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Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 49

Wenn der Zauber verflogen ist

“We are Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen.” Alina ist total geflasht vom Motto des Grand Hotel, das sie gerade im Internet besucht hat. Es rühmt sich als „magische Mischung aus Wärme, Charme und ewiger Jugend. Ein einzigartiges Vermächtnis lebendiger Kultur in der Weltkulturerbe-Stadt Baden-Baden.“

Schon im vorletzten Schuljahr war Alina wild entschlossen, in einem Luxus-Hotel zu arbeiten. Also machte sie dort nach Abschluss der Schule eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Während dieser Zeit entdeckt sie ihre Vorliebe für Cocktails. Sie wird eine richtige Expertin und daher als Urlaubsvertretung in der Bar eingesetzt, allerdings nur in der Tagschicht. Ihr großes Vorbild ist Maria Gorbatschova, die in 2024 zur besten Bartenderin Deutschlands gekürt wurde. Alina füttert täglich ihre Instagram-Story und ist der Star in ihrer Berufsschulklasse.

Nach der Ausbildung wird sie Barkeeper, weil sie ihren Sehnsuchtswunsch sehr überzeugend vertritt. In der Personalabteilung ist man allerdings unsicher, ob Alina nicht zu jung ist und vereinbart daher als Kompromiss eine spezifische Probezeit.

Nun beginnt für unsere junge Heldin die harte Realität. In der Ausbildung wurde sie leider nicht vorbereitet auf ihre Rolle als Gastgeberin: Beratung der Gäste, die Sorge für eine angenehme Atmosphäre und eine gepflegte Konversation. Mit der Zeit tut sich Alina schwer mit den unregelmäßigen Arbeitszeiten und dem nicht planbaren Dienstende. Wie komplimentiert man die letzten Gäste nach Ende der Öffnungszeit hinaus?

When I was younger, so much younger than today, I never needed anybody’s help in any way. But now these days are gone, I’m not so self-assured, now I find I’ve changed my mind and opened up the doors.(The Beatles „Help“)

Das Ende der Illusionen ist nach einem halben Jahr erreicht, Alina kapituliert und suchtdas Gespräch mit der Personalabteilung. Dort ist sie ziemlich kleinlaut und bittet um Versetzung in eine andere Abteilung, was man ihr gern erfüllt.

 

 

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 48

Die inneren Antreiber

„Unsere wahre Aufgabe ist es, glücklich zu sein.“ (Dalai Lama)
Hannover, Montagmorgen, 8:25 Uhr: Vor dem Gebäude der Messebau-Firma Kohlhaupt stoppt ein Rettungswagen vom DRK. Drinnen herrscht helle Aufregung und große Besorgnis um Shiori. Sie klagt über Herzrasen, liegt auf dem Fußboden ihres Büros. Die Putzhilfe hatte sie gefunden und rief sofort die 112.

Shiori ist Architektin mit japanischen Wurzeln. Sie ist bekannt für ihre enormen Überstunden. In ihrer japanischen Heimat heißt das Phänomen Karoshi. Oft genug hat Kai, ihr Chef, sie ermahnt, sich mehr Ruhe zu gönnen. „Wann warst Du denn heute Morgen hier?“ fragte er sie, nachdem die Sanitäter Shiori stabilisiert hatten. „So um 6 Uhr, ich konnte nicht schlafen.“ „Das ist jetzt nicht Dein Ernst! Regine begleitet Dich zum Arzt und bringt Dich anschließend nach Hause.“

Arbeitssüchtige betreiben Raubbau am eigenen Körper und an ihrer Psyche. Denn sie arbeiten exzessiv und pausenlos, getrieben von einem inneren Zwang – die 5 inneren Antreiber:
Sei perfekt! Sei stark! Streng Dich an! Mach es allen recht! Beeil Dich!

Für die meisten treffen die „5 inneren Antreiber“ zu. Ob Du ein Typ dafür bist, kannst Du hier testen
www.muenchen-klinik.de/psyche-seele-psychische-erkrankungen/burnout/burnout-test/

Doch wie ging es weiter mit Shiori? Natürlich wurde sie erst einmal krankgeschrieben. Das verschaffte ihr eine Atempause, um runterzufahren. Mit Kai verabredet sie eine Auszeit von 6 Monaten. Mit ihrem Hausarzt bespricht sie ihre Situation. „Stärken Sie Ihre Resilienz! Ich meine damit eine psychische Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Dazu gehört, sich selbst realistische Ziele zu setzen. Aber auch Selbstfürsorge in Form von Achtsamkeitstraining sowie Entspannungstechniken wie etwa Meditation sind wichtig und die Vermeidung von Stress. Sie müssen stärker selbstbestimmt arbeiten!“

Shiori macht lange Spaziergänge in den Herrenhäuser Gärten und hat schließlich eine Idee. Sie hat verstanden, dass sie nicht wie bisher weitermachen kann. Sie liebt ihren Beruf und möchte im Messebau bleiben, aber nicht in das Hamsterrad zurück. Sie traut sich zu, als Freelancerin ihr Arbeitsvolumen selbst zu bestimmen und mit weniger Geld auszukommen. Kai ist einverstanden, mit ihrem Steuerberater bespricht sie die Ausgestaltung eines Vertrages und wie eine Scheinselbständigkeit vermieden wird. Langsam geht es ihr besser.
Don’t you know I’m still standing better than I ever did. Looking like a true survivor, feeling like a little kid. I’m still standing after all this time. (Elton John „I’m still standing“)

Niederschwellig und sofort umsetzbar sind die Ratschläge von Jochen Mai/ karrierebibel.de
Etabliere eine 7-Stunden-Schlaf-Regel: Trage dir ab heute 7 Stunden Schlafzeit als festen Termin in den Kalender ein – wie ein wichtiges Meeting. Studien zeigen: Unter 6 Stunden sinkt deine Produktivität um 25%, über
7 Stunden steigt sie messbar.

Verhandle einen Autonomie-Baustein pro Monat:
Bitte deinen Vorgesetzten um EINE konkrete Selbstbestimmung – z.B. Homeoffice am Freitag oder flexible Kernarbeitszeit. Jeder gewonnene Autonomie-Faktor senkt dein Burnout-Risiko um durchschnittlich 12%.

Nutze die 90-Minuten-Zyklen:
Arbeite in Blöcken von maximal 90 Minuten mit 15-minütigen Pausen dazwischen. Das entspricht deinem natürlichen Ultradian-Rhythmus und verhindert die schleichende Erschöpfung, die zum Burnout führt.

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 47

Am Scheideweg

„An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.“ (Charlie Chaplin)

(Diese Geschichte beruht auf Tatsachen) Ich traf Dominik 2019 in der Berliner Eventlocation AXICA, einem futuristischen Gebäude am Brandenburger Tor. Ein Meisterwerk des US-Architekten Frank Gehry. Dominik veranstaltete dort
ein Netzwerktreffen der MICE-Branche.

Nach dem Trubel der Verabschiedung verabredeten wir uns in Berlins ältestem Restaurant Zur letzten Instanz. Zur illustren Gästeschar gehörten Jack Nicholson, Jacques Chirac, Charly Chaplin, Jake Gyllenhaal, Loriot und Heinrich Zille. Wir ließen uns eine Flasche Oberbergener Bassgeige vom Weingut Franz Keller schmecken und erzählten Anekdoten aus unserem Berufsleben.

Dominik berichtete: „Ich hatte mal eine Agentur in Köln, unser USP waren Mitarbeiter-Events rund um Employer Branding. Wir haben damals zusammen mit dem TÜV Rheinland eine Studie zu dem Thema gemacht. Ausgezahlt hat es sich leider nicht, wir waren wohl mit dem Thema zu früh dran. Insgesamt lief die Agentur auch nie wirklich gut, denn nach 9/11 waren und blieben die Margen im Keller.“ „Ich bin überzeugt, dass es zu viele Agenturen gab.“ „Wolf, da ist etwas dran, ich habe den Laden schließlich zugemacht.“

Dieses „Geständnis“ elektrisierte mich „Das ist ja krass, gab es keine andere Möglichkeit?“ „Weißt Du, es machte einfach keinen Spaß mehr: dieser Pitch-Wahnsinn, das Feilschen um die vierte Stelle hinterm Komma, die mangelnde Solidarität in der Branche. In dieser Zeit hatte ich ein innovatives Geschäftsmodell ausgetüftelt und auf den Markt gebracht. Ein Kraftakt, denn beides lief eine Zeit lang parallel, doch irgendwann musste ich mich entscheiden, weil auch mein Tag nur 24 Stunden hat.“ „Und was war Deine Idee?“

„Das war einerseits ein Online-Portal für die MICE-Branche und andererseits ein regelmäßiges Branchen-Event. Der Fokus liegt hierbei bei den Auftraggebern von Veranstaltungen! Also die sog. Eventplaner auf Corporate-, Agentur- und Verbandsseite! Einige Formate wie STB und die MICE AG hatten damals 2012 eine Lücke hinterlassen. Der MICE CLUB, wie ich das Ding genannt habe, war von Beginn an eine Inspirationswerkstatt für genau diese Zielgruppe! Ich habe den Spieß umgedreht, die Anbieter von Locations, Hotels, Technik, Catering etc. müssen sich mit ihrer Verkaufsbotschaft unterordnen.

Es ging mir auch um ein Community-Building mit attraktiven Angeboten von Produktanbietern und Dienstleistern der MICE- und Eventbranche. Ich war von der Sache total überzeugt, ich wusste, das ist eine lukrative Marktnische! Und das Schönste, wir haben von Anfang an Geld verdient!“

„Was machte Dich so sicher? Und was meinte eigentlich Deine Frau dazu?“  „Follow your heart!!! Und zitierte Bob Dylan:
May your hands always be busy may your feet always be swift may you have a strong foundation. When the winds of changes shift may your heart always be joyful may your song always be sung and may you stay forever young.

Trotzdem ist es mir nicht leichtgefallen, die Agentur aufzugeben. Ich war eine Zeit lang hin und her gerissen. Wir waren in der Spitze 18 Leute, hatten einen guten Namen. Aber ich habe es keine Sekunde bereut!“ „Dominik, darauf trinken wir!“

 

 

 

 

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 46

Das Gift der inneren Kündigung

Kennt Ihr die Robinson-Strategie bei einem Job, den man aushalten muss? Warten auf Freitag.

Was macht Dich im Beruf richtig sauer? Fehlende Sinnhaftigkeit? Dauernde Unter- oder Überforderung? Schlechte Führung? Ungerechtigkeit? Keine Perspektive? Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Umgekehrt gefragt, was macht Dich zufrieden?
Der amerikanische Arbeitswissenschaftler Frederik Herzberg geht von zwei Faktoren aus: Hygienefaktoren (Verdienst, soziale Beziehungen, Arbeitsplatzsicherheit, physische Arbeitsbedingungen, Betriebspolitik, soziale Leistungen u.Ä.) und Motivationsfaktoren (Anerkennung, Verantwortung, Leistungserfolg, Vorwärtskommen u.Ä.).

Nachdem wir das geklärt haben, lernen wir Christiane kennen, die heute Morgen wieder einmal mit Rückenschmerzen aufgestanden ist. Sie war ein paar Mal beim Orthopäden, der aber nichts feststellen konnte. Sie arbeitet als Leiterin der Personalabteilung des Zeltverleihs Mack GmbH in Wiesbaden. Geleitet wird das Unternehmen von Bernd Mack, (Spitzname „Obermacker“) und seinem Sohn Manuel. Bernd hat versprochen, die alleinige Geschäftsführung zeitnah an ihn zu übergeben.

Darauf baut auch Christiane, die von Manuel schon lange die Zusage hat, ein modernes Personalwesen einzuführen. Außerdem fühlt sie sich mit reiner Personalverwaltung schon lange unterfordert. Sie will endlich ihre Ideen umsetzen. Beim Patriarchen Bernd stößt sie auf Granit, was sie zunehmend zermürbt.

Auf dem Flur: „Wann gibt Dein Vater die Geschäftsführung ab?“ „Er legt sich nicht fest, er ist sogar sauer geworden, als ich ihn zuletzt darauf angesprochen habe.“ Christiane bricht der Schweiß aus. Sie ist in diesem Unternehmen groß geworden, sie identifiziert sich total, es ist zum Verzweifeln. Zurück in ihrem Büro meldet sich wieder ihr Rücken. Entnervt packt sie ihre Sachen und geht nach Hause, obwohl es erst früher Nachmittag ist.

Am nächsten Morgen fällt ihr das Aufstehen schwerer als sonst.  Sie schleppt sich in die Firma. Im Abteilungsleiter-Meeting sitzt sie geistesabwesend am Tisch, was man von ihr nicht kennt. Später im Büro starrt sie minutenlang in den Computer-Bildschirm. Es ist, als hätte man ihr den Stecker gezogen. Ein Gefühl von Undankbarkeit und Ungerechtigkeit quält sie. Sie hat sich jahrelang voll engagiert, nie auf die Uhr geschaut, das hat sie alles nicht verdient.

Can′t see nothin‘ in front of me, can′t see nothin‘ coming up behind. Make my way through this darkness, I can’t feel nothing but this chain that binds me. Lost track of how far I′ve gone, how far I′ve gone, how high I’ve climbed. On my back′s a sixty pound stone, on my shoulder, half mile of line. (Bruce Springsteen „The Rising“)

Am nächsten Sonntag frühstückt sie mit ihrer Freundin im Café Maldaner und schüttet ihr Herz aus. „Das klingt nach innerer Kündigung, Christiane. Daher kommen auch Deine psychosomatischen Beschwerden. Wie lange willst Du Dich noch verbiegen?“
Einige Zeit später beginnt Christiane mit der Suche nach einem neuen Job. Ihre Rückenschmerzen sind wie weggeblasen.

 

 

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 45

Die 1.000.000 EURO-Frage

„Hand aufs Herz – würdest Du bei einem fetten Lottogewinn Deinen Job kündigen?“ Eine direkte und kitzlige Frage, die zu Ehrlichkeit zwingt.
Ist Eure Haltung dazu glasklar oder kommt Ihr ins Grübeln?

Florian sitzt mit seiner Frau in Auerbachs Keller und ringt mit einer Antwort auf ihre Frage. Er arbeitet seit 12 Jahren als Projektleiter bei der Leipziger Messe. Eigentlich ist er zufrieden: ein gutes Gehalt, nette Kollegen, ein angenehmer Chef. Und doch, ihm fehlt die letzte Überzeugung. Er ist jetzt Anfang 40, ist das etwa die berühmte Midlife-Krise? Er horcht in sich hinein, doch er kann nichts hören. Über seine airpods hört den Song „Stark“ von ICH + ICH:

Stell dich mit mir in die Sonne oder geh mit mir ein kleines Stück
Ich zeig dir meine Wahrheit für einen Augenblick
Ich frage mich genau wie du, wo ist hier der Sinn?
Mein Leben ist ein Chaos, schau mal genauer hin

Und du glaubst, ich bin stark und ich kenn den Weg
Du bildest dir ein, ich weiß, wie alles geht
Oh, du denkst, ich hab alles im Griff
Und kontrollier, was geschieht
Aber ich steh nur hier oben und sing mein Lied

Wochen später trifft Florian zufällig einen alten Schulfreund. Sie tauschen sich aus. „Was, Du organisierst Messen? Du hattest doch immer von einem Bauernhof geträumt. Was ist passiert?“ „Mich hat der Mut verlassen. Und Saskia hätte nicht mitgezogen.“ Ein paar Tage später sehen Florian und Saskia zufällig eine Folge der Doku-Soap Raus aufs Land. Gezeigt werden mutige Menschen aus verschieden Regionen und ihren Neuanfang auf dem Land. Sie stellen sich großen Herausforderungen, erleben Rückschläge, aber auch besondere Erfolge und finden neuen Lebensmut.

Draußen sein, Natur und Landwirtschaft hautnah erleben, das war einmal Florians Traum. „Wenn ich meinen Job als Lehrerin behalte, könnten wir das finanziell vielleicht hinkriegen.“ Mit diesem Statement aus dem Nichts überrascht Saskia ihren Mann. „Meinst Du das im Ernst?“ „Lass uns einen Plan machen und ein Objekt finden!“

Ein Jahr später irgendwo in Brandenburg. Es ist für beide ein radikaler Neuanfang. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, müssen die Neubauern lernen. Das Abenteuer, Landwirt zu werden, ist eine riesige Herausforderung. Florians Mutter ist überrascht, wie ihr Sohn sich gewandelt. Pflanzen, jäten, ernten, kochen, einmachen, das alles ist neu im Leben des Projektmanagers, der vorher die ganze Welt bereist hat. Nun bestimmen Kartoffeln, Brokkoli, Sellerie, Kürbis sein Leben. Nach einem Jahr auf dem Hof wiegt Florian 20 Kilogramm weniger. „Etwas für die Landschaft zu tun, für die Tiere, für die Umwelt, anderen zu helfen, ja, das macht Sinn. Viele Dinge habe ich nicht mehr, die ich auch nicht gebraucht habe, und das ist unglaublich befreiend““, resümiert er.“

Fazit: Der richtige Job kann Dein Leben verändern.

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 44

Ein Wolf im Schafspelz

Ein Konflikt im Arbeitsalltag ist wie ein Gewitter – laut und unangenehm, aber danach ist die Luft wieder rein. Mobbing hingegen ist ein zermürbender Dauerregen, der Dich Tag für Tag durchnässt. Bossing nennt man das Mobbing durch Vorgesetzte. Dies ist die Geschichte von Yvonne, die als Produktmanagerin mit Schwerpunkt Einkauf bei einem Non-Food-Caterer in Saarbrücken arbeitet.

Sie schlendert nachdenklich durch die berühmte Fröschengasse vorbei an den ehemaligen Handwerker- und Arbeiterhäusern. Sie lässt das Bewerbungsgespräch Revue passieren. Patrick, der Abteilungsleiter, war charmant, humorvoll und zugewandt. Yvonne fand ihn sympathisch und kompetent, doch irgendetwas irritierte sie. Die ersten Wochen verlaufen harmonisch, die Kollegen sind nett, die Arbeit macht Spaß, Yvonne fühlt sich wohl. Dann macht sie eine verstörende Beobachtung. Durch die Glastür von Patricks Büro sieht sie, wie ihr Kollege Alexander – ein Hüne von zwei Metern – verschüchtert auf dem Besucherstuhl sitzt. Patrick hat sich drohend vor ihm aufgebaut, gestikuliert wie wild und brüllt ihn an „Welche Bildungseinrichtung haben Sie besucht? Doch höchstens eine Baumschule!“. Yvonne fällt ein, dass Patrick ihn in Meetings dauert Kowalski nennt, obwohl er Koslowski heißt.

I see an expression so clear and so true that it changes the atmosphere when you walk into the room. (U2 „When I look at the world“)

Auch Yvonne bekommt die dunklen Seiten ihres Chefs zu spüren, z.B. seine ständige Kontrolle. Er will über alles im Detail Bescheid wissen. Patrick hat zu allem eine sehr ausgeprägte Meinung. Er äußert sie nicht nur, sondern manipuliert Yvonne, die gleiche Position einzunehmen. Druck und Schikane: Patrick schüttet Yvonne unablässig mit Arbeit zu, sodass sie gar nicht weiß, wo ihr der Kopf steht. Sie zieht den Geschäftsführer ins Vertrauen und bittet um ein Dreiergespräch.
Patrick redet alles klein und gibt sich harmlos. Alles ein Missverständnis. Der Geschäftsführer scheint zu wissen, dass dem nicht so ist und dass ein solches Gespräch nicht zum ersten Mal stattfindet. Doch er unternimmt nichts.

Beleidigung: In einem Teammeeting zieht Patrick sein liebstes Opfer – Alexander –  durch den Kakao. „Schöner Anzug, gab’s den nicht in Ihrer Größe?“ Am Montag darauf meldet der Flurfunk, Alexander sei auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben. Das provozierte Patrick in aller Öffentlichkeit zu einem unkontrollierten Wutausbruch.

Yvonne zieht die Notbremse und kündigt noch in der Probezeit. Was kann man tun? Hilfe findet ihr im Anhang

Foto: Chris Ensminger auf unsplash.com

 

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 43

Der Letzte macht das Licht aus

Eine flapsige Überschrift, denn hinter einer Insolvenz steckt eine enorme Dramatik. Die Stelle zu verlieren ist sehr belastend, raubt Identität und Tagesstruktur. Ein Tornado an Gefühlen fegt dann durch die Büros: Wut, Trauer, Tränen, Enttäuschung, Verbitterung. So auch am 31. Oktober 2011 in den Räumen der Solinger Agentur kogag. Betriebsversammlung in der Kantine, rund 50 Mitarbeiter hören mit versteinerten Mienen zu, was Vater und Sohn Domning verkünden müssen: „Es ist für uns eine extrem schmerzhafte Situation, trotz intensivster Bemühungen und Anstrengungen, nach 41 Jahren diesen Weg gehen zu müssen. Besonders leid tut es mir um Sie alle, die loyalen Mitarbeiter und unsere Zulieferer. Wir werden alles dafür tun, um für Sie und alle anderen Beteiligten eine gute Lösung zu finden.“

Dies ist die wahre Geschichte von Ute, die gleich zweimal eine Insolvenz ihres Arbeit-gebers erlebt hat. Vertrieb war und ist für Ute eine Herzensangelegenheit. Sie begegnet Kunden mit der Überzeugung „Das Feuer, das Du in anderen entzünden willst, muss in Dir selbst brennen.“

Nur kann der Vertrieb „die Welt nicht retten“, wenn der Markt das Vertrauen verliert. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Ute rang trotzdem immer wieder mit sich selbst. Sollte sie das sinkende Schiff verlassen oder kämpfen, denn das Scheitern der kogag zeichnete sich lange ab. Dann kam ihr ein Jahr, bevor die Insolvenz tatsächlich eintrat, der Zufall zu Hilfe.
Eine befreundete Hamburger Agentur bat sie um Hilfe. Ein Feuerwehreinsatz, das war Ute sofort klar. Trotz Bauchgrummeln unterschrieb sie einen Arbeitsvertrag.
Es kam wie es kommen musste, Auch hier war die Insolvenz nicht mehr zu abzuwenden. Wenn eine Agentur ins Rutschen kommt, ist der Absturz oft nicht mehr zu verhindern. Ute tröstete sich mit der Textzeile von Bruce Springsteen: And we’ll walk in the sun, but till then tramps like us, baby were born to run.

Ute war zum Heulen zu Mute: war das nur Pech? Hatte sie versagt? Hatte sie sich überschätzt? War das die falsche Branche? Sie brauchte eine Weile, bis sie wieder Tritt fasste. Dann hatte sie eine kühne Idee: Vertrieb als Freelancer und on Demand! So wie die Agenturen es sich leisten können. Keine Jagd nach Terminen, sondern Vertrieb mit Verstand und Augenmaß. Mit dem Ziel und genügend Zeit, eine echte und stabile Beziehung zu einem potentiellen Auftraggeber aufzubauen.

Damals schwer vorstellbar, doch Ute fand sofort drei Kunden, die diesen Gedanken nicht abwegig fanden, sondern vorteilhaft. Noch immer funktioniert ihr Geschäftsmodell hervorragend. Und wie häufig im Leben – aus Krisen geht man gestärkt hervor. Ihr Fazit: „Die Insolvenzen haben mich zu einem besseren Vertriebler gemacht.“

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 42

Befördert werden nicht immer die Besten……

….sondern die Lautesten. Inspiriert von NICKELBACK „What are you waiting for?“

Konstanze sonnt sich am Unterbacher See in der Nähe von Düsseldorf und denkt über ihre berufliche Zukunft nach. Sie ist bei einem namhaften Caterer beschäftigt und hat dort vor 10 Jahren ihre Ausbildung gemacht. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, wirkt wohl deswegen etwas zurückhaltend. Trotzdem ist sie beliebt bei Kunden und Kollegen wegen ihrer Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und ihrem unglaublichen Fachwissen.

Sie war landesweit die Jahrgangsbeste bei der IHK-Prüfung und hat danach berufsbegleitend ihren Bachelor in Personalmanagement gestemmt. Konstanze ist mehr als beförderungsreif. Jeder würde dem zustimmen, nur die Geschäftsführung hat sie nicht auf dem Radar. In Meetings ist sie hoch konzentriert, ihre Beiträge haben Hand und Fuss. Im Mittelpunkt steht aber meist Michael, halb so schlau, dafür ein lustiger Typ, der alle zum Lachen bringt. Und es geschickt versteht, der Geschäftsführung zu schmeicheln.

Konstanze hat einen sehnlichen Wunsch: die gastronomische Leitung des World Conference Center Bonn – einst Plenarsaal des Deutschen Bundestags, heute ein beeindruckender Veranstaltungsort.

Sie hört durch den Flurfunk, dass die gastronomische Leitung in Bonn neu besetzt werden soll. Es gäbe auch schon einen Favoriten. Sie fasst sich ein Herz und meldet sich bei Burkhard, dem GF Personal. „Ich bewerbe mich für Bonn!“ „Konstanze, das ist aber eine nette Überraschung. Aber warum nicht. Wir führen mit Dir und Michael ein ganz normales Bewerbungsgespräch und sehen dann weiter.“ Zurück an den Unterbacher See. Konstanze versucht, mit ihrer Enttäuschung fertig zu werden. Allmählich dämmert ihr, dass sie nicht die Wertschätzung genießt, die sie verdient hätte.

What are you waiting for? Don′t you want to spread your wings and fly? Don’t you really wanna live your life? Don’t you want to love before you die?

Somit bleibt ihr nur ein Ausweg – die Kündigung. Abends erzählt sie Stefan, ihrem Mann, von diesem Entschluss. „Konstanze, was ich fast vergessen hätte, Du hattest einen Anruf von einem Headhunter, dein alter Kollege aus Agenturzeiten. Er sucht eine Teamleitung für lemonpie aus Köln.“ Konstanze lächelt während ihr eine Träne über die Wange kullert.

 

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 41

Bullshit-Bingo

WIR SUCHEN DICH ruft mir das Plakat vom Straßenrand zu. Ich weigere mich: „Das muss ein Missverständnis sein, ich bin kein CNC-Dreher, sondern ein Headhunter.“ Reise zurück in das Jahr 1979 mit dem Titelsong von Monty Python

 

 

Diese Episode handelt von Phrasen und Floskeln in Stellenanzeigen und von Ulrike. Sie ist Anfang 50, steht voll im Saft, sitzt aber in der Tinte, denn ihr Zeitvertrag wurde doch nicht verlängert. Ein eklatanter Wortbruch und eine Riesensauerei, aber so ist das, wenn man bei einem US-Unternehmen angestellt ist.

Für Ulrike kommt nur ein Job im Location-Management infrage. Sie durchforstet die gängigen Job-Portale und wühlt sich durch die Mitgliedsunternehmen des EVVC, Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren. Dort sind städtische und private Locations gelistet. Erstere scheinen häufig keinen großen Wert auf aussagekräftige Stellenangebote zu legen. Ulrike hat es sich im ALEX im Westfield Centro Oberhausen gemütlich gemacht, surft durch die Stellenangebote und ärgert sich über das Bullshit-Bingo:

Die Extrameile gehen. Abgekupfert! Von der Camel-Kinowerbung aus
den 70ern. „I’d Walk a Mile for a Camel

Großer Gestaltungsspielraum in einem dynamisch wachsenden Arbeitsumfeld. Klartext: „Du musst das Chaos lieben.“

Flache Hierarchien. Kurze Entscheidungswege oder mangelnde Aufstiegschancen?

Hohe Belastbarkeit, großes Engagement. Es werden Überstunden erwartet. Im Zweifelsfall unbezahlt.

Wir suchen motivierte Talente. Was darf es denn sein? Sport? Fremdsprachen? Organisation? Basteln? Musik? Ein Grüner Daumen?

Dynamisches Team – die Mutter aller Floskeln.

Hands-on-Mentalität. Heimwerker-Slang, was heißt das konkret?

Leistungsgerechte Vergütung. Was ist der objektive Maßstab?
Oder ist sie vom Wohlwollen der Chef-Etage abhängig?

Fazit: Stellenanzeigen versprechen oft das Blaue vom Himmel. Je wolkiger die Floskeln, desto größer ist jedoch das Mißtrauen der Bewerber. Was erwarten sie wirklich? Konkrete Arbeitsaufgaben, Einblicke in die Unternehmenskultur. Stichwort „Employer Branding“.

Ach ja, Ulrike hat einen neuen Job im PS.SPEICHER, Europas größtem Oldtimer- und Erlebnismuseum in Einbeck.
https://www.ps-speicher.de

Keep on rockin‘

Foto: privat

Job-Wechsel und andere Abenteuer – Episode 40

Welcome to the jungle

Reise zurück in das Jahr 1987 mit dem Titelsong von Guns N‘ Roses

Dominik sitzt mit einem langen Gesicht in der Havanna Bar im Herzen von Ingolstadt. Nach der ersten Woche in der Presseabteilung des ansässigen Automobilkonzerns fragt er sich, ob sein Job-Wechsel nicht etwas leichtfertig gewesen ist, ob er sich nicht zu sehr hat blenden lassen vom Glamour einer großen Marke.

Chaotische Tage liegen hinter ihm. Die überfallartige Begrüßung lautete „Sind Sie der Neue? Kennen Sie sich in Lissabon aus? Wir haben dort in 10 Tagen eine Pressefahrvorstellung, ein Kollege ist ausgefallen! Wir brauchen jemanden an der Rennstrecke von Estoril!“ Dominik holte tief Luft „Ja, ich kann auch ein wenig Portugiesisch.“ „Klasse, dann kommen Sie gleich mit ins Meeting.“ Dominik schwirrte der Kopf, trabte aber brav hinter dem neuen Kollegen her.

Ein paar Tage später schickt er eine WhatsApp an seinen besten Freund:
„Bin allein auf mich gestellt. Es herrscht ein ruppiger Ton. Die Kollegen scheinen alle überlastet. Ziemlich schlechte Stimmung. Der Chef ist seit Wochen krank, der Flurfunk meint, daß er wegen Depressionen krank geschrieben ist und vielleicht auch nicht wiederkommt. Was soll ich tun?“

Antwort „Love it, change it or leave it!“ Zugegeben, das Onboarding war krass, aber nicht unrealistisch, gerade in der Presseabteilung eines Automobilkonzerns, vor der wichtigsten Veranstaltung des Jahres.

Was wäre ein Best Practice? Meine eigene Erfahrung bei der Agentur kogag (ist lange her, aber wahr): ein Blumenstrauß auf dem Schreibtisch, das interne Telefonverzeichnis, das Handbuch mit internen Regeln, Notizpapier mit meinem Namen. Als Bezugsperson die Assistentin des Geschäftsführers. Daraus wurden 14 Jahre.

Keep on rockin‘

Abb: GPT-4o

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