am 18.12.2017 von admin

IAA 2017: Temporäre Markenwelten und automobile Träume

 

Mercedes-Benz in der Festhalle; Foto privat
Mercedes-Benz in der Festhalle; Foto privat

 

Die Vorzeichen der IAA 2017 könnten nicht schlechter sein. Nicht nur das Auto generell, der Dieselmotor und deutsche Hersteller stehen im Feuer der Kritik, auch die Absagen renommierter Marken sind bemerkenswert: Aston Martin, Alfa Romeo, Cadillac, DS, Fiat, Infiniti, Mitsubishi, Jeep, Nissan, Peugeot, Rolls-Royce und Volvo. Auch Tesla fehlt. Die brauchen keine Werbung - wie früher Mercedes.

Der allgemeine Eindruck

Die IAA präsentiert sich wieder einmal als Gegenentwurf zur klassischen Werbung: als automobilstes und unmittelbarstes Markenerlebnis! Mittendrin statt nur dabei! Interaktiv, dialogisch, für viele Besucher elektrisierend. Für die Macher dagegen ein Kraftakt und nicht unbedingt immer ein Geschäft.

Sonntags um 11 Uhr herrscht bereits ein enormer Andrang. Das Publikum ist jung und international. In 11 Hallen und im Freigelände die übliche Materialschlacht: jede Menge erotisch geformtes Blech und drum herum State-of-the-Art-Veranstaltungstechnik. Die wichtigste Leistungsschau der Automobilindustrie, glänzend in Szene gesetzt von der Creme deutscher Agenturen, Messebauer und Technik-Dienstleister.

Mein vordergründiges Interesse gilt der Architektur, der Szenographie, der Marken-inszenierung und der Innovation unter deutschen (Messe-)Dächern. Die Goldene Zitrone vergebe ich gleich zweimal. Opel und Seat überraschen positiv und es gibt einen Aussteller, der alle und alles überragt.

In der Kathedrale des Automobils

Mein erster Gang führt mich unter die Kuppel - in die komplett umgebaute, fabelhaft ausgeleuchtete Festhalle zu Mercedes-Benz. Von der Grundstruktur unverändert: breit gefächerte Themen, vielseitiges Modellspektrum, geführter Rundgang und die obligatorische Rolltreppe. Leise Hintergrundmusik. Auf den statischen LED-Flächen laufen Mood-Filme, Produkt-Videos und ja, man glaubt es kaum, eine Twitter-Wall. Neu ist die „me convention“, beides für meinen Geschmack eine Anbiederung an den Zeitgeist. Der durchschnittliche Mercedes Käufer ist deutlich über 50 Jahre und goutiert das eher nicht.

Auf der verkleinerten Aktionsfläche werden regelmäßig die neuen Modelle vorgefahren, mit Musik und Videos unterstützt. Mein Eindruck – alles wie gehabt, etwas reduziert, seltsam defensiv.

Tausendfach alles unter einem Dach

Das alte Kaufhof-Motto fällt mir ein als ich die VW-Konzernhalle betrete, wobei das Entree wie der Wareneingang eines Kaufhauses aussieht. Also jetzt 8 Marken unter einem Dach, denn auch Audi mußte in die VW-WG einziehen. Das ist mal ein (negatives) Ausrufezeichen.

Das Potpourri von acht Konzernmarken – Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, SEAT, Skoda und VW - will nicht recht zusammenpassen. Synergie-Effekte sind nicht zu erkennen, denn die Flächen werden einfach nach Proporz aufgeteilt. Mehr nicht. Leuchtende Marken-Logos unter der Decke sind die einzige Orientierung. Nahtlos geht man von Bentley zu Skoda - finde ich schwierig.

Gelungen ist die große Ruhezone auf einer Drehbühne auf der VW-Fläche, Motto „Gemeinsam leben wir den Moment“. SEAT präsentiert sich mit einigen schönen interaktiven Ideen und szenographisch durchdacht. Audi leidet unter der aufgezwungenen Verzwergung, es fehlt buchstäblich das Drehmoment, das früher den eigenen Pavillon ausgezeichnet hatte.

Mixed Emotions

Der Opel-Stand hat eine klare Botschaft, die den neuen Claim „Die Zukunft gehört allen“ und die Heritage der Marke transportiert. Die Mauerwerk-Optik, der Duft von frischen Plätzchen, die grüne Oase für Besucher (lange Tische mit Bänken, darauf interaktive Displays für das Modellprogramm). Das wirkt volksnah und handfest. Auf dem ganzen Messegelände allgegenwärtig: die Opel-Tüte. Der Hit. Analog schlägt digital!

Eine Goldene Zitrone für den Ford-Stand wegen des geringen Bewegungsraumes zwischen den ausgestellten Fahrzeugen. Die Chinesen zeigen bei WEY, Chery und Borgward, daß sie Automobil-Design können, man darf auf die Preise gespannt sein.
Auf der Aktionsfläche „New Mobility World“ zeigen Hersteller und Zulieferer Innovationen, z.B. wie autonomes Fahren funktioniert. Ein Verweilen lohnt. Ein Schmankerl ist der „Verkehrskindergarten“, eine Kooperation von Hyundai und LEGOLAND, bei dem die Kleinsten einen „Führerschein“ erwerben können. Mini kultiviert seine Pop-Kultur im Loft-Stil. Die zweite Goldene Zitrone geht an Toyota für die klinisch-sterile Ausleuchtung.

 

BMW Produkt-Show; Foto privat
BMW Produkt-Show; Foto privat

Niemand kann BMW die Show stehlen

Wow und nochmal Wow. BMW in Halle 11 verspricht nicht nur „Freude am Fahren“, sondern auch einen phantastischen Messestand und die ultimative Produkt-Show. Wie in den Vorjahren führt eine Fahrbahn durch die abgeteilte Aktionsfläche zur Präsentation der neuen Modelle. Das optisch-akustische Feuerwerk wiederholt sich alle 30 Minuten und zog an diesem Sonntagnachmittag jeweils rund 600 Menschen in seinen Bann. Der Sound, der Soundtrack, die Lichteffekte, die Video-Clips, die beweglichen LED-Module im Zusammenspiel mit der fahr-dynamischen Vorführung zauberten eine perfekte Multimedia-Show. Chapeau, liebe Kollegen von Meiré+Meiré und Wolf Productions.

 

 

 

 

 

 

 

Geschrieben am 21.09.2017 von admin